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Ein Kontinent im Alarmzustand: Kontrollen an Flughäfen und Bahnhöfen massiv verschärft
Erhöhte Alarmbereitschaft: Schwer bewaffnete Beamte der Bundespolizei sichern am Dienstag den Flughafen Frankfurt ab. Foto: dpa
Nicht alles lässt sich abriegeln

Ein Kontinent im Alarmzustand: Kontrollen an Flughäfen und Bahnhöfen massiv verschärft

Nicht nur in Brüssel sitzt der Schock nach den Anschlägen vom Dienstag tief. Europaweit nimmt die Angst vor Terrorattacken weiter zu. Viele Staaten reagieren mit verschärften Sicherheitsvorkehrungen.

22.03.2016
  • ALEX PIGMAN, AFP CHRISTIAN EBNER, DPA

Nach den Terroranschlägen in Brüssel haben die Behörden europaweit die Sicherheitsmaßnahmen drastisch verschärft. In Deutschland wurden laut Bundespolizei die Kontrollen an Flughäfen und Bahnhöfen sowie an der deutsch-belgischen Grenze verstärkt. Auch im Grenzraum zu den Niederlanden und Luxemburg wurden die Kontrollen intensiviert - nicht zuletzt um zu verhindern, dass mögliche Täter oder Komplizen der Anschläge aus Belgien flüchten. Flüge nach Brüssel wurden gestrichen, darunter 25 von der Lufthansa mit etwa 2000 Passagieren. Zwei Maschinen, die in München und Frankfurt bereits gestartet und auf dem Weg nach Brüssel waren, seien nach Köln und Lüttich umgeleitet worden, teilte der Lufthansa-Konzern mit.

Auch die Deutsche Bahn reagierte: Drei ICE-Verbindungen von Köln über Aachen nach Brüssel waren vorerst betroffen. Die Züge fuhren nach Angaben einer Unternehmenssprecherin nur bis Aachen und dann zurück. Auch am Mittwoch will die Deutsche Bahn Brüssel nicht anfahren. Der europäische Hochgeschwindigkeitszug Thalys stellte seine Fahrten über Belgien zunächst ein. Züge die bereits auf dem Weg waren, mussten umkehren. Dies galt auch für den Verkehr der Eurostar-Züge zwischen London und Brüssel.

In Frankreich und Großbritannien wurden die Sicherheitsvorkehrungen ebenfalls umgehend ausgeweitet. Vor allem in Paris, wo bei islamistischen Anschlägen im November 130 Menschen getötet worden waren, wurde die Polizeipräsenz an Flughäfen, Bahnhöfen und im öffentlichen Nahverkehr noch einmal deutlich verstärkt. Der französische Innenminister Bernard Cazeneuve kündigte an, dass 1600 zusätzliche Beamte an die Grenzen sowie an Verkehrsknotenpunkte geschickt würden. Seit den Anschlägen vom November, die überwiegend von Attentätern aus Belgien verübt worden waren, sind demnach bereits 5000 Polizisten an den französischen Grenzen im Einsatz.

Am Pariser Flughafen Charles de Gaulle wurden die Kontrollen an allen acht Terminals und an den beiden Bahnhöfen des Hauptstadtflughafens verstärkt. Laut Cazeneuve sollten nur noch Reisende mit Tickets und Ausweispapieren Zugang zu öffentlichen Verkehrsmitteln erhalten. Zusätzliche Polizeipatrouillen kamen auch in London an Flughäfen und strategisch wichtigen Orten zum Einsatz. Es gebe aber keine spezifischen Hinweise auf eine mögliche Bedrohung in Großbritannien, sagte der Scotland-Yard-Beamte Mark Rowley.

In den Niederlanden, Dänemark, Spanien, Italien, Tschechien und Russland wurden ebenfalls die Sicherheitsvorkehrungen an Flughäfen, Bahnhöfen oder Grenzübergängen verschärft. Auch außerhalb Europas reagierten einzelne Staaten auf die Anschläge. So verstärkte die argentinische Regierung die Sicherheitsmaßnahmen für den Besuch von US-Präsident Barack Obama. "Die Alarmbereitschaft der Sicherheitskräfte ist heraufgestuft worden", erklärte Medienminister Hernán Lombardi. Obama sollte in der Nacht zum Mittwoch in Buenos Aires eintreffen.

Die Anschläge von Brüssel werfen unter anderem erneut Fragen zur Sicherheit speziell an den Flughäfen auf. Seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 wurden die Kontrollen von Passagieren und Gepäck zwar enorm verschärft, sie richteten sich aber meist auf den Schutz des Flugbetriebs. Die Terroristen von Brüssel haben jedoch vor den Sicherheitsschleusen zugeschlagen, sie mussten dafür keine Sicherheitskontrolle passieren. "Vor zu allem entschlossenen Einzeltätern kann man sich nicht schützen", ist der Hamburger Luftfahrtexperte Heinrich Großbongardt überzeugt. Terminalgebäude gehören für ihn zum öffentlichen Raum wie Bahnhöfe oder Einkaufszentren, den man sicherheitstechnisch nicht vollständig abriegeln könne. Und selbst wenn dies am Flughafen gelinge, sei damit das Problem nicht gelöst: Die Terroristen konzentrieren sich dann auf "weichere" Ziele.

Im Flugbetrieb hat sich die Sicherheitssituation seit den Al-Kaida-Anschlägen von New York und Washington zumindest in Europa, den USA und einigen anderen Staaten enorm verbessert, stellt der Luftverkehrsberater Gerald Wissel fest. "Man weiß zwar nicht genau, was verhindert worden ist. Aber ich gehe schon davon aus, dass die Maßnahmen eine abschreckende Wirkung auf potenzielle Täter haben." Trotz der für viele Passagiere nervigen Personenkontrollen sieht der Experte aber durchaus noch Lücken im System, etwa bei der Kontrolle der Fracht oder der Infrastruktur zur Bordverpflegung.

Im öffentlich zugänglichen Raum der Flughäfen ist die Polizei weiterhin vor allem auf ihre Beobachtungsgabe angewiesen. Das geschieht ganz klassisch über Streifen, aber auch über Video-Überwachung. Hier kommen auch Techniken des "Social Profiling" zum Einsatz, also der Versuch, mit Hilfe von Computerprogrammen und guter Beobachtungsgabe verhaltensauffällige Menschen aus der Masse der Besucher herauszufiltern.

Sollten "nach Brüssel" die für den Flugbetrieb verschärften Kontrollen nach vorne verschoben werden? Wissel glaubt, dass die Entwicklung in diese Richtung gehen wird. Damit sei allerdings eine Vielzahl von Problemen verbunden, vom fehlenden Platz bis zur ungeklärten Finanzierung. Allein am Frankfurter Flughafen sind täglich im Schnitt 170 000 Passagiere, 80 000 Mitarbeiter und eine ungezählte Schar von Besuchern unterwegs. Komplette Einlasskontrollen scheinen schwer vorstellbar.

Der deutsche Flughafenverband ADV warnt vor Schnellschüssen. Die Landseite der Flughäfen gehöre wie Bahnhöfe oder U-Bahn-Stationen zur sicherheitskritischen Infrastruktur und lasse sich ähnlich schwer schützen, sagt Hauptgeschäftsführer Ralph Beisel. Eine Vorverlagerung der Sicherheitskontrollen hält er für technisch und baulich unmöglich. "Wir können die Flughäfen in Europa nicht in einen Zustand versetzen wie in Tel Aviv, wo jeder Besucher schon vor Betreten der Gebäude kontrolliert wird."

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22.03.2016, 20:30 Uhr
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