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Nach Operation an Tübinger Klinik kann ein Reutlinger wieder fast so normal sehen wie früher

Ein Stirnrunzeln öffnet die Augenlider

Muslimische Ärztin heilt jüdischen Patienten: Der zuvor nahezu blinde Mann vermag jetzt endlich seine Augenlider zu heben - durch Stirnrunzeln.

19.08.2008
  • RAIMUND WEIBLE

Die Szene in der Tübinger Loretto-Klinik ist nicht alltäglich. Patient B. drückt seiner Ärztin einen Kuss auf die Stirn und sagt dann feierlich: "Gott schütze Sie und Gott segne ihre Hände. " Dank ihrer Hände kann der 66-jährige Mann wieder sehen. Sieben Jahre hatte B. an einer Ptosis gelitten.

Eine Zyste in der vorderen Hirnhälfte lähmte die Nerven beider Lider. So vermochte er die Lider nicht mehr zu heben. Nur ein kleiner Spalt blieb offen. B. konnte nur sehen, wenn er den Kopf weit in den Nacken legte oder wenn er mit den Fingern die Lider nach oben schob. Lange hat er sich mit einer Spezialbrille beholfen, deren Bügel die Lider heben konnte.

"Ich war tollpatschig ", erzählt B. "und ich habe mich immer wieder am Kopf gestoßen. " Auf Dauer wollte sich der Mann mit zwei Ingenieursdiplomen (Maschinenbau und Heizungsbauwesen) nicht damit abfinden. Er hatte auch große Schmerzen. Auf der Suche nach medizinischer Hilfe stieß B. auf die zierliche Ärztin Hengameh Farsad. Auch sie hat zwei Berufe erlernt. Die Medizinerin aus Teheran ist Dr. med. und Dr. dent. med.

Seit Januar hat sie sich in der privaten Lorettoklinik als Fachärztin für Plastische und Ästhetische Chirurgie sowie für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie niedergelassen. In der Klinik begegneten sich zwei unterschiedliche Menschen. B. ist jüdischer Abstammung, die gebürtige Iranerin mit deutscher Staatsangehörigkeit Muslimin. Bei ihnen habe das aber keine Rolle gespielt, sagen beide.

"Ich empfinde Sie als wunderbare Person ", sagt B. über Farsad. Auch die Ärztin bringt ihre Wertschätzung gegenüber ihrem Patienten zum Ausdruck, macht aber auch keinen Hehl daraus, dass er kein einfacher Patient ist, dass sie ihn zähmen musste "wie einen Bullen ": "Er war so widerspenstig. "

B. konnte sich nicht sofort für die Operation entscheiden. Sie wird selten gemacht, und er wusste, was auf dem Spiel stand. Bei einem Misslingen der Operation konnte völlige Blindheit die Folge sein. Er informierte sich lange über die Medizinerin. Sie korrigiert Gaumenspalten, befreit Menschen von Hautkrebs im Gesicht. Farsad richtet auch Nasen und Brüste, saugt Fett ab - so genannte Schönheitsoperationen. Würde die plastische Chirurgin auch seine Lider heilen können? B. überlegte lange. Nach langem Zureden willigte er ein. Aber er meint, er habe nicht überredet werden müssen. "Ich habe das Vertrauen zu ihr gefunden ", versichert er.

Im Mai lag er auf dem Operationstisch. Farsad verband die Lider durch eine Goretex-Schlinge mit der Stirnmuskulatur des Patienten. Schon fünf Tage danach konnte er seine Lider wieder heben, einfach durch ein leichtes Runzeln der Stirn. Das Sehen bedeutet jetzt keine Anstrengung mehr für ihn. "Das Leiden ist vorüber ", freut sich B. Das Schreiben, das Lesen, ja, einfach einem Menschen in die Augen zu schauen, fällt wieder leicht. "Es ist wieder so normal wie früher", sagt der Mann aus Reutlingen.

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19.08.2008, 12:00 Uhr
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