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Kunst

Ein malender Friseur und ein schauspielernder Florist

Um sich ihre Leidenschaft zu finanzieren, fahren zwei Ladenbetreiber zweigleisig.

22.01.2020

Von NADJA OTTERBACH

Jürgen Schwartz zeigt seine Bilder in seinem Friseursalon. Foto: Ferdinando Iannone

Stuttgart. Bunt, bunter, Jürgen Schwartz. Wer den Friseursalon „Schnittstelle“ im Stuttgarter Süden betritt, sieht Farbe nicht nur auf den Köpfen der Kundschaft, sondern vor allem an Wänden und auf Staffeleien. Rund 40 Bilder hängen hier. Schwartz ist seit 25 Jahren Friseur, und er malt Acrylbilder, die in seinem Salon präsentiert. „Es war mir immer wichtig, anders zu sein“, sagt der 58-Jährige. In der Schule machte er den Mädchen die Haare, später begann er zu tanzen. Kabarett, Kostümdesign und Maskenbildnerei folgten. 2007 motivierte ihn eine Freundin zum Malen. Im Kunstverein Plochingen lernte Schwartz Techniken kennen und hat seitdem zahlreiche „seelische Momentaufnahmen“ geschaffen – so nennt er seine Kunstwerke. Seit 2014 bietet er Malkurse an.

Schwartz hätte nichts dagegen, im größeren Stil Kunst zu machen, gerne würde er mit einer Galerie zusammenarbeiten. Ein Kunde wolle seine Bilder nach Dubai verkaufen, erzählt er. „Ob das klappt, weiß ich nicht. Er spricht seit zwei Jahren davon.“

Schwartz ist nicht der einzige, der sich seine Leidenschaft mit einem handfesten Handwerk finanziert. Auch in der Blumeninsel im Stadtteil West setzt man auf eine ungewöhnliche Kombination: Floristik und Theater. Wenn er könnte, würde Inhaber Dilaver Gök als Schauspieler sein Geld verdienen. Doch von der Kunst zu leben, sei schwierig, sagt der 54-Jährige, der 1993 von Istanbul nach Stuttgart gezogen ist und im Staatstheater sowie im JES auf der Bühne stand. Nebenbei arbeitete er 14 Jahre an einem Blumenstand. 2013 übernahm Gök mit seiner Frau den Blumenladen und bringt seitdem Kunst und Handel in Einklang. „Mit den Blumen versuchen wir, den Magen zu füllen, mit dem Theater die Seele.“

Im vorderen Raum werden Sträuße gebunden, im hinteren Teil hat das Ehepaar ein Theaterwohnzimmer für bis zu 30 Gäste geschaffen, in dem beide regelmäßig auftreten. Dilaver Gök schreibt seine Stücke selbst, oft geht es darin um das Verhältnis von Deutschen und Türken. In „Der fliegende Teppich“ etwa zeigt er sein komödiantisches Talent. Seine Frau, die Figurentheater studiert hat, spielt derzeit das Kinderstück „Kalif Storch“. Auch Ausstellungen, Lesungen und Konzerte finden in der Blumeninsel statt. „Manche Kunden kommen zweimal am Tag. Zum Blumenkaufen und abends genießen sie bei einer Tasse Tee ein Märchen“, erzählt Dilaver Gök. Nadja Otterbach

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Erstellt:
22. Januar 2020, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
22. Januar 2020, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 22. Januar 2020, 06:00 Uhr

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