Krimi

Ein „Tatort“ mit Tiefgang

Im Fall aus Frankfurt am Main bietet sich Ulrich Tukur als LKA-Ermittler Felix Murot selbst als nächstes Mordopfer an.

20.11.2021

Von Martin Weber

Ulrich Tukur als Felix Murot. Foto: Bettina Müller/HR/dpa

Frankfurt/Main. Die Krimis mit dem hessischen LKA-Ermittler Felix Murot sind immer etwas ganz Besonderes, und davon macht auch dieser Fall keine Ausnahme: Der neue „Tatort“ mit dem von Ulrich Tukur gespielten Kommissar ist außerordentlich phantasievoll, ziemlich schräg und steckt mal wieder voller kurioser Einfälle – da hat fast jedes Bild eine symbolische Aussagekraft, und viele Dialoge bestechen mit Witz und philosophischem Tiefgang.

Kein Wunder, denn im Zentrum des starken Sonntagskrimis „Tatort: Murot und das Prinzip Hoffnung“ (Sonntag, 20.15 Uhr ARD) steht die Ermordung eines ehemaligen Philosophieprofessors, der zum Obdachlosen wurde und eines Morgens erschossen unter einer Brücke in Frankfurt gefunden wird. Jochen Muthesius ist bereits das dritte Opfer, das mit einer alten Parabellum-Pistole per Genickschuss getötet wurde, und das alles deutet auf einen wahnsinnigen Serienmörder hin.

Murot, der einst bei Muthesius studierte und die Familie des Ermordeten gut kannte, muss im Laufe des turbulenten Krimis begreifen, dass die Mordserie auch etwas mit ihm persönlich zu tun hat, sodass er den oder die Täter an einem entscheidenden Punkt der Ermittlungen auffordert, ihn als nächstes Opfer auszuwählen.

„Töten Sie mich. Ich werde auf jeden Schutz verzichten“, ist der dramatische, aber durchaus kalkulierte Appell, den Murot nach komplizierten Ermittlungen an den Killer richtet und mit dem dieser „Tatort“ als Vorgriff auf die kommenden Ereignisse beginnt.

Böses Blut in der Sippe

Gemeinsam mit seiner skeptischen Assistentin Magda Wächter (Barbara Philipp) taucht Murot tief in die Geheimnisse der zerrütteten Familie Muthesius ein: Vater Jochen, einst ein angesehener Philosoph der weltberühmten „Frankfurter Schule“, verließ nach dem Selbstmord seiner Frau die herrschaftliche Villa im Taunus und fristete als Obdachloser sein Leben.

Laut Testament geht fast das gesamte Vermögen an seine jüngste Tochter Laura (Friederike Ott), während deren Schwester Inga (Karoline Eichhorn), die sich als Psychotherapeutin mit Familienaufstellungen beschäftigt, und ihr Bruder Paul (Lars Eidinger) leer ausgehen. Das sorgt für böses Blut in der Sippe, aus der vor allem Paul heraussticht: Der exzentrische Alleinunterhalter ist ein scharfsinniger Zyniker, der das Zeug zum Serienkiller haben könnte – immerhin hat Lars Eidinger in einem Kieler „Tatort“, dreimal den berühmtesten Mehrfachmörder in der Geschichte der Krimireihe gespielt. Doch Philosophensohn Paul, dem die Regie einen von Eidinger großartig vorgetragenen Theater-Monolog im Schummerlicht einräumt, ist anders als der Triebtäter Kai Korthals ein äußerst eloquenter Zeitgenosse, der Murot und Wächter so manches Rätsel aufgibt.

Doch auch der Rechtsradikale Jürgen von Mierendorff (Christian Friedel) und seine Mutter Franziska (Angela Winkler), die wie Felix Murot eng mit der Familie befreundet waren, rücken in den Fokus der Ermittlungen. Als in diesem sehenswerten „Tatort“ ein vierter Mord geschieht, greift Murot zum letzten Mittel und bietet sich im Fernsehen selbst als Opfer an.

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Erstellt:
20. November 2021, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
20. November 2021, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 20. November 2021, 06:00 Uhr

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