Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Ein Herz für El Salvador

Ein Verein ermöglichte lebensrettende Operation für elfjähriges Mädchen

Der neu gegründete Verein „Hand aufs Herz“ ermöglicht Kindern weltweit eine Behandlung am Herzkompetenz-Zentrum des Tübinger Uni-Klinikums. Der elfjährigen Yesenia Burgos Lopez brachte das die lebensrettende Operation.

18.12.2013

Von JULIAN RODEMANN

Tübingen. Im Alter von sechs Monaten hatte Yesenia Burgos Lopez ihre erste Lungeninfektion. In den folgenden Jahren fühlte sie sich permanent müde, litt immer wieder unter Atemnot. Später in der Schule konnte sie nicht am Sportunterricht teilnehmen. Bald war ihren Eltern klar, dass etwas mit Yesenia nicht stimmte. Die ernüchternde Diagnose der Ärzte folgte prompt: Das Mädchen hat eine seit der Geburt beschädigte Herzklappe.

Ein einfacher Eingriff hätte gereicht, um die Herzklappe zu heilen – in einem Industrieland. Yesenia Burgos Lopez allerdings kommt aus San Juan Talpa im Westen El Salvadors. Behandelt wurde die heute Elfjährige an der Universitäts-Klinik von Santa Ana. Statt geheilt zu werden, wurde bei der Therapie eine weitere Herzklappe beschädigt, ihr Zustand verschlimmerte sich. Das Leben des Mädchens stand unter Gefahr – niemand wusste, wie es für sie weitergehen sollte.

Trifft man Yesenia Lopez heute, begegnet einem ein lächelndes und gesundes Mädchen. Sie wurde Anfang Dezember am Herzkompetenz Zentrum des Uni-Klinikums (UKT) von Prof. Christian Schlensak und seinem OP-Team operiert. Die Ärzte arbeiteten drei Stunden lang honorarfrei. Der Eingriff verlief problemlos und Yesenia geht es mit jedem Tag besser. „Wir fühlen uns in Tübingen sehr wohl“, sagt Maria Lopez de Burgos, ihre Mutter. Dazu tragen auch die zum Teil Spanisch sprechenden Ärzte an der Klinik bei. Oberarzt Dr. Juan Leon-Wyss etwa kommt aus Guatemala und fungiert nicht selten als Übersetzer.

Ärzte und Pfleger in Tübingen zur Ausbildung

Auch Schlensak, dessen „Herz für El Salvador schlägt“, spricht Spanisch. Der Arzt hat 1995 Teile seines Medizin-Studiums in dem mittelamerikanischen Land absolviert. Seine Frau Celina Schlensak kommt auch von dort. „Spätestens von da an hat mich El Salvador nicht mehr losgelassen“, stellt der Herzchirurg fest. Er bereiste das Land immer wieder und operiert seit 2001 einmal jährlich eine Woche lang in der Klinik von Santa Ana herzkranke Patienten.

Über 100 Kindern hat er so schon das Leben gerettet. Die Universität Santa Ana verlieh ihm dafür 2011 die Ehrendoktorwürde. Yesenia aber musste er in Tübingen operieren. Weil zwei ihrer Herzklappen beschädigt waren, handelte es sich um einen eher komplizierten Eingriff, bei dem hochmoderne Kardiotechnik zwingend erforderlich war.

In Santa Ana sind die Bedingungen dafür bislang noch nicht vorhanden. Das aber soll sich ändern: Schlensaks Ziel ist, dass das Arzt- und Pflegepersonal aus El Salvador in Zukunft die Operationen selbst durchführen kann. Dafür will er sie auch in Tübingen schulen. So hospitierte eine Kardiotechnikerin aus Santa Ana in diesem Sommer für drei Wochen in der hiesigen Herzchirurgie. Schon im Sommer 2012 war der junge Arzt Dr. Raffael Jorge Ayala Gast am Tübinger Uni-Klinikum gewesen. Geplant ist, ihm durch ein Stipendium des Deutschen Akademischen Auslandsdienst (DAAD) seine Facharztausbildung in Tübingen zu ermöglichen. Schon nächstes Jahr soll er am Herzkompetenz-Zentrum anfangen.

Yesenia indessen freut sich, Weihnachten daheim mit ihrer Familie feiern zu können. Die Rückflugtickets sind auf Sonntag, 22. Dezember, ausgestellt. Die Elfjährige wird in ihrer Heimat weiter behandelt werden, erklärt Schlensak. „Die Medikamente und das Wissen dafür sind bereits vorhanden.“

Glückliche Gesichter nach einer geglückten Operation: Prof. Christian Schlensak (hinten links) und Prof. Michael Hofbeck (hinten rechts) mit ihrer Patientin Yesenia Burgos Lopez (vorne rechts) und deren Mutter Maria Lopez de Burgos (vorne links). Bild: Metz

Eines von 125 Kindern auf der Welt wird mit einem Herzfehler geboren. „Für viele von ihnen ist das ein Todesurteil. Denn in Ländern wie El Salvador gibt es keine Herzchirurgie wie hier“, erklärt Prof. Christian Schlensak. Zusammen mit Prof. Michael Hofbeck ist er Leiter des Vereins „Hand aufs Herz e.V.“. Der Förderverein wurde jetzt vom Herzkompetenz-Zentrum gegründet. Ziel ist es, mit Spendengeldern Kindern wie Yesenia eine Operation an der Tübinger Herzchirurgie zu ermöglichen. „Die Kosten für die Behandlung, Reise und Unterkunft der Angehörigen liegen zwischen 15 000 und 20 000 Euro – ohne die Arzthonorare“, erklärt Schlensak. Er und sein Ärzteteam arbeiten ehrenamtlich. Der Verein ist komplett auf Spenden angewiesen. Der Mitgliedsbeitrag liegt bei 25 Euro pro Jahr. Spenden kann man auf das Konto 24 24 24 4 bei der Kreissparkasse Tübingen, BLZ 641 500 20, überweisen.

Zum Artikel

Erstellt:
18. Dezember 2013, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
18. Dezember 2013, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 18. Dezember 2013, 12:00 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Bitte beachten Sie unsere Hinweise zur Lizenzierung.
Das Tagblatt bei Whatsapp & Co.
Wir liefern die wichtigsten Neuigkeiten aus der Region immer aktuell aufs Smartphone: per Whatsapp & Co.

Um diesen Service zu nutzen, öffnen Sie tagblatt.de/whatsapp  mit einem entsprechenden Mobilgerät.

Newsletter

Um unsere Newsletter zu erhalten, müssen Sie sich anmelden oder als Benutzer kostenlos neu registrieren. Ihre Daten werden ausschließlich für die Newsletter verwendet - nur falls Sie auch weitere Angebote des Verlags Schwäbisches Tagblatt wählen, auch für diese.
Das Tagblatt in den Sozialen Netzen

Faceboook      Instagram      Twitter           Google+      Google+