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Ein Hochamt für Sankt Martin
In bester Stimmung: Der neue Parteichef Martin Schulz und sein Vorgänger Sigmar Gabriel. Foto: dpa
SPD

Ein Hochamt für Sankt Martin

Die Kür von Martin Schulz zum Vorsitzenden und Kanzlerkandidaten ist Formsache, geht aber in die Parteigeschichte ein. Selbst Kurt Schumacher kam nie auf 100 Prozent.

20.03.2017
  • GUNTHER HARTWIG

Berlin. . Auf der Spree, in Sichtweite der Treptower Arena, protestiert die Junge Union auf einem Schiff „gegen die Heiligsprechung von Martin Schulz“, der ist zwar immerhin katholisch, aber ein Sozi. Doch die lautstarke Demonstration des CDU-Nachwuchses „gegen den Schulz-Hype“ kommt zu spät. Längst ist der „Schulzzug“ auf die Schiene gesetzt, und die SPD-Delegierten lassen sich von der Konkurrenz nicht mehr davon abbringen, ihren neuen Hoffnungsträger zum Parteivorsitzenden und Kanzlerkandidaten zu wählen.

Die Stimmung spiegelt wider, was in den vergangenen Wochen mit der SPD passiert ist. Seit Martin Schulz (61) Ende Januar für beide Ämter nominiert wurde, ist nicht bloß ein Ruck durch die Partei gegangen, das wäre untertrieben. 13 000 Neumitglieder sind in die SPD eingetreten, viele junge Menschen, ein paar Heimkehrer auch. Die Genossen sind in den Umfragen nach oben geschossen, in Schlagdistanz zur Union, ein paar Mal sogar vor CDU und CSU. Euphorie und Leidenschaft sind zurückgekehrt in die Reihen der Partei und ihrer Anhänger.

Natürlich gibt es auch Übertreibungen, wie nicht bloß die Junge Union empfindet. Schulz, der Heilsbringer und Messias – als könnte er übers Wasser laufen. „Martin Schulz“, sagt der Düsseldorfer Politik-Professor Ulrich von Alemann,“schmiert frische Salbe auf alte sozialdemokratische Wunden.“

Erst einmal muss der außerordentliche Parteitag einer langen Abschiedsrede Sigmar Gabriels zuhören, die Delegierten tun das geduldig, weil sie wissen, dass der nach sieben Jahren und vier Monaten abtretende Frontmann diesen SPD-Jubeltag erst möglich gemacht hat: Zunächst trotzte Gabriel der Union die Unterstützung für Frank-Walter Steinmeier bei der Wahl zum Bundespräsidenten ab, dann räumte er seinen Platz als Parteichef für Schulz.

Anschließend tourt „St.Martin aus Würselen“ 76 Minuten lang durch die Innen- und Außenpolitik. Es sind bekannte Positionen und geläufige Formeln – ein detailliertes Programm will Schulz Ende Juni vorlegen. Stehende Ovationen und minutenlangen Applaus erntet er mit seinem Standardsatz: „Ich will der nächste Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland werden.“

Der Rest ist Formsache – und doch historisch. Zum ersten Mal in der Parteigeschichte wird mit Martin Schulz ein Vorsitzender einstimmig gewählt, mit 100 Prozent der gültigen Stimmen. Das hat in den Nachkriegsjahren nicht einmal der bisherige Rekordhalter Kurt Schumacher geschafft, der drei Mal hintereinander auf über 99 Prozent gekommen ist. Leni Breymaier, die SPD-Landesvorsitzende in Baden-Württemberg, sagt vor der Wahl: „Alles über 90 Prozent ist gut, alles über 95 Prozent super.“ Und 100 Prozent? Für Martin Schulz ist das Ergebnis ein „überwältigender Moment“ und „der Auftakt zur Eroberung des Kanzleramts“.

Gunther Hartwig

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20.03.2017, 06:00 Uhr
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