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Johan Simons wird Intendant am Bochumer Theater und folgt auf Anselm Weber - Erfolge in München

Ein Holländer in seinem Revier

Theater in Bochum - dafür stehen große Namen von Zadek bis Peymann. Nun kommt im Herzen des Reviers ein weiterer hinzu: Johan Simons.

06.02.2016

Von DPA

Johan Simons kennt sich im Revier bestens aus. Foto: dpa

Bochum. Der künftige Intendant des Bochumer Schauspielhauses, der Niederländer Johan Simons, will das Haus zu einem länderübergreifenden, europäischen Theater machen. Zusammen mit dem belgischen Stadttheater NTGent und dem Neuen Theater Rotterdam, das er gerade mitgründe, soll ein Theaternetzwerk entstehen. "Ich möchte internationale Koproduktionen in diesem Dreieck realisieren, die dann an diesen drei Orten gezeigt werden", sagte Simons gestern in Bochum. "Es soll ein Theaterhaus mit großer künstlerischer Freiheit sein, ein Theater ohne Grenzen, das im Zentrum Europas die Welt einlädt."

Simons, der in diesem Jahr 70 wird, hat in Bochum einen Vertrag für fünf Jahre von der Spielzeit 2018/19 an. Dies hat der Verwaltungsrat des renommierten Theaters gestern einstimmig beschlossen. Der bisherige Intendant Anselm Weber wechselt 2017 nach Frankfurt. Interimsintendant in der Spielzeit 2017/18 soll der derzeitige Geschäftsführende Dramaturg Olaf Kröck werden.

Als Schauspielstudent in den Niederlanden sei er häufig in Bochum gewesen, um Inszenierungen von Zadek und Peymann zu sehen, sagte Simons. "Über das Theater Bochum sprach man; wer das spannendste Theater Deutschlands sehen wollte, fuhr nach Bochum." Peter Zadek war dort von 1972 bis 1979 Intendant, Claus Peymann von 1979 bis 1986.

Nach seiner Wahl am Freitag war Simons zuerst zum Schauspielhaus gefahren, um die Mitarbeiter zu begrüßen. "Sie haben mit orangenen Fähnchen gewunken; aber sie haben nicht die Nationalhymne gesungen", sagte er mit einem Augenzwinkern.

Simons ist einer der profiliertesten Theatermacher im deutschsprachigen Raum, in Belgien und in den Niederlanden. Er leitet noch bis 2017 das renommierte experimentelle Theater- und Musikfestival Ruhrtriennale. Für seine erste Saison im vergangenen Jahr hatte er positive Kritiken bekommen. Die Auslastung der mehr als 50 Veranstaltungen lag bei mehr als 90 Prozent. Zuvor hatte Simons fünf Jahre als Intendant den Erfolgskurs der Münchner Kammerspiele fortgeführt. Seine eigenen Regiearbeiten wurden unter anderem zum Berliner Theatertreffen eingeladen.

Bochum ist für Simons sozusagen ein Heimspiel. Seit Jahren macht er auch im Ruhrgebiet Theater und behauptet, er kenne das Revier genauso gut wie gebürtige Ruhrpottler. Allerdings ist die Theater-Konkurrenz im "Pott" groß. Städte wie Dortmund, Essen, Oberhausen und Gelsenkirchen leisten sich trotz aller Finanzprobleme im ehemaligen Kohle- und Stahlrevier ihre Bühnen. "Wenn man sieht, welchen Strukturwandel diese Region hinter sich hat, ist man doch erstaunt, mit welcher Selbstverständlichkeit hier Theaterförderung betrieben wird", sagt der Geschäftsführer des Deutschen Bühnenvereins, Rolf Bolwin.

Die Theater kennt man auch über die Reviergrenzen hinaus. In Dortmund etwa macht Intendant Kay Voges mit provokativen Experimenten Theater für ein junges Publikum. Auch in Oberhausen kommen bei Intendant Peter Carp immer wieder gewagte Inszenierungen internationaler Regisseure und Nachwuchstalente auf die Bühne. Simons wird mit seinem eher literarischen Theater wohl einen Kontrast dazu bilden.

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Erstellt:
6. Februar 2016, 08:30 Uhr
Aktualisiert:
6. Februar 2016, 08:30 Uhr
zuletzt aktualisiert: 6. Februar 2016, 08:30 Uhr

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