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Auch die Choreografie stimmt

Ein Debüt mit und ohne Taktstock: Dan Ettinger, der neue Chefdirigent der Stuttgarter

Sehr theatralisch: Dan Ettinger, der neue Chefdirigent der Stuttgarter Philharmoniker, gab seinen Einstand in der Liederhalle mit Gustav Mahlers 5. Sinfonie.

08.10.2015

Von JÜK

Stuttgart "Bitte nicht persönlich nehmen, aber das erste Stück dirigiere ich ohne Taktstock." Also mit den Symbolen ist das so eine Sache. Stuttgarts Oberbürgermeister Fritz Kuhn hatte feierlich, aber mit verdienstvoll wenigen Worten seinem neuen Generalmusikdirektor einen Dirigentenstab überreicht - aber Dan Ettinger formte dann Mozarts G-Dur-Violinkonzert lieber mit den Händen. Kann passieren, aber theatralischen Gesten ist der 44-jährige Ettinger ansonsten nicht abgeneigt.

Ja, Stuttgart hat gleich zwei Generalmusikdirektoren: Sylvain Cambreling leitet mit diesem Titel das Staatsorchester der Oper, Dan Ettinger jetzt die Stuttgarter Philharmoniker, das Orchester der Landeshauptstadt mit einem Budget von 8,5 Millionen Euro und 2600 Abonnenten, das auch in der Provinz auftritt, von Schwäbisch Hall bis Heidenheim. Der Israeli Ettinger mit seinen weißen, stylisch gewuschelten Haaren und einem einnehmenden Was-kostet-die-Welt?-Lächeln, als wäre er dem jungen Daniel Barenboim aus dem Gesicht geschnitten - Ettinger jedenfalls gehört zu den Jetset-Stars seiner Generation.

Er gastiert an den Opernhäusern in München, Wien oder New York und auch bei den Salzburger Festspielen, sieht aber offenbar seine künstlerische Heimat in Baden-Württemberg: seit 2009 als Generalmusikdirektor des Nationaltheaters Mannheim und nun zusätzlich in Stuttgart. Ziemlich stolz zeigt sich deshalb Michael Stille, der Intendant der Philharmoniker, über diesen Verpflichtungscoup.

Ettinger ist in seiner ersten Saison äußerst präsent: jede Menge populäre Klassik; und "meine Musik" heißt eine Reihe, in der er unter anderem eine konzertante "Turandot" und einen sinfonischen Wagner-"Ring" an einem Abend dirigiert. Für den Einstand in der voll besetzten Liederhalle wählte er die wuchtige 5. Sinfonie Gustav Mahlers und dehnte romantisch auskostend das berühmte "Adagietto", diesen Streicher- und Harfengesang, den Visconti für seinen Film "Tod in Venedig" verwendet hatte.

Da war dann auch der Taktstock im Einsatz. Aber noch einmal zurück zu Mozarts Violinkonzert, denn da hüpfte und tanzte ein Solist auf der Bühne herum, gegen dessen Gehabe David Garrett als verklemmter Chorknabe daherkommt. Der Serbe Nemanja Radulovic trat als Paganini-Wiedergänger auf, als Teufelsgeiger, direkt entstiegen einem Hollywood-Kostümfilm. Ähnlich spielt Radulovic auch Mozart: manieriert bis verkitscht, das Adagio zur Schmonzette ausbremsend, jede Kadenz eine Zirkusnummer. Da passte die wilde Zugabe besser: "Danse russe" aus Tschaikowskys "Schwanensee".

Die Choreografie ist auch Ettinger wichtig, er gibt den Zampano: Das klingt dann weniger magisch als wirkungsvoll, aber Mahlers "Fünfte" zelebrierte er packend emotional: so innig wie knallig. Und die Stuttgarter Philharmoniker (Extralob für den Solo-Trompeter, die Hörner kriselten gelegentlich) zeigten sich höchst engagiert. Sie gaben nun wirklich alles für den neuen Chef. Riesenjubel.

Äußerst präsent: Dirigent Dan Ettinger in Stuttgart. Foto: Thomas Niedermüller

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Erstellt:
8. Oktober 2015, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
8. Oktober 2015, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 8. Oktober 2015, 12:00 Uhr

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