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Ein Geständnis und viele Gedächtnislücken
Still und mit gesenktem Kopf folgt der Angeklagte dem Prozess. Foto: Patrick Seeger
Gericht

Ein Geständnis und viele Gedächtnislücken

Der Angeklagte gibt am ersten Prozesstag in Freiburg den Mord an einer Joggerin aus Endingen zu. An eine Vergewaltigung will er sich nicht erinnern können.

23.11.2017
  • PETRA WALHEIM

Freiburg/Endingen. Ich muss dem Mann in die Augen schauen, um damit abschließen zu können.“ Friedrich Bürkin, der Patenonkel der ermordeten Carolin G., sitzt an diesem Morgen im Landgericht Freiburg im Zuschauerraum. Immer wieder fließen Tränen. „Er hat mir etwas so Wertvolles genommen, das kann er mir nicht mehr wiedergeben.“ Friedrich Bürkin erwartet von dem 40-jährigen rumänischen Lastwagenfahrer, dass er „auspackt“ und zu der Tat steht. „Das ist das einzig Positive, das er jetzt noch tun kann.“

Gestern hat im Landgericht Freiburg der Prozess um den Mord an der 27-jährigen Carolin G. begonnen. Sie war am 6. November 2016 auf ihrer Jogging-Tour durch die Rebberge zwischen Endingen und Bahlingen vergewaltigt und getötet worden. Tage später wurde ihre Leiche in einem Wäldchen gefunden.

Sieben Monate hat es gedauert, bis der Tatverdächtige verhaftet werden konnte. Ein ähnlich gelagerter Fall in Kufstein in Tirol (Österreich) hatte die badischen Ermittler auf seine Spur gebracht. Dort war im Januar 2014 eine 20-jährige französische Austausch-Studentin ebenfalls vergewaltigt und getötet worden. Die Ermittler fanden an Tatorten und Opfern identische DNA-Spuren. Anfang Juni dieses Jahres wurde Catalin C. an seinem Arbeitsplatz in einer Spedition in Endingen festgenommen. Seitdem sitzt er in Untersuchungshaft. Die Anklage lautet auf Mord und besonders schwere Vergewaltigung.

Gestern saß er auf der Anklagebank des Landgerichts und wollte weder Angaben zu seiner Person noch zur Tat machen. Stattdessen las Verteidiger Klaus Malek eine Erklärung seines Mandanten vor. Darin gesteht der Angeklagte, dass er G. getötet hat. Es tue ihm leid, liest der Verteidiger vor. Er wisse nicht, warum er das getan habe, aber er wisse, dass er dafür die Verantwortung trage.

In der Erklärung schildert der Angeklagte, er sei an diesem Sonntag sehr niedergeschlagen gewesen. Schon nach dem Frühstück habe er angefangen, Schnaps zu trinken. Um frische Luft zu schnappen, sei er zu einem Spaziergang in die Rebberge aufgebrochen, mit der Schnapsflasche in der Hand. Da sei ihm diese Frau begegnet und habe ihn etwas gefragt. Weil er kaum Deutsch spricht, habe er sie nicht verstanden. Er sei aggressiv geworden und habe mit der Schnapsflasche zugeschlagen. „Ich habe geglaubt, dass sie gleich tot war“, liest der Verteidiger vor. Was dann geschah, daran will er sich nicht mehr erinnern können.

Laut der Anklageschrift, die Oberstaatsanwalt Tomas Orschitt verlas, soll er Carolin G. angegriffen, ihr den Mund zugehalten und sie gewürgt haben. Durch das Würgen sei sie schnell bewusstlos geworden. Dann habe der Mann sie in ein Wäldchen gezerrt, sie dort entkleidet und vergewaltigt. Als er bemerkt habe, dass sie noch lebt, habe er ihr mit einer Eisenstange auf den Kopf geschlagen. Carolin G. starb an einem Schädel-Hirn-Trauma.

In seiner Erklärung bestreitet Catalin C. ein sexuelles Motiv. „In mir war Aggression, aber kein sexuelles Verlangen.“ Doch die Verletzungen, die Carolin im Anal- und Vaginal-Bereich erlitten hat, sagen etwas anderes aus. Auch was der psychiatrische Sachverständige Dr. Peter Winckler in seinem Gutachten beschreibt, deutet in eine andere Richtung. Es gebe Hinweise, dass der Angeklagte durchaus in sexueller Not gewesen sei. Er habe eine Sex-Dating-App auf seinem Handy und Interesse an anonymen Sex-Treffen gehabt. Außerdem soll er massive Eheprobleme mit seiner Frau gehabt haben, die mit den drei Kindern in Rumänien lebt.

Nach den Stunden im Gericht ist Friedrich Bürkin nicht zufrieden. „Ich glaube ihm kein Wort.“

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23.11.2017, 06:00 Uhr
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