Arabisches Filmfestival

Eine Kinoreise von Marokko bis in den Irak

Selten einmal schafft es ein arabischer Film auf die deutschen oder gar Tübinger Leinwände. Jetzt gibt es in den Kinos Arsenal und Museum eine Woche lang gleich 30 davon.

26.01.2010

Von ST

Das Arabische Filmfestival startet am Mittwoch, 3. Februar 2010, um 20 Uhr im Kino Museum mit dem Kriegsmelodrama „Dawn Of The World“.

Zum zweiten Mal nach 2005 hat der Tübinger Verein Arabischer Studenten ein Filmfestival auf die Beine gestellt. Wobei das Wörtchen Festival vielleicht ein bisschen hoch gegriffen ist, denn fachkundige Gäste aus Nordafrika oder dem Nahen Osten werden – abgesehen vom in der Unistadt schon bestens bekannten „Herz von Jenin“-Protagonisten Ismael Khatib – nach derzeitigem Stand nicht nach Tübingen kommen. Rein optisch ist aber eine ganze Menge geboten: ein Panoramablick auf das Filmkunst- Schaffen der letzten drei bis vier Jahre in den arabischen Ländern.

Schwerpunkt ist allerdings gar nicht das arabische, sondern das kurdische Kino. Aus gutem Grund: Regisseure aus der auf ein halbes Dutzend Staaten verteilten Volksgruppe haben in der jüngeren Vergangenheit auf internationalen Festivals einiges Aufsehen erregt, allen voran Hiner Saleem und Bahman Ghobadi. Von Saleem zeigt die Filmschau gleich drei Werke, die mal hart realistisch („Dol – Das Tal der Trommeln“), mal mit eher skurrilem Zungenschlag („Wodka Lemon“) den Alltag in abgelegenen kurdischen Bergdörfern schildern.

Schwerpunkt kurdisches Kino: "Kick Off"

Ghobadi ist mit seinem vorletzten Film „Half Moon“ vertreten, die humorvoll erzählte Geschichte eines sterbenskranken iranischen Musikers, der nach dem Sturz Saddam Husseins alle Hebel in Bewegung setzt, um ein letztes Konzert im Irak geben zu können. Mit „Kick off“ steht aber auch ein topaktueller kurdischer Film auf dem Spielplan.

Das als europäische Erstaufführung angekündigte Drama handelt von Flüchtlingskindern, die in der irakischen Stadt Kirkuk ein altes Stadion bevölkern und nur beim Fußballspielen ihre Angst vor Bomben und Armut für kurze Zeit vergessen.

Die im engeren Sinn arabischen Festival-Filme laden zu einer viele Tausend Kilometer langen Reise, die von Marokko über Ägypten bis in den östlichsten Zipfel des Irak führt. Das sumpfige Delta des Euphrat ist der nur auf den ersten Blick idyllische Schauplatz des Eröffnungsfilms „Dawn Of The World“, eine tragische Liebesgeschichte vor dem Hintergrund des Golfkriegs in den Jahren 1990/91.

Hoffnung auf mehr Geld von der Stadt

Überhaupt sind kriegerische Auseinandersetzungen, ob zwischen Iran und Irak, Israel und Palästinensern oder im Libanon das Thema einer ganzen Reihe von Filmen. Andere Regisseure beschäftigen sich mit sozialen und politischen Verwerfungen innerhalb der arabischen Gesellschaften. So prangert der 2008 gestorbene ägyptische Altmeister Youssef Chahine im Gewand einer Gesellschaftskomödie Gewalt und Korruption in einem ehemals friedlich kosmopolitischen Viertel von Kairo an („Chaos“).

Besondere Spannung versprechen die Beiträge aus dem politischen Brennpunkt Palästina. Den großen historischen Bogen schlägt Elia Suleiman, der in „The Time That Remains“ (dem Abschlussfilm des Festivals) die Geschichte seiner Familie und ihren Konflikten mit den Israelis zwischen 1948 und heute nachzeichnet. Ganz im Hier und Jetzt steht „Laila?s Birthday“ über einen palästinensischen Richter, der sich als Taxifahrer verdingen muss, um seiner Tochter ein Geburtstagsgeschenk kaufen zu können.

Apropos Geld. Finanziell steht auch das Arabische Filmfestival auf schwachen Beinen. Beinahe ohne öffentliche Fördermittel (je 2500 Euro schießen die Stadt Tübingen und der Asta der Universität zu) muss der Großteil der Auslagen von rund 26 000 Euro an der Kinokasse erwirtschaftet werden.

Das Risiko tragen die ausschließlich ehrenamtlich tätigen Film-Enthusiasten selbst. Für die Zukunft hofft Festivalleiter Adwan Taleb auf ein deutlich stärkeres Engagement der Stadt. „Dann könnten wir auch mal ein paar Gäste einladen.“ Dem ausdrücklichen Anliegen der Macher, eine „Brücke der Verständigung zwischen den unterschiedlichen Kulturen und Religionen“ zu schlagen, käme es nur zugute.

Das Arabische Filmfestival startet am Mittwoch, 3. Februar 2010, um 20 Uhr im Kino Museum mit dem Kriegsmelodrama „Dawn Of The World“.

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Erstellt:
26. Januar 2010, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
26. Januar 2010, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 26. Januar 2010, 12:00 Uhr

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