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Ein Leben für John Cranko
Ein Leben für das Stuttgarter Ballett: Georgette Tsinguirides. Foto: dpa
Ballettmeisterin Georgette Tsinguirides

Ein Leben für John Cranko

04.12.2015
  • JÜRGEN KANOLD

Ausgelassen, witzig, fröhlich und flink tanzte sie. Und mit einer "ansteckenden Quecksilbrigkeit", wie Kritiker Horst Koegler anno 1959 befand. Reid Anderson wiederum, der Intendant des Stuttgarter Balletts, bezeichnet Georgette Tsinguirides als "eine Meisterleistung der Natur und eine Naturgewalt, verpackt in einen zierlichen, feingliedrigen kleinen Körper, der vermutlich aus einer Art Stahl, wenn nicht gar aus Titan besteht".

Superlative darf man im Falle der 1928 in Stuttgart geborenen Tochter eines griechischen Zigarettenfabrikanten und Rundfunkpioniers getrost ins Spiel bringen: Seit 1945, also seit 70 Jahren (!), arbeitet sie für die Württembergischen Staatstheater, zunächst als Tänzerin, bis auf den Tag aber mit unermüdlicher Energie als Choreologin und Ballettmeisterin. "Ein Leben für John Cranko und das Stuttgarter Ballett" heißt die gerade erschienene Biografie der Georgette Tsinguirides von Susanne Wiedmann im Untertitel: Und das gilt ungebrochen für die heute 87-Jährige.

Es ist ein sehr lesenswertes Buch der Tübinger Journalistin und Redakteurin des "Schwäbischen Tagblatts": faktenreich und einfühlsam geschrieben, gespickt mit Zeitzeugen-Berichten und in vertrauensvollen Gesprächen mit der Porträtierten entstanden; und es ist ein wichtiges Buch zur Geschichte des weltberühmten Stuttgarter Balletts.

Georgette Tsinguirides war keine Primaballerina wie ihre Kollegin und Freundin Marcia Haydée, spielt aber ebenso eine Hauptrolle im Stuttgarter Ballettwunder. Sie bewahrt das Vermächtnis des legendären Choreografen John Cranko, im wahrsten Sinne. Der Südafrikaner kam 1960 nach Stuttgart, inszenierte umjubelt den "Pagodenprinz" - und danach verabschiedete Generalintendant Walter Erich Schäfer kurzerhand seinen bisherigen Ballettchef Nicholas Beriozoff und holte Cranko. Der schuf bis zu seinem frühen, tragischen Tod 1973 die Handlungsballette "Romeo und Julia", "Onegin", "Der Widerspenstigen Zähmung" und vieles andere, formte eine legendäre Compagnie, die bald Weltruf genoss. Und ihn bis heute besitzt.

Cranko schickte Georgette Tsinguirides 1965 nach London, dort studierte sie die Wissenschaft des Tanzes. Sie lernte die Benesh Movement Notation, mit der man Bewegung schriftlich aufzeichnen kann - wie ein Komponist, der seine Musik in Noten aufschreibt. Mehr als 100 Zeichen kennt die Choreologie, und jede Bewegung des menschlichen Körpers wird exakt in einer Partitur fixiert (Biografin Susanne Wiedmann erklärt das sehr nachvollziehbar). Ein perfektes System, erfunden vor der Zeit der Video-Dokumentation.

Georgette Tsinguirides verewigte so in unermüdlicher Arbeit und sehr aufwendig Crankos Choreografien. Aber sie übersetzte ihre Notationsschrift auch wieder zurück: Sie studierte Crankos Werke auf der ganzen Welt mit den bedeutenden Compagnien ein. Und noch immer sagt sie: "Es ist so wichtig, dass seine Ballette nicht verlorengehen." Das wird sie sicherlich auch morgen, Samstag, 16.30 Uhr, persönlich in Stuttgart tun: bei der Präsentation ihrer Biografie im Foyer des Opernhauses.

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04.12.2015, 08:30 Uhr
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