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Eine ruhige Sportart mit unendlich vielen kleinen Dramen

Ein Gespräch mit Eurosport-Kommentator Rolf Kalb über die Snooker-WM im englischen Sheffield

Am heutigen Samstag um 11 Uhr beginnt im englischen Sheffield die Snooker-WM. Eurosport überträgt rund 200 Stunden, 130 davon am Mikrofon: Rolf Kalb. Ein Gespräch über eine ruhige Sportart.

16.04.2011
  • THOMAS GOTTHARDT

Zwei Wochen von morgens bis abends die Snooker-WM bei Eurosport kommentieren - wie halten Sie das nur aus, Herr Kalb?

ROLF KALB: Das Geheimnis kenne ich auch nicht. Der wichtigste Punkt dabei ist aber wohl: Begeisterung für die Sache, für Snooker. Wenn sich das auf die Zuschauer überträgt, bin ich nicht böse.

Ihre wievielte WM ist das?

KALB: Das ist meine neunte oder zehnte WM, die ich kommentiere.

Und es sind immer mehr Zuschauer geworden.

KALB: Ja, wir rechnen wieder mit einer Million Zuseher in der Spitze.

Und das, obwohl kein deutscher Spieler dabei ist.

KALB: Ja, vermutlich wäre das mediale Interesse noch höher, wenn ein Deutscher dabei wäre. Allerdings ist diese Entwicklung beim Snooker auch ganz gesund. Es gibt nicht diesen Boris-Becker-Effekt, also diesen Hype, dann das Abflachen. Es gibt nicht diesen nationalen Aufhänger, sondern das Interesse gilt einfach dem Sport und den Protagonisten.

Eigentlich passiert bei Snooker ja nicht viel. Gut gekleidete Herren am Tisch, das Klacken der Bälle, manchmal lange Pausen vor dem nächsten Stoß; Duelle, die über zwei Tage gehen. Was ist das Faszinierende dieser Billard-Variante?

KALB: Die Faszination liegt darin, dass es im Idealfall zu einer Abfolge unendlich vieler kleiner Dramen kommen kann, die sich am Ende zu einem grandiosen Spannungsbogen vereinigen können. Der Snooker-Virus ist hochgradig ansteckend. Snooker wird auch nicht so nebenbei geschaut, sondern sehr konzentriert. Außerdem kann man den Spielern richtig in die Augen gucken, kein Helm verdeckt die Anstrengung oder die Enttäuschung. Emotionen werden nicht verhüllt. Das hilft, eine Beziehung zu den Spielern aufzubauen. Es ist eigentlich der ideale Fernsehsport.

Ist es Sport? Viele denken bei Billard immer noch an Kneipe, Zigaretten und Bier.

KALB: Wie bei vielen Sportarten kann man Billard oder eben Snooker als lockeres Freizeitvergnügen betreiben. Wenn es darum geht, was die Weltspitze macht, dann ist das ein knallharter Leistungssport.

Mit guten Verdienstmöglichkeiten.

KALB: Das kommt hinzu. Die absoluten Topleute im Snooker verdienen so viel wie englische Fußball-Profis. Das soll ja nicht ganz wenig sein.

Wenn jemand beim Zappen plötzlich bei Snooker landet, wird er möglicherweise nicht sofort verstehen, was da passiert.

KALB: Deshalb gibt es ja Kommentatoren. Ich versuche die Basisinformationen rüberzubringen und zu erklären, was die Spieler machen, was sie taktisch vorhaben, wie der Plan sein könnte.

Wer ist denn aus Ihrer Sicht der Favorit bei der WM im legendären Crucible Theatre?

KALB: In diesem Jahr es das besonders schwer zu beantworten. Es gab bereits viele Turniere in diesem Jahr. Die Spieler kommen perfekt vorbereitet nach Sheffield. Das Niveau wird deshalb noch höher sein. Aber zum Favoritenkreis gehört sicherlich ein John Higgins, der Titelverteidiger Neil Robertson und noch einige andere.

Was ist denn mit "badboy" Ronnie OSullivan?

KALB: Für mich persönlich gehört er dieses Mal nicht zum Favoritenkreis. Es hat zu wenig gespielt, was er zuletzt gezeigt hat, wirkte demotiviert. Er wollte die WM sogar absagen, hat sich dann aber anders entschieden. Er nimmt jetzt die Hilfe eines britischen Sportpsychologen in Anspruch. Ronnie ist wie eine Wundertüte. Vielleicht macht es Klack, und er ist wieder im Rhythmus.

Snooker hat viel mit Überlegung, mit Taktik zu tun. Die Spieler planen die Laufwege der Kugeln exakt, physikalische Gesetze scheinen nicht mehr zu gelten. Welche taktischen Strömungen gibt es denn?

KALB: Einer wie OSullivan spielt schnell, wie im Rausch, er zaubert die Bälle in die Taschen. Andere sind wahre Taktiker wie Graeme Dott, der Vorjahresfinalist, die sich immer viel Zeit nehmen. John Higgins ist ein unglaublicher Allrounder, andere lieben es, die langen Bälle zu spielen und zu versenken.

Freuen Sie sich auf die nächsten Wochen oder haben Sie vor dem Start ein mulmiges Gefühl, weil es wie immer anstrengend wird. Sie sollen ja in dieser Zeit durchaus fünf Kilo abnehmen.

KALB: Ich habe kein mulmiges Gefühl, aber viel Respekt vor dem Job und sehr viel Vorfreude.

Ein Gespräch mit Eurosport-Kommentator Rolf Kalb über die Snooker-WM im englischen Sheffield
Die Snooker-Stimme: Rolf Kalb.

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16.04.2011, 12:00 Uhr
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