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Vor zehn Jahren wurde der Lustnauer Bauwa-Downtown gegründet – von Jugendlichen für Jugendliche

Ein Stück Heimat für die Junggebliebenen

TÜBINGEN (grü). Dartscheibe, Kicker, Sofas mit tiefen Sitzmulden, Graffiti an den Wänden: Bei einem Ortstermin in einem Jugendhaus würde man genau das erwarten. Den Kicker gibt es hier zwar auch. Doch sonst will sich der Lustnauer Bauwa-Downtown, der in diesem Jahr sein zehnjähriges Bestehen feiert, so gar nicht ins gängige Bild fügen.

07.07.2006

Dachgebälk, orange-marmorierte Wände, gepflegte Sofas, Barhocker aus Chrom und – zumindest zur WM-Zeit – eine riesige Leinwand: Im Lustnauer Jugendhaus herrscht beinahe Clubatmosphäre. Sauber, ohne spießig zu sein. Familiär, ohne vereinsmeierisch zu sein. Chic, ohne seelenlos zu sein.

Und vor allem: „Alles selbst gemacht“, betont der 26-jährige Tobias Glemser und kramt ein Fotoalbum hervor. Party-Schnappschüsse wechseln sich ab mit Baustellen-Bildern voller Pressplatten und Kabelbündel. Die jungen Menschen auf den Bildern scheinen mit Weizengläsern ebenso vertraut zu sein wie mit Akku-Schraubern.

„2001 haben wir hier komplett renoviert“, erklärt Matthias Helle, wie Glemser Vorstand im „Verein zur Förderung und Betreibung eines Jugendtreffs in Lustnau“. Der Förderverein wurde 1995 aus schierer Not gegründet. Eine Gruppe von Jugendlichen hatte sich seinerzeit einen Bauwagen auf der Pfrondorfer Höhe organisiert. „Es gab aber immer wieder Ärger mit der Stadt“, erinnert sich der 33-jährige Helle, der zu den Gründungsmitgliedern des Vereins gehört.

Die Lustnauer selbst wollten dem Ärger schließlich ein Ende setzen. Mit „viel Engagement von Eltern und Einwohnern“ wurde nach einem Ort für die Jugend gesucht, ein Platz, „um sich zwanglos zu treffen und günstig etwas zu trinken“.

Man fand ihn auf dem Gelände des ehemaligen Reutlinger Rechenzentrums neben der Boccia-Bahn. „Im November 1996 haben wir Eröffnung gefeiert“, berichtet Glemser und deutet auf die Fotos: Der 90 Quadratmeter große Raum ist bis zum Bersten gefüllt, bei weitem nicht nur von Jugendlichen.

Wie viel Stunden Fleiß in den Bauwa-Downtown, dem Jugendtreff im „Unterdorf“ investiert wurde, daran erinnert sich Helle nicht mehr. Von der Stadt dagegen flossen 50.000 Mark – einmalig, sagt Glemser, nicht ohne Stolz: „Seither geben wir Ruhe, bei uns steht niemand von der Stadt dahinter.“

Die Kosten für den Treff werden allein durch Mitgliederbeiträge, Altpapiersammeln und den Thekenbetrieb gedeckt. Anfallende Reparaturarbeiten erledige man selbst, schließlich habe man eine ganze Reihe Handwerker unter den 98 Mitgliedern. „Aber auch ich habe viel handwerklich gelernt, seit ich hierher komme“, findet Glemser, Unternehmensberater für IT-Sicherheit.

Dass man im Bauwa aber auch zu feiern versteht, das legen schon die Bilder im Vereins-Fotoalbum nahe: Partygäste in Hawaii-Hemd und Shorts, die grinsend Cocktails in die Kamera halten. „Bei der Beach-Party ist’s immer bärig voll“, kommentiert Glemser.

Per Hand schaufeln die Vereinsmitglieder kiloweise Sand in den Bauwa und heizen den Raum auf 25 Grad auf, um mitten im Winter Strandatmosphäre zu erzeugen. Bei der Ü-30-Party hätten dagegen die Ehemaligen die Gelegenheit, wieder in ihren alten Jugendtreff zu schauen. Denn die Jugendlichen von einst, die sich vor zehn Jahren für die Gründung ihres Bauwas einsetzten, sind größtenteils aus dem Alter heraus.

Das Regelpublikum heute sei „zwischen 15 und 35 Jahren“, wobei die Jüngeren oft nur ab und an vorbeischauten. Für die beiden Vorstandsmitglieder ist der Jugendtreff aber vor allem eins: ein Stück Heimat. „Wenn mich jemand sucht, weiß man, wo man mich findet“, sagt Helle, der als Werbetechnik-Meister arbeitet.

Zwei Abende die Woche verbringen die beiden Lustnauer hier, schauen nach dem Rechten, kümmern sich um PC, den Müll und all die anderen „kleinen Geschäfte“. Trotzdem: „Der Bauwa ist nicht mein alleiniger Lebensinhalt“, räumt Glemser ein und überlegt einen kurzem Moment: „Aber doch ein großer Teil.“

Ein Stück Heimat für die Junggebliebenen
Grillen, Leute treffen, sich wohlfühlen: In Lustnau gibt es dafür den Bauwa-Downtown – und das bereits seit zehn Jahren.

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07.07.2006, 12:00 Uhr
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