Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Musik

Ein buntes Mosaik des Pop

Hauptsache die Qualität stimmt – und der Rahmen. Ansonsten setzen sich die Macher des New Fall Festivals in Stuttgart auch in diesem Jahr kaum Grenzen.

20.11.2017
  • UDO EBERL

Stuttgart. Bewährtes im ungewohnten Umfeld, der Mut, geschätzten Künstlern mehr Raum zu geben, nur die Live-Qualität als roter Faden – das sind nur einige der Kriterien, die das New Fall Festival auszeichnen, das in Düsseldorf und in Stuttgart erlebt werden darf. Wobei die Rhein-Stadt wie schon 2016 die Nase programmatisch etwas vorne hatte. Wie gerne hätte man den grandiosen Thurston Moore oder Sophia auch am Neckar gesehen. Auf dem Papier war dieser New-Fall-Jahrgang auch etwas schwächer der Vorgänger, die Künstler setzten allerdings alles daran, genau diese Einschätzung zu widerlegen.

Natürlich waren Olli Schulz und ein wenig auch „Die höchste Eisenbahn“ ein kleiner Bruch im Festival-Flow, der mit dem eindringlichen Glen Hansard und der bezaubernden Alice Phoebe Lou in Richtung Singer/Songwriter Fahrt aufgenommen hatte. Aber spätestens am Samstag wurde sowieso alles auf den Kopf gestellt. Pop geschüttelt und gerüttelt, ein buntes Mosaik in vier Spielstätten, die unterschiedlicher nicht sein konnten, nicht immer brechend voll, aber gut besucht. Etwa die Schwedin Anna Ternheim, die im Saal des Neuen Schlosses die Klammer zum Live-Angebot der ersten Tage eindringlich schließen konnte.

Pulsierende Club-Sounds

Von den Sitzen riss es das Publikum im üblicherweise mit Klassik befüllten Mozartsaal der Liederhalle bei musikalisch völlig anders ausgerichteten Schweden. Bei Little Dragon wurde bereits im zweiten Stück getanzt, dank pulsierender, mitreißender Club-Sounds. Live wurde alle Hoffnungen wahr, auch dank Sängerin Yukimi Nagano, die hinter ihren Neonschleiern nicht nur ein Hingucker war, sondern vor allem mit reichlich Soul in der Stimme und unglaublicher Vitalität überzeugte. Und dieser enorm starke Metropolen-Sound funktionierte, in vielen Teilen live an analogen Synthesizern produziert, ließ auch auf Konzertdauer nicht nach – der Mozartsaal vibrierte.

Elektronisch ganz anders und inhaltlich dem Postpunk nahe setzten Levin Goes Lightly kurz vor Mitternacht in der Straßenbahnwelt in Bad Cannstatt einen starken Akzent beim so genannten „BaWü Abend“. Mit kühler Eleganz, gewaltigen Hamoniewänden und hymnischen Melodien wurde reichlich Testosteron versprüht. Zuvor hatten bereits Stuttgarts Indie-Durchstarter Rikas sowie die Mannheimer Fibel und JFR Moon zwischen historischen Straßenbahnen ein junges Publikum begeistern und überraschen können.

So etwas wie der Headliner des Samstags war natürlich der Brite Tom Odell. Mit „Another Love“ konnte der junge Piano-Mann bereits einen respektablen internationalen Hit landen, und 2016 sang er sich als Mentor und Duo-Partner im Team des „Voice of Germany“-Juroren Samu Haber in die Herzen der TV-Casting-Freunde. Wer nun dachte, in der Carl-Benz-Arena, einer Halle mit eher praktikablem Messehallen-Flair, würde nur der Weichspüler eingeschüttet, der hatte das große Rockherz des 26-Jährigen aus dem englischen Chichester unterschätzt.

