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Ein Oscar geht nach Hohenlohe
In Oscar-Laune (von links): Sam Rockwell (bester Nebendarsteller), Frances McDormand (beste Hauptdarstellerin), Allison Janney (beste Nebendarstellerin) und Gary Oldman (bester Hauptdarsteller). Foto: Frederic J. Brown/afp
Academy-Awards 2018

Ein Oscar geht nach Hohenlohe

„The Shape of Water“ wird als bester Film des Jahres ausgezeichnet und gewinnt vier Preise. Aber auch ein Deutscher jubelt: Gerd Nefzer in der Kategorie „Visuelle Effekte“.

06.03.2018
  • MAGDI ABOUL-KHEIR

Los Angeles. Stell dir vor, es ist der tollste Moment in deinem Leben, du möchtest die Welt umarmen – und hast dann Zeit für gerade mal drei Worte. So erging es Gerd Nefzer aus Schwäbisch Hall, als er für „Blade Runner 2049“ mit drei amerikanischen Kollegen den Oscar für die besten Effekte erhielt. Aber Nefzer strahlte, als seine Mitstreiter ihre Dankesworte sprachen, und als die Abgangsmusik schon lief, ging er ganz kurz ans Mikro: „Dankeschön, Germany. Great!“

„Great“ war diese Oscar-Verleihung auch für Guillermo del Toro. Sein Film „The Shape of Water“, eine während des Kalten Kriegs spielende Fantasy-Liebesgeschichte zwischen einer taubstummen Reinigungskraft und einem Amphibienmann, wurde als „Bester Film“ ausgezeichnet.

Der Streifen hatte mit 13 Nominierungen zwar als ein Favorit gegolten, aber aufgrund der vielen Überraschungen in den vergangenen Jahren konnte del Toro bis zur letzten Minute nicht sicher sein.

Er schaute dann auch sicherheitshalber noch einmal in den Umschlag – eine Anspielung auf die Oscars 2017, als der Preis zunächst an den falschen Film gegangen war. Schön war, dass dieser wichtigste Oscar wieder von Faye Dunaway und Warren Beatty übergeben wurde, die vergangenes Jahr bei der Umschlag-Panne peinliche Momente zu überstehen hatten.

Del Toro jubelte sowieso, er hatte ja auch den Regie-Oscar (der vierte für einen Mexikaner in den vergangenen fünf Jahren) bekommen. Zudem wurde „The Shape of Water“ für die beste Filmmusik und die Ausstattung ausgezeichnet.

Der zweite große Favorit des Abends, „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“, das schwarzhumorige Filmdrama über Gewalt, Rassismus und Rache, holte zwei Preise. Sam Rockwell, der einen brutal-infantilen Polizisten spielt, erhielt den Nebendarsteller-Oscar, und Frances McDormand gewann für ihre Darstellung einer rabiaten Mutter ihren zweiten Oscar nach „Fargo“.

Ihre Dankesrede nutzte die 60-Jährige für ein starkes Zeichen: Sie bat alle weiblichen Nominierten im Saal, aufzustehen. „Schaut euch um!“, rief sie, „wir haben alle Geschichten zu erzählen und Projekte zu verwirklichen. Ich habe nur zwei Worte: inclusion rider.“ Mit diesem Vertragsparagrafen können Stars mehr Gleichberechtigung in der Filmproduktion durchsetzen.

