Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Ein Jahr nach verheerendem Mühlenbrand: Die Normalität an der Jagst kehrt langsam zurück
Wenn das mal kein Zeichen ist: Das evangelische Jugendwerk hat in diesem Jahr wieder seine Zelte in Lobenhausen an der Mühle aufgeschlagen. Foto: Wenn das mal kein Zeichen ist: Das evangelische Jugendwerk hat wieder seine Zelte in Lobenhausen an der Mühle aufgeschlagen. Jens Sitarek
Glück im Unglück

Ein Jahr nach verheerendem Mühlenbrand: Die Normalität an der Jagst kehrt langsam zurück

Vor einem Jahr starben in Folge eines Mühlenbrandes 20 Tonnen Fische in der Jagst. In Lobenhausen ist mittlerweile wieder Normalität eingekehrt.

22.08.2016
  • JENS SITAREK

Crailsheim. Es ist der 22. August 2015, ein Samstag, als das Unglück über die Kochendörfers hereinbricht. Seit sieben Generationen ist die Mühle in Lobenhausen an der Jagst im Familienbesitz. Gemahlen wird dort schon lange nicht mehr, aber dafür gibt es jetzt einen Landhandel. Gegen 21.30 Uhr geht ein Notruf bei der Feuerwehr ein: Die Mühle brennt. Unter Lebensgefahr gelingt es den Feuerwehren schließlich, das alte Gebäude zu retten. 155 Einsatzkräfte mit 35 Fahrzeugen sind vor Ort, inklusive DRK und Polizei. Für viele ist es ein noch nie dagewesener Einsatz, heißt es später. Verletzt wurde glücklicherweise niemand. Die Kosten des Einsatzes und die Schäden gehen in die Millionen.

Wie man heute weiß, ermittelt die Staatsanwaltschaft Ellwangen gegen einen 21-Jährigen wegen des Verdachts der fahrlässigen Brandstiftung. Er soll in der Nähe Abfall verbrannt haben. Und durch Funkenflug soll die Mühle dann Feuer gefangen haben. Die Ermittlungen dauern noch an, so die Staatsanwaltschaft. Von wegen Komplexität. Ein Abschlussbericht zu den ökologischen Auswirkungen des Großbrandes soll Ende des Jahres vorliegen.

Denn: In der Brandnacht gelangt mit Kunstdünger kontaminiertes Löschwasser in die Jagst. Infolge dessen sterben mehr als 20 Tonnen Fische, darunter viele seltene Arten. Die Befürchtung, dass die Giftfahne jedoch den Neckar erreicht, wie einige Medien berichten, bestätigt sich zum Glück nicht.

Wer ein Jahr nach dem Mühlenbrand nach Lobenhausen kommt, merkt schnell, dass die Normalität wieder eingekehrt ist. All denjenigen, die schon Schlimmeres befürchteten, sei gesagt: Den Landhandel der Kochendörfers gibt es noch. Und es scheint ihn auch in Zukunft zu geben, danach sieht es jedenfalls aus. Wären sonst die verbrannten Silos durch neue aus Metall ersetzt worden? Dass eine Lagerhalle auf dem Gelände fehlt, merken nur die, die wissen, dass dort mal eine stand.

Und das ist vielleicht auch das Trügerische: Dass man nichts merkt, wenn man nichts weiß, weil die Giftfahne sich längst verflüchtigt hat. Fakt ist: In bestimmten Bereichen des Flusses gibt es nur wenige bis keine Fische. Und das wird wohl noch eine ganze Weile so bleiben. Da helfen auch die aufwendigen Fisch-Umsetzaktionen, der befristete Abschuss des Kormorans, die Sichtung des Eisvogels, die gründliche Überprüfung von Düngemittellagern, der gut gemeinte runde Tisch des Landratsamtes Schwäbisch Hall und das vom Regierungspräsidium Stuttgart erarbeitete „Aktionsprogramm Jagst“ nur bedingt.

Ein weiteres Zeichen, dass das Leben an der Jagst wieder in gewohnten Bahnen verläuft: Der Bezirk Marbach des evangelischen Jugendwerks hat seine Zelte in Lobenhausen auf dem Gelände der Kochendörfers aufgeschlagen. 53 Jungen im Alter zwischen neun und 13 Jahren sind diesmal dabei, viele nicht zum ersten Mal, hinzu kommen 22 Betreuer. Das Jagst-Unglück wird nicht groß thematisiert, das Bewusstsein sei nicht so da. Sagt ein Betreuer, der schon 1998 als Teilnehmer dabei war, am Mittwoch zwischen Bibelstunde und Stationenlauf.

