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Dreck für Talheim

Ein Dorf für S21 aber gegen den Aushub

Fast überall im Land hat sich mittlerweile herumgesprochen, dass Stuttgart 21 nur ein Bahnhof ist und kein Atomkraftwerk, und dass deshalb auch kein in alle Ewigkeit strahlender Atommüll anfällt, sondern lediglich ordinärer Erdaushub. Nicht nur ein bisschen, sondern richtig viel: Zahlreiche Steinbrüche werden landesweit damit verfüllt.

24.10.2014

Von ANDREAS BÖHME

In der Wirtschaft nennt man das eine Win-Win-Situation: Die offenen Wunden in der Landschaft werden geschlossen, der Stuttgarter Dreck elegant entsorgt und Geld darf man auch noch verlangen für die Deponie. Nicht nur ein bisschen, sondern richtig viel: In Horb zum Beispiel, einer Gemeinde am Rande des Schwarzwaldes, die ihren Wohlstand nicht zuletzt der Eisenbahnlinie verdankt, hat der Eigentümer eines ausgebeuteten, am Ortsrand liegenden Steinbruchs der Gemeinde fast eine Million Euro versprochen, wenn sie die Verfüllung des toten Lochs erlaubt. Mit dem Geld könnte man den Kern des Teilorts Talheim sanieren, wer dort einmal durchgefahren ist, hegt spontan reichlich Sympathie für den Plan.

Außerhalb Talheims: Nicht ein bisschen, sondern richtig viel Volkszorn hat sich aufgebaut, ein Widerstandsnest ist entstanden wie einst im Stuttgarter Talkessel, ebenfalls nicht frei von lokalen Egoismen. Die Vorteile von S 21 hätte man gerne mitgenommen, bei der Volksabstimmung votierten die Talheimer noch mehrheitlich für das Projekt. Jetzt aber fürchten sie Staub und Lärm und Laster. Rentner halten wieder Transparente in die Kameras, kleine Kinder müssen mit Anti-Aushub-Plakaten posieren.

Der Riss geht, wie einst in der Landeshauptstadt, wieder quer durchs ganze Dorf, im Ortschaftsrat endete die letzte Abstimmung mit einem Patt. Der Gemeinderat indes hat die leere Stadtkasse im Blick und mag dem Bürgerwillen nicht so recht folgen. Jetzt hat das Gremium das erwartete endgültige Votum vorsichtshalber vertagt - zum Ärger einer Bürgerinitiative, die natürlich "Talheim 21" heißt. Sie hat es sogar schon ins Fernsehen geschafft, zumindest ein bisschen: ins Dritte.

Foto: Fotolia/Andrey Kuzmin

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Erstellt:
24. Oktober 2014, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
24. Oktober 2014, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 24. Oktober 2014, 12:00 Uhr

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