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In der Reutlinger Unterwelt

Einblicke in das etwa 600 Kilometer lange Kanalsystem der Stadtentwässerung

Jeder läuft oder fährt tagtäglich drüber, doch kaum jemand hat eine Ahnung davon, was für ein Kanalsystem unterhalb der Straßen angelegt ist. Ein Besuch in der Reutlinger Unterwelt, wo das Abwasser der Stadt gesammelt und abgeleitet wird.

12.08.2016
  • Thomas de Marco

Reutlingen. Erst wenn der Einweg-Schutzanzug übergestreift ist, der Helm auf dem Kopf sitzt und die beiden Seile an der Sicherheitsweste eingehakt sind, geht es über die Steigeisen in der Kanalwand drei, vier Meter in die Tiefe. Unten im 2,50 Meter hohen, rechteckigen Kanal fließt ein Bach in einer etwa zehn Zentimeter tiefen Rinne entlang. „Das ist der normale Trockenwetterabfluss“, sagt Tiefbauamtsleiter Arno Valin, als er mit den Spezialisten der Stadtentwässerung Reutlingen (SER) bei einem Pressetermin die Gelegenheit zu einem Einblick in das Kanalsystem unterhalb der Stadt gibt. Ist der Kanal allerdings voll, etwa bei Hochwasser, dann fließen an dieser Stelle 16 Kubikmeter (oder 16 Tonnen) Abwasser durch.

Hier, unterhalb der Emil-Adolff-Straße beim Bauhaus, läuft das gesamte Abwasser der Innenstadt zusammen. Ein paar Meter weiter kommt ein unterirdisches Regenüberlaufbecken mit 1000 Kubikmetern, dann rauscht das Abwasser weiter zur Betzinger Kläranlage. Insgesamt ist das Reutlinger Kanalnetz rund 600 Kilometer lang und umfasst etwa 18000 Schächte. Entwässert wird ein Einzugsgebiet von annähernd 3200 Hektar.

Die Rohre reichen vom nicht begehbaren Kreisprofil mit einem Durchmesser von 20 Zentimetern bis zum begehbaren Rechteck-Kanal mit einem Querschnitt von 2,40 auf 2,40 Metern. Einer der wenigen Abschnitte, in den die Verantwortlichen hinabsteigen können, ist der unterhalb der Emil-Adolff-Straße.

In der braunen Brühe, die unablässig vorbeiströmt, schwimmt immer mal wieder Klopapier. Entsprechend riecht es in dieser Unterwelt. Daran gewöhne man sich, sagt einer der Arbeiter der Stadtentwässerung: „Hier stinkt es doch nicht – im Gegensatz zu Biotonnen. Die stinken wirklich!“

Ein guter Kanalarbeiter wisse auch ohne Uhr immer, wie spät es ist, sagt Jürgen Hörsch, Meister für Rohr-, Kanal- und Industrieservice. Morgens rieche es nach Duschgel, dann kämen das Abwasser von Waschmaschinen, anschließend folge das Essen und so weiter. Gegen 20 Uhr nehme die Menge des Abwassers ab, erklärt er. Ratten sind hier unten keine zu sehen, obwohl die ganz sicher in der Reutlinger Unterwelt auch unterwegs sein müssten. Denn die Faustregel laute, dass auf einen Einwohner einer Stadt eine Ratte käme, sagt Tiefbauamtsleiter Valin.

Das Kanalsystem muss ständig überwacht und in Schuss gehalten werden – auch, damit kein Abwasser ins Erdreich dringen kann. Dafür hat die SER zwei hochmoderne Spülwagen, zwei Fernseh-Fahrzeuge und einen Werkstattwagen im Einsatz. Erst vor kurzem ist ein hochmoderner Spülwagen, der die Kanäle mit bis zu 200 Bar Druck durchblasen kann, für 500000 Euro angeschafft worden. „Das sind jeweils Einzelanfertigungen“, erklärt Hörsch. Der Schlauch des Spülwagens hat eine maximale Länge von 240 Metern.

Das Gesetz schreibt vor, das Kanalnetz alle zehn Jahre komplett zu reinigen. Immer wieder werden die Rohre, die nicht begehbar sind, mit Kamera-Robotern kontrolliert. Bis zu 140 Meter weit reicht ein Kabel des Fernsehwagens in die Tunnel hinein. Bevor der Roboter zum Einsatz kommt, muss das Rohr mit einer Spüldüse gereinigt werden.

So spannend die Erläuterungen in der Reutlinger Unterwelt auch sind, nach wenigen Minuten bitten die Experten der Stadtentwässerung wieder nach oben. Die Sicherungsseile werden wieder eingehakt, erst wenn sie straff sind, geht es über die Steigeisen durch den engen Schacht nach oben. Und irgendwie riecht kurz darauf die frische Luft so wohltuend gut wie selten.

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12.08.2016, 01:00 Uhr
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