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Klassisch

Ein Meister seines Fachs

14.10.2019

Von BURKHARD SCHÄFER

Foto: Cover Foto: Cover

Ulm. Der aus Polen stammende Komponist Mieczyslaw Weinberg (1919-1996) floh 1939 vor den Nazis, die später seine ganze Familie ermordeten, in die Sowjetunion und freundete sich dort mit Dmitri Schostakowitsch an. Am 8. Dezember wäre Weinberg 100 Jahre alt geworden. Zum Jubiläum hat Naxos nun eine CD veröffentlicht, auf der seine beiden Flötenkonzerte von 1961 und 1987 sowie die „12 Stücke für Flöte und Orchester“ (1947, arr. 1983) und die „5 Stücke für Flöte und Klavier“ (1947) mit der Solistin Claudia Stein und dem Szczecin Philharmonic Orchestra unter David Robert Coleman zu hören sind. Diese Werke gehören zum Besten, was die Flöten-Literatur des 20. Jahrhunderts zu bieten hat. Die durchweg großartigen Interpreten der CD lassen daran nicht den geringsten Zweifel aufkommen. Fantastisch!

Frau Stein, wie unterscheiden sich die beiden Flöten-Konzerte voneinander?

Das erste Konzert ist in Form und Inhalt sehr klar und übersichtlich konzeptioniert, dabei jugendlich überströmend und mit folkloristischen Anklängen. Ganz anders das zweite Konzert; dieses ist gezeichnet von Brüchen und Zitaten – wie hinter einem Schleier. Der zentrale Largo-Satz ist tief traurig, das finale Allegretto dagegen spielerisch mit Anklängen an Bach und Gluck. Dieses großartige Werk reflektiert ein ganzes Leben!

Was zeichnet die „12 Stücke für Flöte und Orchester“ aus?

Mit ihren kurzen, abwechslungsreichen Sätzen unterscheiden sich die 12 Stücke schon rein äußerlich von den Konzerten. Ganz verschiedene Charaktere sind hier sehr deutlich voneinander abgegrenzt. Die große Solonummer zu Beginn ist eine echte Überraschung für das Publikum. Im zweiten Stück steht der Solist erst einmal da und hört dem Orchester zu, um es mit ein paar Tonwiederholungen leise zu kommentieren. Ab Stück 3 finden Solist und Orchester dann endlich zusammen. Es folgen: Wiegenlieder, sarkastische Walzer, Romanzen, verrückte Etüden, totale Trauer und reinstes C-Dur.

Und was „erzählt“ uns Weinberg in den „5 Stücken für Flöte und Klavier“?

Hier steht das reizvolle kammermusikalische Spiel im Vordergrund. Weinberg ist wirklich ein Meister seines Faches: Tempi- und Themenwechsel, plötzliche Einfälle, witzige Spielchen, abrupte Stimmungsumschwünge in den Tanzsätzen – auf mich wirkt das alles wie ein musikalisches „Fang mich doch“. Einen wunderbaren Kontrast dazu bilden die impressionistisch anmutenden Klangmalereien des ersten und die sehnsuchtsvollen Melodien des vierten Stücks. Eine wirkliche Entdeckung! Burkhard Schäfer

Foto: Sebastian Rosenberg Foto: Sebastian Rosenberg

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Erstellt:
14. Oktober 2019, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
14. Oktober 2019, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 14. Oktober 2019, 06:00 Uhr

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