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Museum

Ein Kind Helmut Kohls, seit 25 Jahren

Die Regierung sitzt schon lange in Berlin, aber das Haus der Geschichte ist in Bonn geblieben. Ein Nachteil?

15.06.2019

Von DPA

Bonn. Der Sprechzettel Günter Schabowskis aus seiner Pressekonferenz am 9. November 1989 zur Maueröffnung; die Gebetskette des Blumenhändlers Enver Simsek, des ersten Mordopfers des NSU; der Studioschreibtisch aus der „Harald Schmidt Show“ – all das und noch eine Million Objekte mehr bewahrt seit 25 Jahren das Bonner Haus der Geschichte. Das Museum dokumentiert die deutsche Historie seit 1945.

Mit jährlich 650 000 Besuchern in Bonn und 1,2 Millionen einschließlich der Außenstellen Leipzig und Berlin zählt es zu den beliebtesten Museen in Deutschland. Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) würdigt es als herausragend, die Festrede zum Jubiläum am Freitag hielt Bundeskanzlerin Angela Merkel. Angeregt hatte es 1982 Merkels Vorvorgänger Helmut Kohl (1930-2017). Damals war eine Wiedervereinigung nicht in Sicht, Bonns Status als Hauptstadt der Bundesrepublik schien auf unabsehbare Zeit gesichert. „Da ging es darum, diesem Provisorium eine gewisse historische Unterfütterung zu geben“, erläutert Christoph Nonn, Professor für Neueste Geschichte in Düsseldorf. Entsprechend wurde anfangs vor allem eine Erfolgsgeschichte erzählt: die Bundesrepublik als geglückte Demokratie und bewunderte Wirtschaftsmacht. „Ein bisschen ist das in der Ausstellung immer noch drin“, meint Nonn. Inhaltlich würde er sich in der Dauerausstellung eine stärkere Berücksichtigung aktueller Themen wie Migration, Umwelt oder Geschlechterfragen wünschen. „Das hängt auch damit zusammen, dass das Museum seit seiner Gründung eine konservative Führung gehabt hat.“ Es könnte nicht schaden, wenn sich im Beirat künftig die Vielfalt vorhandener Geschichtsbilder spiegle.

Als Kohl das Haus der Geschichte am 14. Juni 1994 eröffnete, war der Regierungsumzug nach Berlin schon beschlossene Sache – das Museum hatte sich in dieser Hinsicht im Grunde schon überlebt. Hätte es ebenfalls in die neue Hauptstadt wandern müssen? „Ich meine, dass der Standort Bonn trotz allem seine Berechtigung hat“, sagt der Berliner Historiker Paul Nolte. „Auch wenn er unter touristischen und Besucher-Gesichtspunkten nicht so attraktiv ist wie Berlin. Aber dafür gibt es dort ja auch das Deutsche Historische Museum, dessen Darstellung nicht 1945 endet.“ Was die Gestaltung betrifft, so ist die Herangehensweise des Museums didaktisch. Die Ausstellungen sind kleinteilig mit viel Text und oft Hunderten von Exponaten auf engem Raum. „Überfrachtet“, sagen Kritiker. Nonn meint dagegen: „Ich finde ein Museum, das vielen vieles bietet, durchaus angemessen für eine pluralistische Gesellschaft.“ dpa

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Erstellt:
15. Juni 2019, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
15. Juni 2019, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 15. Juni 2019, 06:00 Uhr

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