Spaziergang mit Ziegen

Eine Mössingerin bietet Ausflüge in die Natur mit schlappohrigen Begleitern an

Clara und Lino, Mausi und Fips: Vier junge Mössinger Buren ziegen sind, kräftig und gut zu Fuß, unterwegs in der Umgebung. Besitzerin Caroline Ammann plant, sie einmal als Trekking-Ziegen mit Wanderern laufen zu lassen.

24.02.2015

Von Jürgen Jonas

Mössingen. „Kommen Sie, Ziegen sind zum Verlieben“, heißt es, als sich das Tor öffnet. Das Begrüßungsgemecker ist freundlich-lebhaft. Clara, Mausi, Lino und Fips heißen die vier Burenziegen, die auf einer großen Wiese an der Mössinger Alexanderstraße leben. Sie stehen gut im Futter. „Das ist das Winterfell“, sagt Caroline Amann, die mit den Ziegen einiges vorhat.

In diesem Jahr will sie Spaziergänge mit den Tieren anbieten. Für Schulkinder und ganze Klassen allerdings erst in höherem Alter. „Mit Burenziegen über den Panoramaweg“ schwebt ihr vor, auch mehrtägige Wanderungen will sie anbieten, wenn die Tiere älter sind. Jetzt werden sie noch trainiert, für eine Laufbahn als Trekkingziegen. Dann werden sie einen Holzsattel und Tragetaschen schleppen, so etwa 20 Kilo verkraften sie. Ammann ist Lehrerin an der Berufsschule in Hechingen, wo sie wie ihre Kollegin Susanne Wolff Pflege unterrichtet. Beide kümmern sich um das Wohlergehen der Ziegen.

Der Spaziergang beginnt. Die Wohlgenährtheit der Tiere hindert keineswegs an einem rasanten Lauf auf den Kastenwagen zu, den Amann sich extra für den Transport zugelegt hat. Nachbarin Andrea Nickisch sagt: „Wenn ich da an unseren autoscheuen Hund denke, bin ich ganz neidisch.“ Sie ist öfter bei den Wanderungen dabei. Hanne Hartmann, ehemalige Nachbarin von Wolff, kommt aus Unterjesingen, wo sie oft mit dem Schäfer und seinen Tieren zu tun hat. Luisa, elf Jahre alt, aus der Nachbarschaft, geht oft mit, hilft auch beim Striegeln. Auch andere Kinder aus der Gegend haben sich rasch mit den Tieren angefreundet.

Eine „Ziegenflüsterin“ sei Amann. Amann trainiert die Tiere derzeit, in der Gruppe zu marschieren, was hervorragend klappt. Die zwei Ziegenweiber behaupten sich gut, auch wenn die Böcke dominant sind, es sind „emanzipierte Mädels“. Burenziegen werden schnell handzahm, toben freilich auch ausgelassen herum. Wie an den Hügeln über dem Parkplatz bei den Firstwaldschulen. Oberhalb von Schwanholz liegt ein Polter Holzstämme. Die Ziegen klettern gleich darauf herum, trittsicher und sehr geschickt. Picknickpause. Die Begleiter trinken Tee und schnabulieren Fasnetsküchle, die Ziegen holen sich Leckerli. Äpfel, Karotten und ungekochte Nudeln, die „in homöopathischen Dosen“ verabreicht und gern geknabbert werden. Die Vier sind „nicht schleckig, aber hygienisch“. Einmal hatten sie das Messer vergessen und stellten fest: Abgebissene Apfelstücke nahmen die Tiere nicht an.

Ziegen sind Gourmets

„Ziegen sind Gourmets“, sagt Wolff, älteres Heu fressen sie nicht, dafür widmen sie sich aber dem Abknuspern von süßen Blütenköpfchen. Wolff ist „gespannt, wie sie im Frühjahr mit den Gänseblümchen zufrieden“ sein werden. Eine Joggerin trabt vorüber und freut sich über den Anblick der harmlosen Tiergesellschaft: „Normalerweise muss ich vor Hunden Angst haben.“ Auch ein dicker Traktor, der vorüberdonnert, kann die Kletterer nicht aus der Ruhe bringen.

Sie sind auch schon mal in eine große Gruppe von Feuerwehrleuten und deren Angehörigen geraten, die einen Sonntagsspaziergang unternahmen. Zu beiderseitigem Vergnügen, die Ziegen hatten Aufmerksamkeit, die Wanderer schöne Abwechslung. Generell sind Jogger und Spaziergänger erfreut, die Schar zu sehen. Begegnungen gehen in gegenseitiger Freundlichkeit vonstatten. „Die sehen aber schön aus“, heißt es, man kommt ins Gespräch.

Amann kann sich gut vorstellen, beim kommenden Kirschblütenfest in den Nehrener Obstbaumwiesen ihre Tiere spazierenzuführen, als Streichelzoo-Angebot für Kinder. Für künftige Spaziergänge überlegt sie sich, auch mal poetische Geschichten, Märchen und Gedichte über Ziegen vorzulesen.

Aber jetzt geht es zurück ins Ziegen-Auto. Das Grundstück, auf dem die Tiere wohnen, hat Amann von einem Nachbarn gepachtet, eingezäunt hat es ihr Mann. Sorgen macht ihr ein Rechtsstreit mit der Stadt, derzeit beim Verwaltungsgerichtshof Mannheim anhängig. Die Stadt argumentiert, es handele sich um ein Mischgebiet, in dem Ziegenhaltung nicht erlaubt sei. Obwohl aus dem Rathaus erst Einverständnis signalisiert worden sei, berichtet Amann.

Da sind sie wieder, im Ziegenzuhause, zufrieden. Sie holen sich erstmal Futter aus den Raufen, lagern sich auf die Paletten mit einer Mischung aus Stroh und Heu. Hier schlafen sie, nachts ist die Behausung abgeschlossen. Wenn was wäre, Amann wohnt in Sichtweite. Bisher ist nichts passiert. Die Unterjesingerin sagt: „Es ist schön, mit Ziegen zu spazieren.“ Clara und Lino, Mausi und Fips bestätigen das meckernd.

Caroline Amann, Andrea Nickisch, Hanne Hartmann und Susanne Wolff mit Clara, Mausi, Fips und Lino.Bild: Faden

Burenziegen, große, gehörnte Tiere, sind Fleischziegen und keine Milchziegen. Sie kommen aus Südafrika, in Deutschland gibt es sie seit 1977. Ihre Ramsnasen wölben sich nach außen, die Ohren hängen bis zum Kinn. Das Fell ist meist weiß, mit vielerlei Zeichnung. Weil sie kaum gemolken werden müssen und im Gelände gut zurechtkommen, werden sie auch in der Landschaftspflege eingesetzt. Wer einmal mit den Mössinger Ziegen mitlaufen möchte, kann sich bei Caroline Amann anmelden unter ziegenlaufen@gmx.de.

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Erstellt:
24. Februar 2015, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
24. Februar 2015, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 24. Februar 2015, 12:00 Uhr

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