Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
„Ein zerbrechlicher Iggy Pop“
Ton-Steine-Scherben-Sänger Rio Reiser, starb heute vor 20 Jahren. Hier sein Grab in Berlin. Sein Bruder erinnert jetzt in einem Buch an ihn. Foto: Britta Pedersen/dpa
Zum Todestag von Rio Reiser: Der Bruder des Ton-Steine-Scherben-Sängers legt eine Biografie vor

„Ein zerbrechlicher Iggy Pop“

Der selbsternannte „König von Deutschland“, Rio Reiser, starb am 20. August vor 20 Jahren. An ihn erinnern jetzt ein Buch und eine neue Platte.

20.08.2016
  • WILFRIED MOMMERT, DPA

Berlin. Manche sahen in ihm den „König von Deutschland“ und den „ersten deutschen Rock’n’Roll-Hero“, aber auch einen „zerbrechlichen Iggy Pop“. Der Ton-Steine-Scherben-Sänger Rio Reiser, der vor 20 Jahren, am 20. August 1996, mit 46 Jahren starb, war einer der bedeutendsten Musikpoeten und -rebellen der 1960er bis 80er Jahre in der Bundesrepublik. Er schrieb mit Songs wie „Keine Macht für niemand“, „Junimond“ und „Macht kaputt, was euch kaputt macht“ auch bundesdeutsche Kulturgeschichte.

1994 veröffentlichte Reiser den ersten Teil seiner Erinnerungen, die bis auf einen Nachtrag mit den 70er Jahren enden. Jetzt hat sein Bruder, Drehbuchautor Gert Möbius, eine Biografie samt eigener Geschichte veröffentlicht: „Rio Reiser – Halt dich an deiner Liebe fest“ (Aufbau Verlag, 352 Seiten, 22.95 Euro). Der 1950 in Berlin geborene Rio, der mit bürgerlichem Namen Ralph Möbius hieß, fühlte sich der damals aufbegehrenden Jugend, aber keiner ideologischen Richtung wirklich verbunden.

Mit der Studentenrevolte der 68er hatte er wenig am Hut. „Lange Haare, Kiffen und Schwulsein“ war besonders bei den dogmatischen sogenannten „K-Gruppen“ seinerzeit „völlig inopportunes bourgeoises Gehabe“, wie Gert Möbius schreibt, was für den homosexuellen Reiser ein zusätzliches Problem bedeutete. Ebenso wie ideologische und sexuelle Differenzen machte Reiser auch die Erwartung der Linken an die deutschen Rockmusiker zu schaffen, fühlte er sich doch zwischen künstlerischem Anspruch und den kommerziellen Erwartungen der Musikindustrie sowieso schon hin- und hergerissen. Prompt nahmen ihm viele Linke seine spätere „Popularisierung“ übel. Reiser wollte bewusst populär und dennoch gesellschaftlich engagiert sein, im besten Sinne ein „Volkssänger“.

Der Titel seines Buches mit der nach eigenen Worten „brudergetrübten“ Sicht auf Rio, gibt nicht den ganzen Inhalt wieder. Denn Möbius erzählt einerseits die Geschichte des Sängers mit erstmals veröffentlichten Tagebuchaufzeichnungen, ruft aber auch mit lebhaften Bildern die eigene kleinbürgerliche Familiengeschichte in der frühen Bundesrepublik in Erinnerung, wo die Nazi-Vergangenheit wie auch die DDR „keine große Rolle“ spielten. Er erinnert an das soziokulturelle Leben im isolierten und später eingemauerten West-Berlin, wohin Rio eigentlich nicht zurück wollte – in den späten 70er und 80er Jahren „eine einzige Disco“ – und wo er zum Pionier der Hausbesetzer-Szene wurde. Sein Song „König von Deutschland“ machte ihn über die Szene hinaus bekannt und fürs Radio interessant.

Zu seinem Todestag erscheint deshalb auch das Album „Rio Reiser – Alles und noch viel mehr“ mit seinen berühmtesten Songs und Cover-Versionen etwa von Johannes Oerding, Namika und Fettes Brot.

Gert Möbius jedoch schildert auch einfühlsam und berührend die zunehmende Vereinsamung seines Bruders inmitten des beruflichen Trubels mit dem Auf und Ab von Erfolgen und Selbstzweifeln. „Die Droge, der Shit, der Alkohol“, Depressionen wurden sein Begleiter. In dunklen Tagen wünschte er sich als Grabinschrift „Verhungert auf der Suche nach Liebe“.

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

20.08.2016, 12:00 Uhr
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden

Newsletter-bestellen

· Samstags verschicken wir die News der Woche, unser Klassiker: Die wichtigsten Themen und Geschichten direkt im E-Mail-Postfach. So bleiben Sie auch in der Ferne immer informiert, was in und rund um Tübingen passiert.
· Werktags versenden wir um 9 Uhr die News am Morgen mit den wichtigsten aktuellen Nachrichten.
· Sonntagabend kommt unser Sport-Newsletter mit den wichtigsten Lokalsport-Berichten und Ergebnissen vom Wochenende.

Um unsere Newsletter zu erhalten, müssen Sie sich anmelden oder sich neu als Benutzer registrieren. Ihre Daten werden ausschließlich für die Newsletter (nur falls Sie weitere Angebote des Verlags Schwäbisches Tagblatt wählen, auch für diese) verwendet. Ihre Daten werden nicht an andere Unternehmen weitergegeben.
Nachrichten via Messenger
Die wichtigsten Neuigkeiten aus der Region liefern wir Ihnen auch per WhatsApp & Co. aufs Smartphone. Um diesen Service zu nutzen, öffnen Sie tagblatt.de/whatsapp bitte mit einem entsprechenden Mobilgerät.
Heute meistgelesenNeueste Artikel

Nachrichten aus ...
Reutlingen Wannweil Pliezhausen Walddorfh�slach Ammerbuch T?bingen Dettenhausen Kirchentellinsfurt Kusterdingen Gomaringen Dusslingen Ofterdingen Mössingen Nehren Bodelshausen Hirrlingen Neustetten Rottenburg Starzach Horb
Das Tagblatt bei
Facebook Google+ Twitter Instagram
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesen
Wirtschaft im Profil
Neueste Artikel
Anzeige

Themen-Dossiers

Themen-Dossiers
Single des Tages
date-click
Das Tagblatt als E-Paper

Kontakt zum Kundenservice

Abonnement
07071/934-222
vertrieb@tagblatt.de

Anzeigen
07071/934-444
anzeigen@tagblatt.de

Kontakt zu den Redaktionen

Schwäbisches Tagblatt Tübingen
07071/934-0
redaktion@tagblatt.de

Neckar-Chronik Horb
07451/9009-30
nc@neckar-chronik.de

Tagblatt Online         
07071/934-314
online@tagblatt.de

Steinlach-Bote Mössingen
07473/9507-0
sb@tagblatt.de

Rottenburger Post
07472/1606-16
ro@tagblatt.de

Reutlinger Blatt
07121/3259-50
rt@tagblatt.de

Tagblatt Anzeiger
07071/934-344
tagblatt-anzeiger@tagblatt.de

Wirtschaft im Profil
07071/934-166
wip@tagblatt.de


Oder nutzen Sie unser Kontaktformular