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Ein schwarz-weißer Ball der Museums-Gesellschaft

Unaufgeregt und gleichmäßig tasten die hellen Lichtreflexe der Diskokugel am Samstag die Wände des Silchersaals ab. Im Spiel von Licht und Schatten huschen sie mal über die goldfarben abgesetzten Gesimse, dann über das dunkle Grün der korinthischen Säulen, um anschließend im offenen Durchgang zur Tanzfläche zu verblassen. Noch ist es still im historischen Saal: Kein einziger Schritt hallt über den glatten Parkettboden, kein einziger Ton schallt aus den Lautsprecher-Boxen.

26.01.2009

Nur die Lichtpunkte der Diskokugel ziehen beharrlich ihre Kreise durch das Halbdunkel. Der Saal wartet.

Draußen, zwischen Garderobe und Sektempfang, sammeln sich derweil die Gäste. Wer wohl dieses Jahr zum Ball der Museumsgesellschaft kommt? Der Vorsitzende Georg Braungart versucht, den Überblick zu behalten: Händeschütteln, lächeln, grüßen – und im Kopf noch einmal die Eröffnungsrede durchgehen! Die ist nämlich erst eine Stunde zuvor fertig geworden, verrät der Germanistik-Professor, bevor er mit Ehefrau Anna im Saal verschwindet, um noch schnell einmal den Cha-Cha-Schritt zu üben.

Die etwa 200 Gäste verstehen das wohl als Aufforderung und folgen Braungart in den festlich dekorierten Saal – wenn auch zuerst zögerlich. Heiß diskutiert ist die Kleiderfrage: Wer hat sich an das Ball-Motto „Schwarz/Weiß“ gehalten und wer tanzt mit seinem Outfit aus der Reihe? Den Herren ist die Umsetzung scheinbar leichter gefallen als den Damen: Man trägt schwarzen Anzug, weißes Hemd und schwarze Fliege. Landrat Joachim Walter fällt da mit schwarzem Anzug und Hemd („Ich mag schwarz.“) sowie weißer Krawatte fast schon auf. Bei den Damen hingegen mischen sich unter das allgemeine Schwarzweiß auch rote und violette Töne.

„Schwarz und weiß sind Gegensätze, die sich brauchen“, stimmt Braungart die versammelten Mitglieder der Museumsgesellschaft auf den Abend ein. Und auch ein Ball komme nicht ohne Kontraste aus: „Tanz, wie wir ihn meist praktizieren, besteht aus Gegensätzen: links vor, rechts zurück, Mann und Frau, führen und geführt werden.“ Genau diese Vielfalt solle gefeiert werden, denn die Museumsgesellschaft sei selbst „eine Vereinigung von kulturellen Interessen der verschiedensten Art.“ Gleichzeitig wolle man mit der eleganten Kombination aus Schwarz und Weiß an die goldenen 20er Jahre erinnern.

„Begeben Sie sich nun auf eine Reise in das Reich der knisternden Schellackplatten“, ermuntert SWR-Moderatorin Bärbel Schlegel deshalb kurz darauf die noch zögerlichen Ballgäste. Zum Warmwerden singt das A-capella-Quartett „Schellack“ Schlager der 20er Jahre. Danach gibt es kein Zurück mehr: Die Herren haben die Wahl. Zur Eröffnung spielen „Boys no more“ einen klassischen Walzer. Das kommt an und auf der Tanzfläche wird es eng. Es folgen Cha-Cha Samba und Foxtrott, bevor zu später Stunde – passend zur goldenen Zeit – Swing und Charleston aufs Parkett gelegt werden. „Einige meiner Freunde haben extra einen Kurs belegt, um diese Tänze zu lernen“, verrät Michael Bamberg, Ärztlicher Direktor des Uniklinikums .

Abseits der Tanzfläche wird indessen auch über die Zukunft der Museumsgesellschaft nachgedacht: „Ich würde mir mehr junge Leute wünschen“, sagt Floristenmeisterin Monika Haug, die zusammen mit ihrem Mann Werner die Blumendekorationen für den Ball gespendet hat. Auch Hubert Wicker, Staatssekretär und stellvertretender Vorsitzender, würde sich über „neue Mitglieder im Alter zwischen 30 und 50 Jahren“ freuen. Braungart würde den Verein gerne für Familien öffnen. „Das muss aber noch diskutiert werden“, sagt der Professor.

Daneben plagen die Museumsgesellschaft finanzielle Sorgen: „Wir wollen die Außenfassade und das Dach des Museums restaurieren lassen“, berichtet Braungart. Zwar werde das Bauvorhaben zur Hälfte von Stadt und Land getragen, die Gesellschaft müsse aber noch immer rund 380 000 Euro aufbringen. Trotzdem zeigte sich Braungart entschlossen: „Wir werden das Projekt noch dieses Jahr über die Bühne bringen.“

Jennifer Schmidt

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26.01.2009, 12:00 Uhr
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