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Ein Filmteam in der eigenen Wohnung
Sabine Berger moderiert in der schicken Privatwohnung einen Werbespot für Grillschalen. Foto: Nadja Otterbach
Drehorte

Ein Filmteam in der eigenen Wohnung

Von der Luxus-Villa bis zum WG-Zimmer: Locationscouts vermitteln außergewöhnliche, aber auch unscheinbare Räume für Aufnahmen.

14.04.2018
  • NADJA OTTERBACH

Stuttgart. Eine Loft-Wohnung mitten in Stuttgart. 200 Quadratmeter, riesige Fensterfronten, die den Blick freigeben auf die Dachterrasse. Die Familie, die hier lebt, ist ausgeflogen. Eine junge Frau hantiert in der Küche am Herd – sie brät ein Steak nach dem anderen. Den Küchenblock dekoriert sie mit farbenfrohem Gemüse und dem fertiggebrutzelten Fleisch. Die Köchin kennt die Familie nicht, in deren Wohnung sie gerade arbeitet. Sie gehört zum Produktionsteam von Vertigo Media, das aus Ludwigsburg angerückt ist, um einen Werbespot zu drehen. Drei Kameras werden vor der weißen Küchentheke platziert, Scheinwerfer aufgebaut. Firmenchef Daniel Bargostavan setzt sich mit seinem Laptop an den Esstisch. Das gesamte Team geht in Socken – ein Wunsch des Wohnungseigentümers. Dreharbeiten in privaten Räumen – für die Produzenten ist das Alltag. Jedes Jahr entstehen so viele tausend Fernsehserien, Spiel- und Werbefilme.

In dem Loft in Stuttgart gehen Kameraleute seit fünf Jahren regelmäßig ein und aus. Die Designer-Wohnung von Raimund H., Geschäftsführer eines Stuttgarter Unternehmens, wurde durch Zufall entdeckt. Nachdem er Möbel gekauft hatte, buchte der Hersteller die Räume seines Kunden für ein Produktshooting. Seitdem ist das Domizil gefragt als Film- und Fotokulisse. Werbesendungen sind auf dem Sofa und in der Küche entstanden. Höhepunkt war ein Krimidreh im Bad, mit einer Leiche und viel Kunstblut. „Das war spannend“, erzählt der 50-Jährige. „Es wurde zwei Tage lang nonstop gedreht, die Wohnung war am Ende fünf Minuten zu sehen.“

Mittlerweile steht Moderatorin Sabine Berger hinter dem Herd und präsentiert Grillschalen. Später werden sich zwei Schauspielerinnen als Testkundinnen zu ihr gesellen und die Produkte in den höchsten Tönen loben. Das Team wird bis zum Abend drehen. Und dem Wohnungseigentümer dafür ein Tageshonorar bezahlen, das einer durchschnittlichen Monatsmiete entspricht. Zwischen 500 und 2000 Euro am Tag kostet Produzent Bargostavan in der Regel eine Location.

Der Filmschaffende hat die Erfahrung gemacht, dass gute Schauplätze rar sind in und um Stuttgart. „Hier gibt es kaum Leerstände oder Zwischennutzung von Objekten“, sagt er. Nicht immer sei Luxus gefragt, sagt der 42-Jährige. Auch die Studenten-WG oder das 50er-Jahre-Apartment seien für Aufnahmen interessant.

Auf Internet-Portalen wie www.location-bw.de können Wohnungs- oder Hausbesitzer ihre Immobilien anbieten. Mehr als 600 potenzielle Drehorte im Ländle sind aktuell gelistet, die Hälfte davon in Stuttgart. Das Angebot reicht vom modernen Büro über Firmenräume eines Bestatters bis zur 70er-Jahre-Villa in Botnang. Auch der Zwei-Zimmer-Altbau im Westen mit 54 Quadratmetern ist zu finden. Ob er Chancen auf eine Hauptrolle in einem Werbespot hat? Rabea Luippold sagt: ja. Sie arbeitet als Locationscout bei der Stuttgarter Agentur Platzverweis und stellt die Kontakte her. Rund 4000 Locations in Europa hat sie in der Kartei, 2000 in und um Stuttgart. Nicht alle sind privat genutzte Wohnräume, sagt Luippold, öffentliche Plätze und Straßen sind ebenfalls gelistet. Auch sie hat die Erfahrung gemacht, dass nicht nur glamouröse Objekte gebucht werden, sondern auch typische Familien-Wohnungen. Im Fernsehen solle schließlich alles so echt wie möglich wirken. „Die wenigsten Zuschauer einer Werbesendung leben selbst in einer Designer-Villa.“ Als Locationscout geht Luippold mit offenen Augen durch die Stadt.

Dreht ein Filmteam länger an einem Ort, werden schon mal Sofas verrückt und Wände gestrichen. Damit müsse man leben können, sagt Luippold. Am Ende wird alles in den Originalzustand zurückversetzt. Für Raimund H. ist das kein Problem. Er freut sich auf den fertig geschnittenen Werbespot.

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14.04.2018, 06:00 Uhr
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