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Regional – global

Ein Star am Fechthimmel

Ob in China, Südamerika oder Deutschland: Auf der ganzen Welt schwören Spitzenfechter auf die Fechtausrüstung der Firma allstar. Das rote Logo steht für Spitzenqualität und Innovation bei Degen, Florett und Säbel, ebenso wie bei Bekleidung und Anlagen. Die deutsche Nationalmannschaft vertraut seit 50 Jahren darauf. Seit über 15 Jahren ist allstar offizieller Lieferant und Partner des internationalen Fechtverbandes (FIE). Mit Janina Messemer und Ehemann Tarik Ruiz Soto steht die vierte Generation am Start des traditionsreichen Familienunternehmens.

19.07.2019

Von TEXT: Evi Miller|FOTO: Unternehmen

Mit der Erfindung des ersten elastischen Fechtanzugs katapultierte sich allstar aufs internationale Parkett der Spitzensportler.

Einfach nur schrecklich fand Roland Messemer die erste Fechtjacke im Sortiment. Seither sind fast 55 Jahre vergangen und sein Sohn Frank Messemer, heute Geschäftsführer von allstar, lächelt über die damaligen Sorgen seines Vaters. Dieser hatte zusammen mit seiner Mutter eine kleine Sportartikelfabrik für Sportkleidung und Accessoires gekauft. Die besagte Fechtjacke war wie damals üblich aus schwerem Segeltuch gefertigt, unhandlich und steif. Aber sie war auch nur ein Produkt unter vielen, und der Jungunternehmer hätte sie ja auch einfach etwas stiefmütterlich behandeln können. Er hingegen kontaktierte den Deutschen Fechterbund und reiste mit ihr nach Frankfurt, um sich bei den Profis nach deren Wünschen und Bedürfnissen zu erkundigen und bewies damit unternehmerische Weitsicht. „Mit der Sportkleidung hätten wir uns als kleiner mittelständischer Betrieb nicht gegen die chinesische Konkurrenz durchsetzen können“, sagt Frank Messemer rückblickend. Zum damaligen Zeitpunkt war die Textilkrise freilich noch weit entfernt.

Roland Messemer setzte alles daran, die eingeholten Anregungen auch schnell umzusetzen: Heraus kam der erste elastische Fechtanzug der Welt. Das neu entwickelte Produkt war ein innovativer Paukenschlag – sowohl für den Fechtsport als auch für die eigene Firmengeschichte. Fortan hatte das Segeltuch im Fechtsport ausgedient. Die neue Ära gehörte der Kunstfaser Helanca, einem hochelastischen, texturierten Polyamidfilamentgarn.

Einzug in den Olymp

„Unser elastischer Fechtanzug war der Renner. Er eroberte die Welt und war auf allen Welt-Cup-Turnieren im Einsatz“, erzählt Frank Messemer. So entwickelte sich auch allstar schnell zum führenden Hersteller von Fechtsportartikeln. 1965 statteten sie erstmals nationale und internationale Fechter für die Weltmeisterschaft aus und 1968 wurde allstar bereits offizieller Ausrüster der deutschen Olympia-Mannschaft. Bei der Fecht-WM in Hamburg 1978 traten über 95 Prozent der Finalisten in allstar-Ausrüstung an.

Es folgten weitere Meilensteine in der Entwicklung der Fechtsportausrüstung: die ersten Sicherheitsanzüge und Schutzjacken mit den besonders widerstandsfähigen Aramidfasern Kevlar, die ersten Rollbags, die ersten mikroprozessorgesteuerten und damit update-fähigen Melder sowie der erste Universalmelder für alle drei Waffen. In der Folge entwickelte sich allstar zum führenden Lieferanten von Fechtgeräten bei Weltmeisterschaften und schließlich auch bei Olympischen Spielen und stattet Trainingszentren auf der ganzen Welt aus. Das neueste Produkt: Der Hightechmelder Pro Touch – der erste und bisher auch einzige Fechtmelder mit Touchscreen.

