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Handel

Eine Innenstadt im Wandel

Das Viertel rund um das Rathaus und die Stiftskirche entwickelt sich zur Luxus-Einkaufsmeile, während sich das Shopping-Erlebnis auf der Königstraße verändert.

15.10.2019

Von MELISSA SEITZ

In der Stiftstraße eröffnen Luxus-Labels immer wieder neue Boutiquen. Foto: Foto

Eine schwarze Brieftasche aus dem Leder eines Mississippi-Alligator für 14 800 Euro, eine kleine Tube feuchtigkeitsspendende Gesichtslotion für 58 Euro oder eine Herrenkrawatte aus hundert Prozent Seide für 220 Euro: Wer keine Ware von der Stange will, wird im neuen Shop von Hermés, der Anfang September in der Stuttgarter Stiftstraße eröffnet hat, fündig – muss dafür aber auch tief in die Tasche greifen.

Die Schaufenster sind minimalistisch gehalten, hier und dort hängt ein Schal oder eine Tasche. Beim ersten Schritt in den Laden fallen der dunkle Mosaikboden und die Einrichtung aus Kirschbaumholz auf. Hermès ist mit seiner Boutique in guter Nachbarschaft: Gegenüber befindet sich der Luxus-Schreibwarenhersteller Mont Blanc, daneben der Kosmetik-Shop L'Occitane en Provence und um die Ecke der Edel-Schmuckhändler Wempe, der Ende letzten Jahres mit seinem Laden von der Königstraße in das Rathausviertel gewandert ist. Einige Schritte weiter und man steht direkt im Dorotheenquartier, in dem sich weitere hochpreisige Geschäfte befinden.

Keine Abgrenzung

Entsteht rund um das Rathaus ein Viertel für die Reichen und Schönen, abgegrenzt von den normalpreisigen Läden in der Königstraße? Nein, findet Sven Hahn von der City-Initiative (Cis) Stuttgart. Er nehme keine Abgrenzung von der restlichen Stadt oder der Königstraße wahr. Ein breites Angebot mache eine Stadt aus, man müsse ja schließlich verschiedenes Publikum ansprechen.

Vor kurzem habe er mit einem Paar gesprochen, das von einer S21-Demo kam und dann zum Feinkost Böhm zum Einkaufen gegangen ist – eine Kombination, die man laut dem Cis-Manager so nicht erwarten würde. Die Eröffnung des Hermès-Shops gehört für ihn zur positiven Entwicklung einer Innenstadt. „Solche Läden machen die Stadt attraktiver“, sagt Hahn. „Menschen kommen doch eher wegen Hermès nach Stuttgart als wegen H&M.“

Auch Armin Dellnitz, Chef von Stuttgart-Tourist, nimmt keine Spaltung wahr. „Die Königstraße, das Dorotheenquartier und das Viertel rund ums Rathaus – alles ist doch nur wenige Gehminuten voneinander entfernt.“ Man habe zwar um die Stiftskirche herum „eine Kompaktheit von teuren Geschäften“, diese seien aber ein Gewinn für die Stadt.

Vor allem Chinesen lieben die exklusiven Läden. „Sie bekommen dort die Produkte günstiger als in ihrem Heimatland“, weiß der Tourismus-Chef. „Eher wird am Hotel gespart, nicht aber beim Shoppen.“ Oft wandern dann mehrere Taschen einer Luxus-Marke in den Koffer. „Sie bringen dann auch mal was für Freunde und Bekannte mit“, sagt Dellnitz.

Während sich das Viertel rund um die Stiftskirche zu einer wahren Luxus-Shopping-Meile entwickelt, erlebt die Königstraße einen Wandel. Immer wieder eröffnet nur für kurze Zeit ein neuer Laden oder Geschäfte schließen ganz plötzlich. „Ich glaube, dass sich Handelsflächen in Zukunft verändern werden“, sagt der City-Initiative-Manager Hahn. „Wir werden nicht nur Läden in der Königstraße haben.“ In einem Gebäude könnte sich nach seiner Vorstellung im Erdgeschoss ein Geschäft befinden und in den oberen Etage Co-Working-Spaces oder auch Büros.

Wenn es um die Art der Läden geht, die in ein Gebäude in der Königstraße einzieht, wünscht sich Dellnitz eine Steuerungsgruppe. Keine Instanz, die entscheidet, jedoch den Immobilieneigentümer Hilfestellung gibt. Im Gespräch sei er zu diesem Thema schon mit der City-Initiative. „Wir könnten die Eigentümer darin sensibilisieren, was für eine Wirkung ein Laden auf den innerstädtischen Raum hat, wo es Konkurrenz gibt oder eine Wettbewerbssituation“, erklärt der Marketing- und Tourismus-Chef. Das seinen aber alles noch Überlegungen.

Im Moment versucht Dellnitz mit einfachen Mitteln die Königstraße attraktiver zu gestalten. „Schon eine Beleuchtung trägt zum Wohlfühlfaktor bei.“ In diesem Jahr soll auch der Karlsplatz wortwörtlich in ein besseres Licht gerückt werden. „Hier halten die Touristen-Busse.“

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Erstellt:
15. Oktober 2019, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
15. Oktober 2019, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 15. Oktober 2019, 06:00 Uhr

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