Unpolitisch waren diese Oscars also nicht, doch Trump-Witze sparte sich der Moderator Jerry Kimmel diesmal. Dafür spielte er auf den Weinstein-Skandal und die #MeToo-Bewegung an. Er deutete auf die Oscar-Statue: „Schaut ihn euch an“, sagte er zu den Stars und Filmschaffenden im Dolby Theatre am Hollywood Boulevard und zu den Hunderten Millionen TV-Zuschauern weltweit. „Der Oscar ist derzeit der beliebteste und am meisten respektierte Mann. Er hält seine Hände dort, wo man sie sehen kann. Er sagt kein unflätiges Wort. Und er hat keinen Penis. Das ist ein Mann, von dem wir mehr in dieser Stadt brauchen.“

Was die Vergabe dieses beliebten goldenen Mannes betrifft, bot diese 90. Oscar-Nacht keine Überraschungen. Erwartungsgemäß wurde Gary Oldman für die Verkörperung Winston Churchills in „Darkest Hour“ als bester Hauptdarsteller ausgezeichnet. Die Ehrung des 59-jährigen Engländers galt sowieso als längst überfällig, so sehr glänzt er seit drei Jahrzehnten gleichermaßen in anspruchsvollen Stoffen („Dame, König, As, Spion“) wie auch als Rollen-Veredler im Unterhaltungskino („Harry Potter“, „Dark Knight“). Oldman schickte seiner Mutter einen Gruß: „Setz das Teewasser auf – ich bringe einen Oscar mit!“

Ein rührender Moment war die Auszeichnung James Ivorys. Trotz Kunstkino-Erfolgen wie „Zimmer mit Aussicht“ und Meisterwerken wie „Wiedersehen in Howards End“ und „Was vom Tage übrig blieb“ hatte der britische Regisseur noch nie einen Oscar gewonnen – nun wurde er mit 89 Jahren für die Drehbuch-Adaption des Liebesfilms „Call Me By Your Name“ geehrt. Bemerkenswert war auch der Oscar für einen Sport-Megastar: Kobe Bryant wurde als Mit-Autor des Animations-Kurzfilms „Dear Basketball“ ausgezeichnet.

Cineasten beklatschten besonders den Oscar für Roger Deakins. 13 Mal war der geniale englische Kameramann bislang nominiert, 13 Mal ging er leer aus. Die Filme aufzuzählen, die von seiner Bildkunst leben, würde hier den Rahmen sprengen (die meisten Coen-Filme sind darunter) – aber jetzt war es endlich soweit: Für die visuell grandiose Kultfilm-Fortsetzung „Blade Runner 2049“ bekam Deakins endlich den Goldjungen.

Und für diesen Science-Fiction-Streifen gewann dann mit Gerd Nefzer eben auch mal wieder ein Deutscher. Die anderen nominierten Deutschen (in den Kategorien Filmmusik, Kurzfilm, Animations-Kurzfilm) sind auf dieser Oscar-Gala leer ausgegangen.

Wichtige Gewinner

Bester Film: „Shape of Water“ Regie: Guillermo del Toro für „Shape of Water“

Hauptdarsteller: Gary Oldman („Die dunkelste Stunde“)

Hauptdarstellerin: Frances McDormand („Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“)

Nebendarstellerin: Allison Janney („I, Tonya“)

Nebendarsteller: Sam Rockwell („Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“)

Nicht-englischsprachiger Film: „Eine fantastische Frau“ von Sebastián Lelio Kamera: Roger A. Deakins („Blade Runner 2049“)

Original-Drehbuch: Jordan Peele („Get Out“)

Adaptiertes Drehbuch: James Ivory („Call Me by Your Name“)

Schnitt: Lee Smith („Dunkirk“) #

Filmmusik: Alexandre Desplat („Shape of Water“)

Filmsong: „Remember Me“ („Coco“)

Visuelle Effekte: Gerd Nefzer, John Nelson, Paul Lambert und Richard R. Hoover („Blade Runner 2049“)

Animationsfilm: „Coco“ von Lee Unkrich

Animations-Kurzfilm: „Dear Basketball“ von Glen Keane

Dokumentarfilm: „Icarus“ von Bryan Fogel

Doku-Kurzfilm: „Heaven Is a Traffic Jam on the 405“ von Frank Stiefe

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06.03.2018, 06:00 Uhr
Ein Oscar geht nach Hohenlohe





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