Auf die Tube gedrückt

Bereits im dritten Song beantwortete Odell die Frage, ob es sinnvoll war, sein Konzert zu bestuhlen. Nein, denn nach balladeskem Beginn ließ er so viel Rock- und Disco-Dampf in seinen Song „I Know“, dass der Raum vor der Bühne und der Mittelgang von den Fans geflutet wurde. Und der jungenhafte Popstar suchte ihre Nähe, sang zunächst vor der Bühne, umgeben von Glücklichen. Dann agierte er wieder am Flügel, mal als Solist und jederzeit tragfähig dank immensem Stimmvolumen und Kopfstimme, mal mit seinen drei Band-Freunden, die bisweilen mächtig auf die Tube drücken durften.

Da verwandelte sich der so harmlos wirkende junge Sänger, der sich „nach zwei Monaten im Studio wieder am Tageslicht und in einem neuen Land“ wiederfand, in einen Zampano, der vor Live-Lust nur so sprühte. Der Spannungsbogen des Konzerts hing zwar kurzzeitig etwas durch, doch bei den großen Hits am Ende wehten nicht nur die Haare des Drummers, und die Gitarre jubilierte in bester Queen-Manier, Odell sang auf dem Flügel stehend. Da war auch der letzte Popträumer längst aufgewacht und tanzte.

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

20.11.2017, 06:00 Uhr
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden

Newsletter-bestellen

· Samstags verschicken wir die News der Woche, unser Klassiker: Die wichtigsten Themen und Geschichten direkt im E-Mail-Postfach. So bleiben Sie auch in der Ferne immer informiert, was in und rund um Tübingen passiert.
· Werktags versenden wir um 9 Uhr die News am Morgen mit den wichtigsten aktuellen Nachrichten.
· Sonntagabend kommt unser Sport-Newsletter mit den wichtigsten Lokalsport-Berichten und Ergebnissen vom Wochenende.

Um unsere Newsletter zu erhalten, müssen Sie sich anmelden oder sich neu als Benutzer registrieren. Ihre Daten werden ausschließlich für die Newsletter (nur falls Sie weitere Angebote des Verlags Schwäbisches Tagblatt wählen, auch für diese) verwendet. Ihre Daten werden nicht an andere Unternehmen weitergegeben.
Nachrichten via Messenger
Die wichtigsten Neuigkeiten aus der Region liefern wir Ihnen auch per WhatsApp & Co. aufs Smartphone. Um diesen Service zu nutzen, öffnen Sie tagblatt.de/whatsapp bitte mit einem entsprechenden Mobilgerät.
Heute meistgelesenNeueste Artikel

Nachrichten aus ...
Reutlingen Wannweil Pliezhausen Walddorfh�slach Ammerbuch T?bingen Dettenhausen Kirchentellinsfurt Kusterdingen Gomaringen Dusslingen Ofterdingen Mössingen Nehren Bodelshausen Hirrlingen Neustetten Rottenburg Starzach Horb
Das Tagblatt bei
Facebook Google+ Twitter Instagram
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesen
Wirtschaft im Profil
Neueste Artikel
Anzeige

Themen-Dossiers

Themen-Dossiers
Single des Tages
date-click
Das Tagblatt als E-Paper

Kontakt zum Kundenservice

Abonnement
07071/934-222
vertrieb@tagblatt.de

Anzeigen
07071/934-444
anzeigen@tagblatt.de

Kontakt zu den Redaktionen

Schwäbisches Tagblatt Tübingen
07071/934-0
redaktion@tagblatt.de

Neckar-Chronik Horb
07451/9009-30
nc@neckar-chronik.de

Tagblatt Online         
07071/934-314
online@tagblatt.de

Steinlach-Bote Mössingen
07473/9507-0
sb@tagblatt.de

Rottenburger Post
07472/1606-16
ro@tagblatt.de

Reutlinger Blatt
07121/3259-50
rt@tagblatt.de

Tagblatt Anzeiger
07071/934-344
tagblatt-anzeiger@tagblatt.de

Wirtschaft im Profil
07071/934-166
wip@tagblatt.de


Oder nutzen Sie unser Kontaktformular