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Die Steinäckerschule in Bodelshausen beschäftigt einen Arbeitserzieher

Ein Händchen für Jugendliche

Aus einem Praktikum wurde mehr: Daniel Schneider aus Mössingen bereitet die Schüler der Steinäckerschule in Bodelshausen auf die Berufswelt vor. Er ist bundesweit der einzige Arbeitserzieher an einer Hauptschule.

18.07.2009
  • susanne mutschler

<strong>Bodelshausen.</strong> Im Technikraum der Bodelshäuser Steinäckerschule ist donnerstagvormittags viel Betrieb. Vanessa Fröhlich aus der achten Klasse schmirgelt an ihrem zukünftigen Schuhschrank, Tim Löffler bewundert seinen Fernsehtisch, der – wenn er erst einmal fertig ist – die bisherige Obstkiste ersetzen soll, und Jan Kern probiert, ob bei der Klappe seines neuen Schreibtisches die Schrägstellung hinkommt.

Arbeitserzieher Daniel Schneider arbeitet im Fächerverband Wirtschaft, Arbeit, Gesundheit (WAG) eng mit dem Techniklehrer Uwe Bauer zusammen. „Kleinschrittige pädagogische Anleitungen“ nennt Schneider sein Aufgabengebiet, das ihn nicht nur in den Technikraum, sondern durch das ganze Schulhaus führt. Sogar in der Küche und bei den Proben für die Theater-Aufführung finde er „tausend Baustellen“ und Anknüpfungspunkte für „individuelle Einzelfall-Betreuung“.

Die Steinäckerschule gilt als so genannte „Brennpunktschule“: Kindern, die Mühe haben mit dem Regelunterricht, falle es bei praktischen Aufgaben leichter, über ihre komplizierte Situation in Familie und Schule zu reden und dabei vielleicht sogar Lösungswege zu entwickeln, sagt Schneider. „Die Kinder wissen manchmal gar nicht, dass sie auf einen Schulausschluss hinsteuern“.

Der 29-Jährige nimmt die Schwierigkeiten der „schwierigen Kinder“ sehr ernst. „Manchmal reicht es schon, dass sich jemand interessiert“, erlebt er. Während seiner Zusatzausbildung zum Arbeitserzieher hat sich der gelernte Kunstschreiner vor allem in den Fächern Psychologie, Didaktik, Pädagogik und Arbeitstherapie „sehr reingehängt“, erzählt er. Konflikte auszugleichen und Streit zu schlichten, ist etwas, das er gelernt hat. Und er hat ein Händchen für Jugendliche.

Nicht wenige der Hauptschüler blühen auf, wenn sie unter seiner Anleitung mit Holz und Werkzeug schaffen dürfen. Wenn es um Holzzuschnitte, Schrägen und Winkel geht, bekommen geometrische Zeichnungen und Zahlen-Kalkulationen für sie endlich einen Sinn. Dann setzt sich Tim auch ein drittes Mal hin und überprüft vorsichtshalber noch einmal alles. „Man muss die Theorie an die Praxis koppeln“, sagt Schneider. Das mit Händen greifbare Erleben habe einfach mehr Nachhaltigkeit.

Auch wenn die theoretischen Lernziele „Schlüsselqualifikationen wie Genauigkeit, Durchhaltevermögen, Ausdauer und Zuverlässigkeit sind“, lebe die Arbeitserziehung von praktischen Projekten, erklärt er. Dazu gehöre auch die Wertschätzung von handwerklichen Tätigkeiten. Die selbstgemachten Objekte sollten schön und nützlich sein, findet Schneider, damit die Schüler mit ihrer Hände Arbeit „ein Gefühl von Prestige verbinden“. Er führt neben restaurierten Stühlen hölzerne Flipper-Geräte, solarbetriebene Raddampfer und bewegliche Drachen vor, die er mit Schülern gebaut hat. Nur wenn die Jugendlichen „Freude an ihren Werkstücken haben“, sei es für sie auch einsichtig, „dass die Dinge gut und richtig gemacht werden müssen“. Wobei dieser Einsicht manchmal handfeste Erfahrungen vorangingen. Weil die Bodelshäuser Achtklässler ihre Stühle und Tische schlecht behandelten, ließ Uwe Bauer sie zwei Wochen lang Unterricht ohne jedes Mobiliar erleben.

Jetzt bauen sie nach eigenen Entwürfen neue Tische, zusammen mit Daniel Schneider. Der nennt das „lebenspraktischen Unterricht“ und ist sicher, dass die selbstgebauten Pulte mehr Achtung genießen werden. Für die nächsten fünf Jahre ist die 50-Prozent-Stelle von Schneider durch die großzügige Spende eines Bodelshäuser Fabrikanten gesichert. Für die weitere Zukunft überlegt sich die Schulleitung jetzt schon Verlängerungs-Anträge an das Regierungspräsidium.

Ein Händchen für Jugendliche
Der neue Arbeitserzieher Daniel Schneider (links) erklärt dem Schüler Tim im Technikraum, wie man richtig leimt. Bild: Franke

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18.07.2009, 12:00 Uhr
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