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Ein Professor klagt an
Rund 2700 Studenten hat die Hochschule für Verwaltung und Finanzen in Ludwigsburg. Foto: dpa
Landtag

Ein Professor klagt an

An der Hochschule Ludwigsburg sollen ungeheuerliche Zustände herrschen. Ein Wissenschaftler ruft den Untersuchungsausschuss um Hilfe an.

21.11.2017
  • AXEL HABERMEHL

Stuttgart. Ungläubiges Staunen, verblüffte Gesichter, Kopfschütteln: Mit Schilderungen der Zustände an seinem Arbeitsplatz, der Hochschule für öffentliche Verwaltung und Finanzen in Ludwigsburg, hat ein Professor den Landtags-Untersuchungsausschuss „Zulagen“ schockiert.

Der 63-Jährige sollte gestern vornehmlich zur so genannten Zulagenaffäre aussagen. Ein Ex-Rektor soll Professoren rechtswidrig Leistungszulagen gewährt haben. Auch für den Zeugen standen die im Raum, er nahm sie aber nicht in Anspruch, weil ihm das Konstrukt nicht geheuer vorkam. Seine Aussage geriet zu einer Art Generalanklage, mehrfach rief er den Landtag um Hilfe an.

„Die Zulagenaffäre ergab sich aus der Gesamtsituation an der Hochschule. Der Teilaspekt Besoldung und die Rechtfertigung der Selbstbeförderung sind nur die Spitze des Eisbergs und deshalb nur aus einem breiteren Blickwinkel zu verstehen“, schreibt er in einem vor der Sitzung verteilten Papier.

Ähnliches gelte für einen öffentlich gewordenen Täuschungsfall bei einer Prüfung. Es komme zu „zahlreichen Rechtsbrüchen“, es herrschten „Korpsgeist“ und „Günstlingswirtschaft“. Er weise seit Jahren auf Missstände hin, werde intern gemobbt und verleumdet, seine Gesundheit sei angegriffen. Studenten seien aufgefordert worden, ihn „wie bei der Stasi“ auszuspionieren.

In Ludwigsburg seien Prüfungen „nicht ernst zu nehmen“, Klausuren und Noten manipuliert worden, wissenschaftlich gearbeitet werde nicht. „Die Bachelorarbeiten interessieren niemand.“ Sie würden eingesammelt, eingelagert und dann weggeschmissen. Prüflinge müssten Abschlussarbeiten nicht verteidigen. Es fänden nur vormittags Vorlesungen statt, daher müssten Räume gemietet werden, obwohl alles mittags leer stehe. „Das könnte durchaus den Tatbestand der Untreue erfüllen“, so der Zeuge. „Die Frage, wer für die zahlreichen Rechtsbrüche der Bildungseinrichtung verantwortlich zeichnet, ist schwierig zu beantworten, weil viele Probleme miteinander verwoben sind“, schreibt er. Rektor Wolfgang Ernst „hat keines der Probleme angepackt und wird das auch nicht tun“.

Abgeordnete reagierten erschüttert. Ausschussvorsitzende Sabine Kurtz (CDU) sagte: „Es war ziemlich beunruhigend, was der Professor uns erzählt hat. An der Hochschule scheint vieles im Argen zu liegen.“ Thomas Hentschel (Grüne) sprach dagegen von „Nickligkeiten der einzelnen Professoren“, die Fragen gingen über den Untersuchungsauftrag des Ausschusses hinaus.

Sascha Binder (SPD) machte Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne) Vorwürfe. „Wir nehmen zur Kenntnis, dass diese Vorgänge nach wie vor so sind.“ Er sei „erschüttert, dass sich unter der Rechtsaufsicht von Ministerin Bauer solche Zustände an einer Hochschule weiter fortsetzen“. Nico Weinmann (FDP) sprach von einem „katastrophalen Bild“ und „vielen Missständen“. Seine Fraktion werde einen Parlamentsantrag stellen, um die Fragen aufzuklären. Ein Sprecher Bauers kündigte an, die Vorwürfe zu prüfen.

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21.11.2017, 06:00 Uhr
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