„Wir entwickeln und optimieren unsere Produkte ständig weiter“, sagt Frank Messemer, der mit offenen Augen und Ohren durch die Fechthallen geht, immer auf der Suche nach Anregungen für Produktinnovationen. „Wir reden mit den Sportlern, hören uns an, was sie brauchen und welche Probleme sie haben und arbeiten kontinuierlich daran, unseren Kunden und Sportlern immer nur das Beste anbieten zu können.“ Das Ziel: die Nummer 1 im Fechtsport zu bleiben. „Die Konkurrenz erwacht langsam“, sagt Janina Messemer, und sie soll keine Chance haben.

Die Säulen des Erfolgs

Dafür sorgen die drei bewährten Stützpfeiler der allstar-Unternehmensphilosophie: Qualität, Innovation und Service. „Made in Germany“ ist nicht nur Slogan, sondern Realität. Die Sicherheitsausrüstung wird überwiegend im eigenen Werk in Reutlingen gefertigt. Im Service ist allstar neue, zukunftsweisende Wege gegangen: „Wir haben schnell erkannt, dass der klassische Sportfachhandel mit den Fechtprodukten überfordert war. Also setzten wir auf den Direktvertrieb und erfanden den Turnierservice“, sagt Messemer. Bis zu zehn Turniere pro Wochenende werden von allstar und den zwischenzeitlich hinzugekommenen weltweiten Vertriebspartnern besucht. Oft sind sie Chefsache. „Es macht Spaß“, sagt Tochter Janina und findet den Kontakt mit den Sportlern auch motivierend: „Wir sehen, was wir besser machen können, aber wir sehen auch, was wir gut machen. Es gibt richtige Fans unserer Marke.“

Auch bei der Europameisterschaft in Düsseldorf war allstar vor vier Wochen mit einem Verkaufsstand vor Ort und betreute die Anzeigentechnik. Für die Olympischen Spiele 2020 in Tokio wird allstar ebenfalls die Anlagen liefern.

Überhaupt kann Geschäftsführer Roland Messemer entspannt in die Zukunft blicken, nachdem die Unternehmensnachfolge geklärt ist. Vor einigen Jahren noch war auch ein Verkauf von allstar eine Option. Denn obwohl Janina Messemer selbst einmal leidenschaftliche Fechterin war, war sie sich lange nicht sicher, ob sie in das Familienunternehmen einsteigen möchte – wohl wissend was für eine große Aufgabe auf sie warten würde. Letztendlich wurde ihr die Entscheidung dann doch leichtgemacht: Als sie im Jahr 2013 ihrem Vater bei der Fechtweltmeisterschaft in Budapest geholfen hatte, lernte sie ihren zukünftigen Mann, Tarik Ruiz Soto, kennen. Er war Mitglied der chilenischen Nationalmannschaft. „Zu zweit konnte ich mir die Unternehmensnachfolge vorstellen.“Seit 2017 ist das Paar in der Geschäftsleitung von allstar. „Sie machen es prima“, lobt der Vater und freut sich, dass das Unternehmen nun in Familienhand bleibt. Und das Geschäft läuft gut. So gut, dass der bisherige Standort laut Messemer „aus allen Nähten platzt“. Im Herbst diesen Jahres ist der Spatenstich für einen Neubau in Kusterdingen geplant. „Wir hoffen, dass wir im Herbst 2020 umziehen können“, so Frank Messemer. Mit seinen 3000 Quadratmetern wird das neue Gebäude dann dreimal so groß sein wie bisher. Viel Platz für Innovationen aus dem Hause allstar. Die Fechter aus aller Welt dürfen gespannt sein.

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Erstellt:
19. Juli 2019, 00:52 Uhr
Aktualisiert:
19. Juli 2019, 00:52 Uhr
zuletzt aktualisiert: 19. Juli 2019, 00:52 Uhr

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