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Ein hartes Stück Arbeit
Die Arbeit ist erledigt: Die Bergungsteam mit der 250-Kilo-Bombe. Foto: Raimund Weible
Tierschau

Ein hartes Stück Arbeit

Team der Kampfmittelbeseitiger entschärft im Böblinger Stadtwald Bombe mit einem gefährlichen chemischen Langzeitzünder. 550 Menschen werden zuvor in Sicherheit gebracht

20.11.2017
  • RAIMUND WEIBLE

Stuttgart. Verschmiert mit Dreck sind die sechs Männer, und die nervliche Anstrengung ist in ihren Gesichtern zu lesen. So richtig freuen können sich die Kampfmittelbeseitiger nicht nach getaner Arbeit. Aber sie wirken erleichtert nach diesem gefährlichen Einsatz.

Am Sonntagnachmittag hat das sechsköpfige Team im Stadtwald von Böblingen eine 250 Kilogramm schwere Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg entschärft. Diese Bombe war mit einem chemischen Langzeitzünder ausgerüstet, und diese Zünder haben schon das Leben von zahlreichen Feuerwerkern gekostet. Die Bombe lag in einer Klinge ganz nahe an einem Bach, ein Gelände, das gewöhnlich als unzugänglich bezeichnet wird. „Wir hatten erheblich mit dem Grundwasser zu kämpfen“, berichtete Einsatzleiter Christoph Rottner. Beschwerlich war auch der Transport der Ausrüstung zum Einsatzort. Die Männer mussten alle ihre Kisten bis zur Fundstelle schleppen.

Wegen der schwierigen Umständen und wegen des gefährlichen Zünders erwogen die Kampfmittelbeseitiger durchaus eine kontrollierte Sprengung. Die Druckwelle, die die Bombe entfacht, hätte aber vermutlich zahlreiche Fenster in der nahegelegenen Panzerkaserne und in den Häusern am nordöstlichen Zipfel von Schönaich beschädigt. Und Splitterflug war ebenfalls zu befürchten. So entschieden sich die Techniker schließlich doch dazu, den Zünder unschädlich zu machen. Um 14.30 Uhr war die Arbeit erledigt.

Vorsorge auch bei der US-Army

Aber es dauerte noch mehr als eine Stunde, bis die Bombe aus dem Dreck gehoben und mit einem Kleinbagger bis zum nächsten Waldweg transportiert worden war.

Einsätze des Kampfmittelbeseitigungsdienstes kommen in der Stuttgarter Region häufig vor. Erst vor wenigen Wochen waren sie in Bad Cannstatt und in Sindelfingen aktiv. Aber dieser Einsatz war etwas Besonderes, wegen des seltenen Zünders und weil der Ort direkt über dem Landeanflug des Flughafens Stuttgart liegt. Die Flugsicherung untersagte daher während des Einsatzes der Feuerwerker Landungen aus westlicher Richtung.

Rottner hielt diese Entscheidung für richtig. Splitter könnten bei einer Detonation bis 1,5 Kilometer hoch fliegen. Landende Verkehrsmaschinen schweben über dem Böblinger Stadtwald jedoch gerade so in 500 Metern Höhe über dem Boden ein.

Wegen der Gefahr waren auch Rettungskräfte und Verwaltungsleute erheblich gefordert. Innerhalb eines Radius von 735 Metern um die Bombenstelle durfte sich kein Mensch aufhalten, außer eben den Entschärfungsexperten. Deshalb sorgte die Gemeinde dafür, dass aus dem Wohn- und dem Gewerbegebiet im Nordosten des Fleckens alle Personen ihre Häuser verließen. Der Vollzugsdienst ging am Sonntag ab 8 Uhr durch die Straßen und klingele die Leute heraus. Insgesamt waren 550 Personen betroffen.

Zur Sicherheit durchkämmte die Polizei am späten Vorhmittag die Siedlung. Straßen wurden abgesperrt, der Wald abgeriegelt. Ein Hubschrauberbesatzung mit Wärmebildkamera entdeckte einen Radfahrer und einen Spaziergänger im Wald, die irgendwo eine Lücke in der Absperrung gefunden hatten.

Die Gemeindehalle war für die Evakuierten vorbereitet. Dort hielten sich bis zum Nachmittag, als Entwarnung gegeben wurde, etwas mehr als 100 Menschen auf. Die anderen fanden einen Bleibe bei Verwandten und Bekannten.

Auch in der von der US-Armee belegten Panzerkaserne war Vorsorge getroffen worden – welche genau, konnten die deutschen zivilen Behörden nicht sagen.

Die ehemalige Kaserne der Deutschen Wehrmacht war das Ziel des Fliegerangriffs im Zweiten Weltkrieg. 172 Bomben seien bei diesem Angriff abgeworfen worden, sagte Rottner, 60 Prozent davon waren Blindgänger. Die jetzige Bombe war den Kampfmittelbeseitgern bei einer Routineüberprüfung aufgefallen. Sie lag tief im Boden. So tief, dass von ihr auf Menschen, die über sie hinweg schritten, keine Gefahr ausgegangen war.

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20.11.2017, 06:00 Uhr
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