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Am Grab des Orientforscher

Ein Tässchen Mokka auf Julius Euting

Mokka war das Lieblingsgetränk des schwäbischen Orientforschers Julius Euting. Gestern schenkten Eutings Verehrer das Getränk gratis an seinem Grab am Schwarzwaldberg Seekopf aus.

12.07.2013

Von RAIMUND WEIBLE HANS GEORG FRANK

Ruhestein Hiltraud Müller aus dem badischen Bühl hat ihre eigene Mokkatasse mitgebracht, ebenso auch ihre Begleiterinnen von der Schwarzwaldvereins-Ortsgruppe. Sie müssen sich anstellen, denn an dem Platz mit dem besten Blick auf den Wilden See herrscht Andrang. Förster Ulrich Notz aus Bad Urach und seine Frau Doris haben alle Hände voll zu tun, um die Leute zu bedienen. Sie stehen um ein Tässchen Mokka an, auf traditionelle Weise mit zwei Kannen zubereitet. Ein Holzkohlenfeuer erhitzt das Getränk. Strom gibt es an dieser Stelle nicht. Denn der Platz am Seekopf liegt tief im Schwarzwald.

An diesem Punkt ist die Urne des schwäbischen Orientforschers Julius Euting (1839 - 1913) bestattet. Gedenksteine erinnern an den berühmten Wissenschaftler. Die Ausnahmegenehmigung für das Grab hat sich Euting schon zehn Jahre vor seinem Tod beim württembergischen König besorgt. Euting liebte nicht nur das Morgenland, sondern inniglich auch den Schwarzwald. Seine letzte Ruhestätte befindet sich dort, wo er am liebsten wanderte.

Testamentarisch hat Euting verfügt, dass an jeden, der an seinem Geburtstag sein Grab besucht, "ein schwarzer Cafe mit Wassertrunk" dargereicht wird. Kaffee, nach der Art arabischer Beduinen zubereitet, war sein Lieblingsgetränk. Die Inflation fraß aber das Kapital auf, und das Grab wuchs zu. Der aus Freudenstadt stammende Landvermesser Hermann Notz, Vater von Ulrich Notz, befreite die Grabanlage vom Bewuchs und machte sich auf die Suche nach Eutings Nachkommen. Der Forscher hatte zwar keine Kinder, aber es fanden sich Urgroßneffen wie Hans Winter aus Stuttgart, Rolf Euting aus Überlingen und Johannes Ernst aus der Schweiz. Sie gründeten 2002 die Julius-Euting-Gesellschaft. Seit 2004 erfüllt die Gesellschaft wieder das Vermächtnis des Orientforschers und schenkt am Seekopf Mokka aus. Erst nur an die zufällig passierenden Wanderer. Inzwischen, so Winter, "kommen die Leute gezielt". Das alljährliche Ereignis am 11. Juli hat sich herumgesprochen. Für gut 150 Leute gab es gestern ein Tässchen Mokka. Und es gab auch ein Ständchen mit Violine, Fagott und Klarinette für Euting, der einst in Tübingen die Stiftsbibliothek verwaltet hat und an der Straßburger Universität Professor war.

Ein ungewöhnliches Gedenk-Ritual gibt es auch in Hohenlohe. In Kupferzell erinnern Nikotinfreunde am 19. Juli an den Schriftsteller und Philosophen Karl Julius Weber, der dort 1832 gestorben ist. Der fleißige Schreiber und Leser - seine Bibliothek umfasste 11 000 Bände - wünschte sich, dass an seinem Grab entweder Zigarren gepafft werden oder die Besucher Purzelbäume schlagen. Zum Rauchen versammelt sich der Künzelsauer Verein "SmoKÜN" in einer Woche um 19 Uhr wieder auf dem Friedhof.

Weber, 1767 in Langenburg geboren, gilt als "lachender Philosoph". Auf seinem Grabstein hatte er sich ursprünglich die Inschrift gewünscht: "Hier ruhen meine Gebeine, ich wollt es wären deine." Das fand die Familie gar nicht witzig, sie gab beim Steinmetz einen weniger anstößigen Spruch in Auftrag: "Ich scherzte gern, doch gottlos lebt ich nicht."

Anstehen für Mokka: Die Julius-Euting-Gesellschaft feiert ihren Namenspatron, der die Zeremonie an seinem Grab testamentarisch verfügt hat.

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Erstellt:
12. Juli 2013, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
12. Juli 2013, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 12. Juli 2013, 12:00 Uhr

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