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Leitartikel · Politiker und die Ehe

Ein brutales Geschäft

Nun also auch Christian Lindner: Die Ehe des FDP-Chefs liegt in Trümmern. Sieben Jahre nach der Heirat gehen er und seine Frau getrennte Wege.

20.04.2018

Von ELLEN HASENKAMP

Das ist nicht schön – und doch ein Stück Normalität: Jede dritte Ehe in Deutschland wird geschieden. Das Risiko von Spitzenpolitikern scheint allerdings erhöht: Alt-Vizekanzler Joschka Fischer stand bereits vier Mal vor dem Scheidungsrichter. Altkanzler Gerhard Schröder plant derweil seine fünfte Hochzeit.

Die Ursachen für zerbrochene Politikerehen sind nicht unbedingt immer nur in der Profession zu finden. Umgekehrt zerfressen zu viele Arbeitsstunden und zu wenig Anwesenheit auch Partnerschaften anderer Berufsgruppen. Doch das Scheitern eines Politikers, selbst wenn es sein Privatleben betrifft, ist immer auch ein öffentliches Scheitern. Ob Drogendrama, Alkoholexzess oder einfach nur ein dämlicher Tweet oder ein missratener Talkshow-Auftritt: Fast keine Verfehlung bleibt unentdeckt.

Das politische Geschäft ist brutal. Mitleid mit denen, die sich dort tummeln, ist deswegen noch lange nicht angebracht. Wohl aber ein Bewusstsein dafür, was diese Brutalität bedeutet für die Politik und die damit verbundene Auslese ihres Personals.

Das Image von Politikern in Deutschland liegt festgetackert zwischen mies und ganz mies. Ihr Ansehen rangiert in Umfragen stets weit unten, in schlechter Gesellschaft irgendwo zwischen dem von Versicherungsvertretern und Werbefuzzis. Dass „die da oben“ keine Ahnung haben von den Sorgen und Nöten genau des Volkes, das sie doch vertreten sollen, ist ein gängiges Urteil. Sonderbarerweise übrigens erhält diese Sichtweise immer wieder Nahrung aus den vordersten Reihen der Politik selbst. So klagte der gerade erst aus seinen Spitzenämtern geschiedene SPD-Mann Sigmar Gabriel vor wenigen Tagen über die „Entfernung vieler Entscheidungsträger“ von den „Realitäten“ – wie die Benutzung überfüllter U-Bahnen am Tag oder das Beschreiten menschenleerer Plätze bei Nacht. Es klang so, als wolle Gabriel eine Art Wiedereintrittskarte lösen ins Reich der „Realitäten“.

Normalität, Bodenständigkeit, „nah bei de Leut“ – in der Politik gilt das alles gleichsam als hohe Kunst. Es herrscht eine große Sehnsucht nach dem Typen wie Du und ich. Das ist seltsam. Während ein Patient von seinem Arzt höchste medizinische Professionalität erwartet, sind Profi-Politiker höchstem Misstrauen ausgesetzt. Außenseiter und Quereinsteiger dagegen genießen großes Ansehen. Bis sie dann scheitern.

So war es anfangs einer der wichtigsten Pluspunkte von SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz, dass er aus Brüssel und damit vermeintlich „von Außen“ kam. Seine Schwächen waren zunächst seine Stärke, dann wurden sie zum Problem – und der Kandidat zum Spielball von Beratern, Parteitaktik und Umfrageergebnissen. „Sind sie zu stark, bist Du zu schwach“, lautete einmal ein Werbespruch. Das ist auch das Dilemma der Spitzenpolitik. Helfen könnte ein bisschen mehr Nachsicht mit den Schwächen. Auch mit denen von Politikern

leitartikel@swp.de

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Erstellt:
20. April 2018, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
20. April 2018, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 20. April 2018, 06:00 Uhr

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