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Literatur

Ein heiliger Venezianer in Köln

Der neue Roman von Hanns-Josef Ortheil: „Der Typ ist da“. Ein leibhaftiger Engel aus Venedig ist gemeint.

22.09.2017
  • JÜRGEN KANOLD

Ulm. In seinem wohl besten Roman „Die Erfindung des Lebens“ erzählt Hanns-Josef Ortheil tief bewegend die Geschichte eines jahrelang stummen Kindes, dessen Eltern im Krieg und in der Nachkriegszeit vier Söhne verloren haben. Es ist seine Geschichte, sein Leben. Das Sprechen erlernte der 1951 geborene Kölner über das Schreiben, er ging in die liebevolle Schreibschule seines Vaters – in dem Band „Der Stift und das Papier“ berichtet er davon. Dass er mit zwölf geradezu ein frühreifer Literat gewesen war, hat Ortheil den Lesern kundgetan, als er 50 Jahre nach seiner „Berlinreise“ das Tagebuch veröffentlichte, das er 1964 notiert hatte: einen Erlebnisbericht aus der geteilten Stadt, beobachtungsscharf, im patenten Emil-und-die-Detektive-Ton verfasst. Die Kindheit: Trauma und Glückseligkeit.

Jetzt aber hat dieser erfolgreiche Autor, Pianist und Professor für Kreatives Schreiben endlich wieder einen erwachsenen Roman vorgelegt: „Der Typ ist da“. Und doch, der Leser stutzt: Dieser Roman ist in einem so jugendlich-altklugen, flotten Ton verfasst, als hätte ihn Hanns-Josef nur ein paar Jahre nach der Berlinreise artig und gut katholisch seinen dankbaren wie gerührten Eltern gewidmet.

Der Typ, das ist Matteo, ein junger, zurückhaltender Venezianer aus einfachen Verhältnissen, der nach Köln reist und eine Dreier-WG aufmischt. Matteo ist Restaurator und besucht Mia, die ihn eingeladen hatte – wie viele Bekannte während ihres Auslandssemesters in Venedig. Aber jetzt ist der Typ tatsächlich da. Mia lebt gemeinsam in der Wohnung mit Xenia, die ein Café betreibt, und der Buchhändlerin Lisa. Toll finden sie es nicht, dass Matteo aufkreuzt. Aber dieser geheimnisvolle Fremde, der im Dom herrlich die Figuren zeichnet, zieht sie magisch an.

In der Antoniterkirche entdeckt der Venezianer Barlachs Engel-Skulptur. „Als ich die beiden sah, diese schwebende, schwere, traurige Gestalt, und daneben dieser schmale ernste und konzentrierte Mensch, kamen sie mir wie Verwandte vor“, schwärmt eine Freundin Mias. Alle suchen sie nach dem Sinn des Lebens: Matteo und die Frauen, die ihn anbeten, lieben. Alle werden sie verwandelt, erlöst.

Ortheil hat in seiner Sehnsucht nach dem Heil in unserer Welt einen spirituellen Roman geschrieben. Eine Liebesgeschichte mit echtem Engel und echtem Kitsch. Jürgen Kanold

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22.09.2017, 06:00 Uhr
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