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Übers Selbermachen

Ein Hoch auf die arbeitsteilige Gesellschaft

Kaufen ist out. Selbermachen dagegen schwer in. Vor allem beim Schenken wird man heutzutage ziemlich schräg angeschaut, wenn man etwas aus dem Laden überreicht.

06.11.2017
  • Uschi Hahn

Die Zeiten, als das gute Buch eigentlich immer ankam, sind vorbei. Ein Kochbuch beispielsweise. Inzwischen muss es mindestens die selbst gerührte Marmelade oder eigenhändig durch den Wolf gedrehte Pastete als Zugabe sein, sonst steht man ziemlich blamiert da zwischen all den anderen Gästen, die mit stolzgeschwellter Brust ihre Homemade-Mitbringsel auf dem Gabentisch platzieren.

Die Geschäftswelt hat reagiert. Gerade im Vorfeld von Weihnachten kommt man an Do-it-yourself-Ratgebern nicht vorbei. Im Internet, in Zeitschriften, in Buchhandlungen: überall Tipps und Anleitungen zum Basteln, Schreinern, Köcheln, Backen, Nähen, Stricken, Sticken … Unsere Groß- und Urgroßmütter hätten ihre Freude an dem Trend. Zumal sich die Kreativ-Literatur praktisch ausschließlich an Frauen richtet.

Gut, es ist ja in Ordnung, wenn alte Haushaltstechniken nicht in Vergessenheit geraten. Es ist auch sicher nicht verkehrt, als Frau eine gewisse Ahnung von Holz, Hammer und Leimtopf zu haben. Die eigene Kreativität auszuleben schadet auch nie. Es kann ja auch sehr entspannend sein, abends noch ein paar Runden am Pullover zu nadeln oder ein paar Zweige und Hagebutten zu einem Herbstkranz zusammenzubiegen. Es kann, aber es muss nicht entspannend sein. Wer den ganzen Tag arbeitet, sich außerdem noch um Kinder, Haushalt und die paar anderen Dinge des Alltags kümmert, findet womöglich bei anderen Dingen Zerstreuung als beim Heimwerken oder Hausmütterchen spielen. Ein gutes Buch lesen zum Beispiel, einfach vor der Glotze abhängen oder auch Musik hören. Nix Kreatives auf jeden Fall.

Irgendwie kommt man sich bei dem ganzen Selbermach-Wahn wieder wie im Kindergarten vor. Damals, als der Strohstern noch so kruschtelig aussehen konnte und die Eltern und Großeltern sich trotzdem gefreut haben wie Bolle über das Präsent. Hauptsache selbst gebastelt. Man fühlt sich auch an Muttertage erinnert, als man stolz zum ersten Mal in den Laden ging, um vom mühsam gesparten Taschengeld eine Vase zu kaufen. Endlich mal was richtig Schönes, wie man dachte. Und die Mutter dann sichtlich enttäuscht war, weil es eben „nichts Persönliches“ war. Kaufen statt Selbermachen – das ging schon damals nicht.

Dabei leben wir in einer arbeitsteiligen Gesellschaft. Es gibt für alles Profis. Und das ist gut so. Wer seinen Job gut macht, muss also nicht ständig beweisen, auch noch die guten alten Hausfrauentugenden glänzend zu beherrschen.

Es soll ja auch tatsächlich noch Leute geben, die nicht beleidigt sind, wenn sie eine gute Flasche Wein statt eines am Küchentisch gepanschten Eierlikörs überreicht bekommen. Wenn mich jedenfalls das nächste Mal jemand fragt, ob ich was selbst gemacht habe, antworte ich mit einem Lächeln: Nö, selbst verdient und selbst gekauft.

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06.11.2017, 01:00 Uhr
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