Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Forscher vermuten bewohnbaren Planeten am Stern Proxima Centauri

Eine „Erde“ in nächster Nähe

Sind wir allein im Universum? Wohl kaum. Auch auf anderen Planeten kann Leben entstehen, wenn die Umstände stimmen. Vielleicht bei Proxima Centauri?

25.08.2016
  • MARCO KREFTING, DPA

München. Forscher haben den erdnächsten Planeten jenseits unseres Sonnensystems entdeckt. Dort könnten Bedingungen herrschen, die Leben ermöglichen, schreiben die Astronomen um Guillem Anglada-Escudé von der Queen Mary Universität in London im Fachmagazin „Nature“.

Hinter der Einstufung „Planet“ stehen noch viele Fragezeichen. Die Forscher sprechen daher von einem „Planeten-Kandidaten“. Um ihn näher charakterisieren zu können, müsse sich vor allem die Technik verbessern. Die Forscher denken an hochauflösende Spektroskopie in den nächsten Jahrzehnten und möglicherweise sogar Roboterexpeditionen in den kommenden Jahrhunderten.

Dem 21-köpfigen Team ist es mit indirekten Verfahren gelungen, unter anderem mit Teleskopen der Europäischen Südsternwarte (Eso/Garching) in Chile, Hinweise auf den Planeten zu sammeln, der um die Sonne Proxima Centauri kreist. Das ist der nächste Nachbarstern unserer Sonne mit einen Abstand von rund 40 Billionen Kilometern.

Der Planet umkreist Proxima Centauri den Berechnungen zufolge mit einer Umlaufzeit von 11,2 Tagen in einem Abstand von sieben Millionen Kilometern. Das ist ein Zwanzigstel der Entfernung zwischen Erde und Sonne. Seine Masse entspricht nach Schätzungen dem 1,3-fachen der Erdmasse. Nach dem üblichen System haben die Forscher ihn Proxima Centauri b genannt – oder kurz: Proxima Cen b.

Das Entscheidende: Der Planet soll sich in der so genannten habitablen Zone befinden, in der die Temperaturen die Existenz von flüssigem Wasser erlauben. Das wiederum wird als Voraussetzung für Leben angesehen.

Der Planet umkreist seinen Stern zwar relativ nah, aber Proxima Centauri ist ein roter Zwergstern, der deutlich leichter und dunkler ist als unsere Sonne. Seine Masse liegt bei 12 Prozent, die Leuchtkraft bei 0,17 Prozent der unserer Sonne.

Ob es auf dem potenziellen Planeten Wasser gibt, wissen die Forscher nicht. Und es gibt weitere Unwägbarkeiten: Womöglich rotiert Proxima Cen b so, dass er dem Stern immer dieselbe Seite zuwendet – dann wäre es dort ewig heiß und auf der anderen Seite ständig kalte Nacht.

„Es ist unklar, wie Leben unter solchen ungünstigen Bedingungen entstehen kann“, schreiben Forscher vom Max-Planck-Institut (MPI) für Astronomie in Heidelberg, die an der Studie beteiligt sind. Zudem bombardiere Proxima Centauri seinen Begleiter mit hochenergetischen Teilchen und Röntgenstrahlung. Unklar ist auch, ob Proxima Cen b wie die Erde eine Atmosphäre hat, die ihn davor schützen könnte.

Konkretere Informationen über die Umweltbedingungen auf dem möglichen Planeten sollen die weiteren Beobachtungen ergeben. Falls es dort sogar Leben geben sollte, dürfte die Forschung aber erst in einigen Jahrzehnten in der Lage sein, das nachzuweisen.

„Was uns Wissenschaftlern besonders gefällt: Das ist der häufigste Sternentyp“, sagte der MPI-Astronom Martin Kürster der Deutschen Presse-Agentur. 70 bis 80 Prozent der Sterne in der Milchstraße seien rote Zwerge. „Wenn es schon beim ersten einen Treffer gibt, legt das die Vermutung nahe, dass es viele solcher Planeten gibt.“

Bislang haben Astronomen mehr als 3500 extrasolare Planeten entdeckt. Keiner von ihnen ist jedoch so nahe an unserem Sonnensystem wie Proxima Cen b.

