Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Erdgas

Ein Wechsel bringt bis zu 380 Euro

Wer sein Geld nicht unnötig verheizen will, sollte die Tarife online vergleichen. Anbieter locken mit attraktiven Angeboten. Doch die haben ihre Tücken.

18.10.2019

Von CHRISTIAN KERN

Teurer Komfort: Die Preise für Erdgas haben sich in diesem Jahr wieder erhöht. Foto: © Patrick Daxenbichler/Shutterstock

Ulm. Der kommende Winter wird teuer. Zumindest was das Heizen angeht. Die Anbieter haben die Preise für Erdgas wieder deutlich erhöht. Knapp 9 Prozent mehr muss ein Musterhaushalt mit 20 000 Kilowattstunden im Vergleich zum Vorjahr bezahlen, errechnete das Online-Vergleichsportal „Verivox“.

Das ist ärgerlich. Aber auch eine Chance, aus der Not eine Tugend zu machen. Denn zu Beginn der Heizsaison locken viele Anbieter mit attraktiven Angeboten. Die wichtigsten Fragen zum Erdgas im Überblick.

Lohnt sich ein Wechsel? In den allermeisten Fällen lautet die Antwort: ja. Denn bei Erdgas ist es völlig egal, bei welchem Unternehmen man Kunde ist: Das Gas ist immer dasselbe. Allerdings bedeutet gleiches Gas keineswegs auch den gleichen Preis. Kümmert man sich nicht um einen speziellen Tarif, landet man in der Grundversorgung. „In der Regel ist dieser Tarif der teuerste“, sagt Verivox-Experte Lundquist Neubauer. Gerade hier ist das Sparpotenzial enorm. 380 EUR spart man durchschnittlich im Jahr bei einem Wechsel zum verbraucherfreundlichsten Tarif.

Wie läuft der Wechsel ab? Keine Wartezeit, keine Gebühren – ein Wechsel des Gasanbieters geht meist reibungslos über die Bühne. Sobald man einen neuen Vertrag abschließt, kümmert sich der Anbieter um die Kündigung des alten. „Das läuft alles automatisch“, sagt Neubauer.

Die Unternehmen brauchen jedoch oft ein paar Tage für das Schreiben. Und das kann Konsequenzen haben: Kommt die Kündigung zu spät zum alten Anbieter, verlängert sich der Vertrag. Dann ist ein Wechsel nicht mehr möglich. Heißt: Wenn es knapp wird, lieber selber kündigen.

Wo finde ich den billigsten Tarif?

Check24, Verivox, Toptarif – im Internet findet man zahlreiche Vergleichsportale. Der Vorteil: Die Suche ist kinderleicht. Man muss lediglich Postleitzahl, Wohnungsgröße und Verbrauch angeben, schon bekommt man dutzende Gas-Tarife zur Auswahl. Kostenlos und unverbindlich.

Aber Achtung: Viele vermeintlichen Schnäppchen entpuppen sich als echte Geldfresser. Das Tückische: Die Vergleichsportale berechnen bei den Preisen automatisch Neukunden-Boni mit. „Diese Boni werden nicht immer ausbezahlt“, sagt Christina Wallraf von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Außerdem gelten die Rabatte nur für das erste Vertragsjahr. Ab dem zweiten wird es deutlich teurer. Die Verbraucherschützerin rät, die Suchfilter bei den Portalen zu ändern. Bei der Suche solle man penibel darauf achten, dass die Boni nicht mit einberechnet werden.

Wie lang soll der Vertrag laufen? Maximal ein Jahr, mehr nicht. So lautet die Faustformel von Verbraucherschützerin Wallraf. Das gilt besonders in der jetzigen Situation, weil Gas im Großhandel wieder billiger wird. Diese Preissenkung wird langfristig auch den Kunden erreichen – vorausgesetzt, der steckt nicht in einem langen Vertrag fest.

Eine weitere wichtige Regel: langfristige Anschlussverträge vermeiden. Bei vielen Anbietern verlängert sich der Vertrag automatisch um ein Jahr. Kündigt man nicht rechtzeitig, kann man viel Geld verlieren. Deswegen lohnt es sich, die Vertragskonditionen genau zu prüfen. Akzeptabel sei eine automatische Verlängerung „von einem Monat oder sechs Wochen“, sagt Wallraf.

Braucht man eine Preisgarantie? Wegen der steigenden Gas-Kosten werben viele Anbieter mit einer Preisgarantie. Das Versprechen: Egal was passiert, der Preis bleibt für die vereinbarte Zeit gleich. Das hört sich vielversprechend an. Aber Wallraf warnt: „Eine Preisgarantie lohnt sich nur, wenn sie nicht teuer erkauft wird.“ Schließlich hat der Kunde bei jeder Preiserhöhung ein Sonderkündigungsrecht und kann wechseln. Wer die Post des Anbieters aufmerksam liest, ist also auf der sicheren Seite – auch ohne Preisgarantie.

Ist ein Klimagas-Tarif sinnvoll? Das Versprechen ist verlockend: Billig heizen und gleichzeitig etwas Gutes für den Planeten tun. Das soll mit dem Klima- oder Ökogas möglich sein. Klingt zu schön, um wahr zu sein? Ist es auch. Denn hinter dem Werbe-Slogan verbirgt sich ein Trick der Anbieter. Sie verpflichten sich zwar, das beim Heizen entstehende CO2 auszugleichen. Allerdings beliefern sie den Kunden weiterhin mit fossilem Erdgas. Wirklich klimafreundlich ist das nicht. Zudem ist die CO2-Kompensation oft intransparent. Welche Projekte mit dem Geld gefördert werden, ist für den Kunden schwer nachzuvollziehen. Wallraf's Tipp lautet deshalb: Statt den Öko-Aufpreis zu zahlen, lieber sparsam heizen. Das sei immer noch die effektivste Methode, das Klima zu schützen.

cc Foto: Grafik: Katja Peters/Quelle: Statista

Zum Artikel

Erstellt:
18. Oktober 2019, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
18. Oktober 2019, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 18. Oktober 2019, 06:00 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Bitte beachten Sie unsere Hinweise zur Lizenzierung.

Push aufs Handy

Die wichtigsten Nachrichten direkt aufs Smartphone: Installieren Sie die Tagblatt-App für iOS oder für Android und erhalten Sie Push-Meldungen über die wichtigsten Ereignisse und interessantesten Themen aus der Region Tübingen.

Newsletter

Um unsere Newsletter zu erhalten, müssen Sie sich anmelden oder als Benutzer kostenlos neu registrieren. Ihre Daten werden ausschließlich für die Newsletter verwendet - nur falls Sie auch weitere Angebote des Verlags Schwäbisches Tagblatt wählen, auch für diese.
Das Tagblatt in den Sozialen Netzen

Faceboook      Instagram      Twitter           Google+      Google+