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Ein Schmerz, der vielleicht nie vergeht
Nachdem er sich in den Dienst gestellt hatte, war für Turner Andreas Toba (Mitte) der olympische Wettkampf vorbei. Foto: Imago
Turner Andreas Toba mit Kreuzbandriss raus – Unter Qualen fürs Mannschaftsfinale geturnt

Ein Schmerz, der vielleicht nie vergeht

Erst riss sein Kreuzband, dann stellte er sich in den Dienst der Mannschaft. Trotzdem ist der olympische Traum für Andreas Toba beendet.

08.08.2016
  • KATJA STURM

Rio de Janeiro. Diesen Schmerz kann Andreas Toba keiner nehmen. Den in seinem Inneren, den der 25-Jährige selbst als „unbeschreiblich und so viel größer“ beschreibt als den, der in seinem Knie tobt. In der Qualifikation von Rio war der Kunstturner an seinem zweiten Gerät, dem Boden, nach einer Doppelschraube vorwärts in der ersten Bahn so unglücklich gelandet, dass an seinem rechten Bein das Kreuzband riss.

Noch auf der Fläche liegend und auf Hilfe wartend, war dem deutschen Mehrkampfmeister klar, dass dies das Ende seiner Träume war. Nichts deutete darauf hin, dass er kurze Zeit später noch zum gefeierten Helden werden würde. „Ich habe geheult wie ein kleines Kind“, sollte Toba später mit noch immer zitternder, zu versagen drohender Stimme erzählen. Doch auf der Pritsche im Umlauf der Olympia-Arena regte sich wieder sein Kampfgeist. Der, der einen ständig begleiten muss, will man all die harte Arbeit durchstehen, die nötig ist, um sich auf der Weltbühne der Gerätekünstler zu bewähren.

Toba wusste, wie sehr er seiner Mannschaft fehlen würde, wollte sie das Teamfinale noch erreichen. Denn durch die Verletzungsprobleme von Fabian Hambüchen im Vorfeld stand an drei Geräten kein Ersatzmann zur Verfügung, unter anderem am Pauschenpferd, das sowieso nicht als die Stärke der deutschen Riege gilt. So rappelte er sich auf und meldete seinen Start an diesem Gerät an. Es war die einzige Chance für Toba, der nach seinen starken und konstanten Leistungen im Vorfeld als sicherer Kandidat für das Mehrkampffinale galt, noch einmal in den Wettbewerb einzugreifen.

An allen anderen Geräten ist bei einer Verletzung dieser Größenordnung ein Durchturnen nicht möglich, auch wenn es in der Historie des Sports Gegenbeispiele gibt: Zu sehr belasten Sprünge und Abgänge aus großer Höhe das Kniegelenk. Doch am Pauschenpferd stellen die Turner ihren Körper am Ende mehr neben dem Gerät ab, als dass sie einschlagen; entsprechend gebremst ist der Aufprall. Und dennoch unter diesen Bedingungen qualvoll, wie dem Hannoveraner anzusehen war.

Die Wertung, obwohl die beste im Team, war am Ende nicht entscheidend dafür, dass die Riege des Deutschen Turner-Bundes (DTB) doch noch als Achter den Einzug ins Finale am heutigen Montag schaffte. Aber die Willensstärke ihres hart getroffenen Freundes und Kollegen setzte bei den anderen im Quintett neue Kräfte frei. Vielleicht auch gerade weil sie so gut nachvollziehen konnten, was in ihm vorging und welchen Respekt er verdiente. „Ich hätte mitheulen können“, erklärte Tobas Zimmerkollege Marcel Nguyen, den selbst vor sechs Jahren ein Schien- und Wadenbeinbruch in der Vorbereitung in Topform mattgesetzt hatte. Nicht nur der Chemnitzer Andreas Bretschneider, der kurzerhand am Sprung in die Aufstellung rutschte, kam danach problemlos durch sein weiteres Programm.

Der nächste Tag sollte allerdings eine weitere bittere Enttäuschung für den so arg Gebeutelten bringen. Toba, der direkt nach dem Wettkampf angekündigt hatte, er wolle seiner Mannschaft auch im Teamfinale noch einmal an den Pauschen helfen, wurde schließlich aus medizinischer Sicht das endgültige Olympia-Aus erklärt. Stattdessen soll er nach Hause fliegen und operiert werden, sobald er im Knie schmerzfrei ist. Die Wunden im Innern werden dagegen vielleicht nie wirklich heilen.

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08.08.2016, 06:00 Uhr
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