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Hochwasserschutz in Lustnau

Ein Damm quer durchs Tal

22 Jahre nach dem letzten großen Hochwasser in Lustnau rückt der versprochene Schutzdamm für die Flutopfer jetzt in greifbare Nähe: Gestern hat das Land 860 000 Euro für das rund drei Millionen teure Projekt bewilligt. Im Frühjahr 2010 sollen die Bagger anrücken.

06.08.2009

Von Sepp Wais

Tübingen. Mittlerweile warten die Lustnauer schon über ein halbes Jahrhundert vergebens auf einen wirksamen Hochwasserschutz. Seit 1955 wiederholte sich das immer gleiche Spiel: Jedes Mal, wenn der Goldersbach zuschlug, wurden eifrig mehr oder minder riesige Staudämme und Rückhaltebecken vor und hinter Bebenhausen geplant, aber so bald die Erinnerung an die Flut im Lauf der Zeit wieder verblasste, hatte man im Rathaus Wichtigeres zu tun.

Auch nach der letzten Flut im Juli 1987, bei dem der Goldersbach einen Schaden von rund acht Millionen Euro anrichtete, mussten die Lustnauer mitansehen, wie ihr Großprojekt trotz gegenteiliger Schwüre im Rathaus immer wieder auf die lange Bank geschoben wurde. Doch nun soll es endlich klappen: Nachdem das Landratsamt die städtische Planung im Januar genehmigt hat, ist jetzt – mit dem bewilligten Landesbeitrag – sehr zur Freude von OB Boris Palmer auch die Finanzierung gesichert.

Das jüngste Schutzkonzept basiert auf drei Säulen: Ein automatisches Vorwarnsystem soll im Notfall frühzeitig Alarm schlagen, drei mit Dämmen abgeschottete Überflutungszonen im Bebenhäuser Tal sollen dem Goldersbach bei Blähungen mehr Auslauf gewähren und schließlich sollen die betroffenen Anwohner selber mehr tun, um ihr Hab und Gut bestmöglich gegen die Flut abzuschotten.

Das Vorwarnsystem wurde bereits vor sechs Jahren installiert und hat seither bei mehreren Wolkenbrüchen zuverlässig funktioniert. Mit Hilfe dieses Systems sollen die Lustnauer künftig eine Vorlaufzeit von fünf bis sechs Stunden bekommen, um sich auf die drohende Flut einzustellen. Das ist aber nur zu schaffen, wenn der überschäumende Bach schon vor dem Lustnauer Siedlungsgebiet ausgebremst wird.

Ein erstes Überlaufventil ist unterhalb der „Steinernen Bruck“ im Gewann Sauwasen geplant. Dort werden mit kleinen Leitdämmen quer zum Tal zwei „Retentionsräume“ geschaffen, die bis zu 5000 Kubikmeter Wasser zurückhalten können. Sehr viel größer ist ein zweiter Überflutungsbereich, der vom Lustnauer Ortseingang einen Kilometer talaufwärts reicht und eine Fläche von etwa 15 Hektar umfasst.

Eingedämmt wird dieser Retentionsraum mit einem drei Meter hohen Erdwall, der das Goldersbachtal unmittelbar vor dem Klosterhof auf voller Breite (rund 180 Meter) abriegelt und sich dann am westlichen Bachufer etwa 500 Meter weit das Tal hochzieht. Dort, wo die Bebenhäuser Straße den Damm durchbricht, wird ein stählernes Schiebetor angebracht, das die Feuerwehr im Ernstfall schließt. Mit einem Fassungsvermögen von 135 000 Kubikmetern ist das Becken groß genug, um eine plötzliche Sintflut wie im Juli 1987 komplett aufzunehmen.

Die städtischen Tiefbauer, so versicherte uns gestern Heike Weiser, die für die Wasserwirtschaft zuständige Abteilungsleiterin, gehen zuversichtlich davon aus, dass die Bauarbeiten gleich nach der Winterpause beginnen können. Die dafür nötigen Grundstücke werden vom Liegenschaftsamt derzeit aufgekauft. Zudem müssen vor der Ausschreibung der Bauaufträge in nächster Zeit noch einige technische Details – etwa zur optimalen Oberflächengestaltung des Dammes – geklärt werden.

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Erstellt:
6. August 2009, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
6. August 2009, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 6. August 2009, 12:00 Uhr

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