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Eine Frage des Kessels
Es zählt nicht nur, ob der Kessel noch wärmt. Es geht vor allem um die Energiebilanz. Foto: DPA
Heizungsmodernisierung

Eine Frage des Kessels

Viele Heizungen in Baden-Württemberg sind älter als 20 Jahre. Beim Thema Modernisierungen ist nun ein Streit um Fördergelder entbrannt.

22.11.2017
  • CAROLINE STRANG

Ulm. Mehr als die Hälfte der 950.000 Ölheizungen in Baden-Württemberg sind länger als 20 Jahre im Dienst, bei Gasheizungen ist der Anteil ähnlich. Effizient sind die Systeme nicht mehr. Ein Austausch ist sinnvoll – aber gegen was? Die einen sehen in einem Austausch alter Heizsysteme gegen Brennwertgeräte einen wichtigen ersten Schritt hin zur Energiewende, den anderen geht dieser nicht weit genug, weil die Geräte auf konventioneller Energie aufbauen.

„Es besteht ein enormes Einsparpotenzial durch den Einsatz von Brennwerttechnik“, sagt Hans-Jürgen Funke, Geschäftsführer des Verbandes für Energiehandel Südwest-Mitte e.V. (VEH). Ein Brennwertkessel, so rechnet er vor, spare bis zu 30 Prozent Energie und damit CO2. Bisher wird die Heizungsmodernisierung an sich mit 10 Prozent der Kosten vom Staat gefördert. Aber diese Förderung soll auslaufen.

Klimaschutzplan 2050

Das Bundeswirtschaftsministerium lässt dazu wissen: Mit dem Klimaschutzplan 2050 hat die Bundesregierung beschlossen, die Förderung rein fossil befeuerter Heizungen zum 31.Dezember 2019 auslaufen zu lassen. „Diese Entscheidung steht nun zur Umsetzung an“, erklärt ein Sprecher. Allerdings stehe auch in Zukunft eine „attraktive Förderung“ zur Heizungsmodernisierung zur Verfügung – für Heizungen auf Basis erneuerbarer Energien und hybride Anlagen mit einem Anteil fossiler Energie.

Für das Ministerium steht fest: Hybridanlagen „stellen angesichts der Vielfalt von Bauformen und Baualtersklassen effiziente Lösungen für Neubauten und vor allem Bestandsgebäude dar, die nicht in einem Schritt vollständig auf erneuerbare Energien umgestellt werden können.“ Die genauen Förderbedingungen würden derzeit verhandelt.

In Baden-Württemberg ist man da schon weiter. Mit dem Erneuerbare-Wärme-Gesetz des Landes ist festgelegt, dass beim Heizungsanlagentausch in bestehenden Wohngebäuden 15 Prozent der Wärme durch erneuerbaren Energien gedeckt oder Ersatzmaßnahmen nachgewiesen werden müssen. Ralf Heineken, Pressesprecher des Ministeriums für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft, stellt klar: „Entscheidend für uns ist nicht, dass irgendwie erneuert wird, von daher sehen wir die Förderung von Ölheizungen grundsätzlich skeptisch. Es geht uns auch um die Qualität der Heizungserneuerung.“ Gefördert werden sollte der Einsatz erneuerbarer Energien.

Auch Volker Kienzlen, Geschäftsführer der KEA Klimaschutz- und Energieagentur Baden-Württemberg, hat eine klare Position. Einerseits könnten mit dem Austausch einer alten, ineffizienten Heizung zwar relativ schnell 10 bis im Einzelfall 30 Prozent Energie eingespart werden. „Diese Heizung wird dann aber 20 bis 30 Jahre, also bis in die 2040er Jahre ihren Dienst versehen. Insofern ist die Brennwertheizung keine Technik, die kompatibel ist mit den Zielen 2050.“

Eine Förderung signalisiere allerdings, dass hier eine zukunftsfähige Technologie unterstützt werde. „Unter diesem Aspekt sehe ich es ebenfalls als problematisch an, eher kurzfristig sinnvolle Maßnahmen zu unterstützen.“ 2030 sollten seiner Meinung nach die letzten neuen Gaskessel installiert sein. Erdgas sollte mittelfristig nur in Kraft-Wärme-Kopplung eingesetzt werden, also sowohl zur Strom- als auch zur Wärmeerzeugung. „In Verbindung mit entsprechenden Wärmespeichern sind diese Geräte dann auch eine hervorragende Leistungsreserve, die erneuerbare Energien sehr gut ergänzen.“

Einige Verbände schlagen Alarm und fürchten negative Effekte von der Abschaffung der Förderung einfacher Modernisierungen. Die Förderung diene als Investitionsanreiz und habe zudem einen Empfehlungscharakter. Entfalle die Förderung, könnten potenzielle Modernisierer verunsichert werden, befürchtet Andreas Maier, Vertreter des Instituts für Wärme und Oeltechnik für Baden-Württemberg. „Es behindert vor allem in ländlichen Regionen den wirtschaftlichen Einstieg in die Wärmewende“, sagt Maier.

Paradoxes Vorgehen

Dem stimmt Andreas Köhler, Ingenieur bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg, im Grunde zu. Er sei zwiegespalten, sagt er. Eigentlich sei es angesichts der Klimaziele eine paradoxe Vorgehensweise, fossile Brennstoffe zu fördern, die Mittel könnte man besser in erneuerbare Energien stecken. Dennoch: „Die Politik und die Verbände können viele gute Ziele formulieren, aber sie müssen die Bevölkerung mitnehmen.“ Und da gebe es viele, die in diesem Zusammenhang nicht komplett hinter der Energiewende stehen, sei es aus finanziellen Gründen oder aus Skepsis neuer Technik gegenüber, sagt Köhler.

„Wenn man nun die Förderung für Brennwerttechnik auslaufen lässt, besteht die Gefahr, dass diese Menschen ihre alten Geräte nicht austauschen und grundsätzlich nur das Allernötigste machen.“ Er fände es sinnvoll, eine bundesweite Förderung daran zu koppeln, dass die Heizsysteme einen Anteil erneuerbarer Energien einbinden, wie im Südwesten ohnehin vorgeschrieben.

20 Euro für eine Beratung

Wer eine alte Heizanlage modernisieren will, muss sich zwischen verschiedensten Heizsystemen entscheiden. Allerdings sind nicht alle für jedes Haus geeignet. Entscheidend sind Größe, Ausstattung an Heizkörpern, aber auch Lage und Verfügbarkeit verschiedener Energiestoffe. Beraten lassen kann man sich von der Verbraucherzentrale. 20 € kostet es, einen Ingenieur kommen zu lassen, der seine Empfehlungen in einem Bericht festhält. Gefördert wird das vom Wirtschaftsministerium.⇥cast

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22.11.2017, 06:00 Uhr
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