Dass die Forscher erst jetzt Hinweise auf Proxima Cen b gefunden haben, liegt an Messmethoden und -grenzen. Mit einem Eso-Spektographen und einer Methode, die minimale Sternbewegungen nachweist, hat Anglada-Escudé Indizien dafür gefunden, dass um den Stern ein Planet kreisen könnte. Viele Nachmessungen und der Vergleich mit alten Messdaten Kürsters belegen nach Einschätzung der Experten, dass Anglada-Escudé keinem stellaren Störsignal aufgesessen ist.

„Die Signale sind mit extrem hoher Signifikanz vorhanden und über jeden Zweifel erhaben“, sagte Kürster. Fraglich sei die Interpretation gewesen. Ein Planet sei die „weitaus plausibelste“ Erklärung für die zahlreichen Indikatoren. „Die Wahrscheinlichkeit für einen Planeten liegt bei nahezu 100 Prozent.“

Bis die Forscher Proxima Cen b direkt abbilden können, wird es dauern. Für die heutige Technik sei der Stern zu hell, der Planet ihm zu nah. Kürster: „Möglicherweise schafft die nächste Generation von Teleskopen das.“ Sie solle Mitte des nächsten Jahrzehnts in Betrieb gehen.

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

25.08.2016, 06:00 Uhr
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden

Newsletter-bestellen

· Samstags verschicken wir die News der Woche, unser Klassiker: Die wichtigsten Themen und Geschichten direkt im E-Mail-Postfach. So bleiben Sie auch in der Ferne immer informiert, was in und rund um Tübingen passiert.
· Werktags versenden wir um 9 Uhr die News am Morgen mit den wichtigsten aktuellen Nachrichten.
· Sonntagabend kommt unser Sport-Newsletter mit den wichtigsten Lokalsport-Berichten und Ergebnissen vom Wochenende.

Um unsere Newsletter zu erhalten, müssen Sie sich anmelden oder sich neu als Benutzer registrieren. Ihre Daten werden ausschließlich für die Newsletter (nur falls Sie weitere Angebote des Verlags Schwäbisches Tagblatt wählen, auch für diese) verwendet. Ihre Daten werden nicht an andere Unternehmen weitergegeben.
Nachrichten via Messenger
Die wichtigsten Neuigkeiten aus der Region liefern wir Ihnen auch per WhatsApp & Co. aufs Smartphone. Um diesen Service zu nutzen, öffnen Sie tagblatt.de/whatsapp bitte mit einem entsprechenden Mobilgerät.
Heute meistgelesenNeueste Artikel

Nachrichten aus ...
Reutlingen Wannweil Pliezhausen Walddorfh�slach Ammerbuch T?bingen Dettenhausen Kirchentellinsfurt Kusterdingen Gomaringen Dusslingen Ofterdingen Mössingen Nehren Bodelshausen Hirrlingen Neustetten Rottenburg Starzach Horb
Das Tagblatt bei
Facebook Google+ Twitter Instagram
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesen
Wirtschaft im Profil
Neueste Artikel
Sozialwohnungen Offensive mit einem Haken
Angelika Bachmann über eine Erkenntnis 30 Jahre nach dem Abitur Sechs Algorithmen in einem karierten Schulheft
Anzeige

Themen-Dossiers

Themen-Dossiers
Single des Tages
date-click
Das Tagblatt als E-Paper

Kontakt zum Kundenservice

Abonnement
07071/934-222
vertrieb@tagblatt.de

Anzeigen
07071/934-444
anzeigen@tagblatt.de

Kontakt zu den Redaktionen

Schwäbisches Tagblatt Tübingen
07071/934-0
redaktion@tagblatt.de

Neckar-Chronik Horb
07451/9009-30
nc@neckar-chronik.de

Tagblatt Online         
07071/934-314
online@tagblatt.de

Steinlach-Bote Mössingen
07473/9507-0
sb@tagblatt.de

Rottenburger Post
07472/1606-16
ro@tagblatt.de

Reutlinger Blatt
07121/3259-50
rt@tagblatt.de

Tagblatt Anzeiger
07071/934-344
tagblatt-anzeiger@tagblatt.de

Wirtschaft im Profil
07071/934-166
wip@tagblatt.de


Oder nutzen Sie unser Kontaktformular