Rösch gegendert

Ein politisch (un)korrekter Sommergruß

Es ist ein Kreuz mit der Political Correctness. Zeitungsleute können ein Lied davon singen. Präziserweise sollte man immer „Gemeinderätinnen und Gemeinderäte“ schreiben – und hat damit immer noch längst nicht alle Hermaphroditen und Transsexuelle richtig integriert.

01.08.2014

Von Matthias Reichert

Manche Universitäten, etwa in Leipzig, drehen mittlerweile den Spieß um und verwenden immer die weibliche Form. „Herr Professorin“, daran müssen man und frau sich auch erst gewöhnen.

Ganz anders auf dem Land. Da ist der Bürgermeister noch ein Bürgermeister – auch wenn er eine Frau ist. Der neue Wannweiler Gemeindebote titelt diese Woche mit dem Urlaubs-Bild eines sonnigen Sandstrandes, Palme inklusive, auf der ersten Seite. „Sommergruß des Bürgermeisters“, steht in dicken Buchstaben über dem Text. Gezeichnet ist dieser freilich mit „Anette Rösch, Bürgermeisterin“. Wir finden: Andere Gemeinden sollten sich ein Vorbild nehmen. So könnte doch das Pliezhäuser Mitteilungsblatt sonnige „Sommergrüße der Bürgermeisterin“ verbreiten – gezeichnet Christof Dold, Bürgermeister. Und Walddorfhäslachs Silke Höflinger könnte gleich komplett die Gender-Neutralität wahren und ihre Sommergrüße mit „Bürgermeister/in“ unterzeichnen, wie man es immer wieder in Stellenanzeigen findet.

Jedenfalls bietet die korrekt gegenderte Form den Rathäuser/innen im Kreis Reutlingen alle Gelegenheit, ihre Gemeindeboten und -botinnen bis nach den Ferien auf politische Korrektheit zu eichen. Wannweil tut das übrigens bisweilen jetzt schon. Denn der (bürger)meisterhafte Sommergruß ist völlig korrekt adressiert: „Liebe Wannweilerinnen und Wannweiler!“

Wannweils Bürgermeisterin Anette Rösch teilt unsere Ansicht, dass über einen Sommergruß der Bürgermeisterin im Gemeindeboten nicht die Überschrift „Sommergruß des Bürgermeisters“ gehört (wir haben gestern berichtet). Nur sei diese Panne nicht im Wannweiler Rathaus passiert, sondern vielmehr beim Nussbaum-Verlag, in dem der Wannweiler Gemeindebote erscheint. „Die haben gemeint, da gehört noch eine Überschrift drüber, und haben das ohne Rücksprache und Autorisierung eingefügt“, so die Bürgermeisterin. Sie sei „ziemlich wütend“ auf den Verursacher. mre

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Erstellt:
1. August 2014, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
1. August 2014, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 1. August 2014, 12:00 Uhr

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