Im vergangenen Jahr reisten die Betreuer an dem Tag ab, an dem abends die Mühle brannte. Übers Radio hätten sie dann zuerst von dem Unglück erfahren, erzählt der Betreuer. Die anschließende Recherche im Internet brachte dann schließlich die Gewissheit. „So viele Mühlen bei Kirchberg gibt es ja nicht“, sagt er. Dann war natürlich gleich die Frage, ob das Zeltlager in diesem Jahr überhaupt stattfinden könne. Aber sie seien schnell „recht zuversichtlich“ gewesen, „dass es weitergehen kann“, heißt es. Die Genehmigung des Landratsamtes ließ nicht lange auf sich warten. Schnell zurück zur Normalität.

Auf dem Weg dahin hilft „Hollywood“ – so lautet das Motto des Zeltlagers 2016. Dies hat nichts mit dem Katastrophentourismus zu tun, dem sich die Kochendörfers kurz nach dem Mühlenbrand ausgesetzt sahen, sondern ist einfach der Kreativität der Kirchenleute geschuldet. Das, was in den zwölf Tagen des Zeltlagers hollywoodmäßig daherkommt, sind zum Beispiel eine (Hollywood-Schaukel und ein Hollywood Sign – das ist der bekannte Schriftzug in den Hollywood Hills über dem heutigen Hollywood, dem Stadtteil von Los Angeles. In Lobenhausen heißt es allerdings: Holy God („Heiliger Gott“) statt Hollywood. Etwas Beistand von oben kann auch ein Jahr nach dem verheerenden Brand nicht schaden.

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

22.08.2016, 06:00 Uhr
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden

Newsletter-bestellen

· Samstags verschicken wir die News der Woche, unser Klassiker: Die wichtigsten Themen und Geschichten direkt im E-Mail-Postfach. So bleiben Sie auch in der Ferne immer informiert, was in und rund um Tübingen passiert.
· Werktags versenden wir um 9 Uhr die News am Morgen mit den wichtigsten aktuellen Nachrichten.
· Sonntagabend kommt unser Sport-Newsletter mit den wichtigsten Lokalsport-Berichten und Ergebnissen vom Wochenende.

Um unsere Newsletter zu erhalten, müssen Sie sich anmelden oder sich neu als Benutzer registrieren. Ihre Daten werden ausschließlich für die Newsletter (nur falls Sie weitere Angebote des Verlags Schwäbisches Tagblatt wählen, auch für diese) verwendet. Ihre Daten werden nicht an andere Unternehmen weitergegeben.
Nachrichten via Messenger
Die wichtigsten Neuigkeiten aus der Region liefern wir Ihnen auch per WhatsApp & Co. aufs Smartphone. Um diesen Service zu nutzen, öffnen Sie tagblatt.de/whatsapp bitte mit einem entsprechenden Mobilgerät.
Heute meistgelesenNeueste Artikel

Nachrichten aus ...
Reutlingen Wannweil Pliezhausen Walddorfh�slach Ammerbuch T?bingen Dettenhausen Kirchentellinsfurt Kusterdingen Gomaringen Dusslingen Ofterdingen Mössingen Nehren Bodelshausen Hirrlingen Neustetten Rottenburg Starzach Horb
Das Tagblatt bei
Facebook Google+ Twitter Instagram
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesen
Wirtschaft im Profil
Neueste Artikel
Kennen Sie Tübingen? (5) Viertel mit „abseitiger Lage“
Millionen Rindviecher, Alpinisten und schwäbische Rentner Acht Dinge, die Sie im Allgäu tun sollten*
Uschi Kurz über ihren ertragreichen Apfelbaum Überaus dankbar – aber druckempfindlich
Anzeige

Themen-Dossiers

Themen-Dossiers
Single des Tages
date-click
Das Tagblatt als E-Paper

Kontakt zum Kundenservice

Abonnement
07071/934-222
vertrieb@tagblatt.de

Anzeigen
07071/934-444
anzeigen@tagblatt.de

Kontakt zu den Redaktionen

Schwäbisches Tagblatt Tübingen
07071/934-0
redaktion@tagblatt.de

Neckar-Chronik Horb
07451/9009-30
nc@neckar-chronik.de

Tagblatt Online         
07071/934-314
online@tagblatt.de

Steinlach-Bote Mössingen
07473/9507-0
sb@tagblatt.de

Rottenburger Post
07472/1606-16
ro@tagblatt.de

Reutlinger Blatt
07121/3259-50
rt@tagblatt.de

Tagblatt Anzeiger
07071/934-344
tagblatt-anzeiger@tagblatt.de

Wirtschaft im Profil
07071/934-166
wip@tagblatt.de


Oder nutzen Sie unser Kontaktformular