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Festspiele

Ein Bräutigam in Zeit und Raum

Zum Auftakt bietet Bayreuth auch eine Uraufführung: Klaus Langs „Der verschwundene Hochzeiter“.

26.07.2018
  • JÜRGEN KANOLD

Bayreuth. Eine Oper in Bayreuth, die nur 90 Minuten dauert? Mit einem Countertenor? Nach einer österreichischen Sage aus dem Gölsental? Doch, und es war sogar eine Uraufführung der Festspiele, die erste seit dem „Parsifal“ 1882! Allerdings nicht von Richard Wagner.

Dessen Ururenkelin Katharina Wagner, die aktuelle Festspielchefin, hat aber ganz richtig festgestellt, „dass man sich nicht immer mit sich selber beschäftigen soll“. So gibt es seit 2017 ein Rahmenprogramm „Diskurs Bayreuth“ mit Vorträgen und Konzerten, und jetzt hat sie auch ein Auftragswerk beim österreichischen Komponisten Klaus Lang, einem viel gefragten Avantgardisten, bestellt, das die Siemens-Musikstiftung finanzierte: „Der verschwundene Hochzeiter“.

Das kam am Dienstagabend freilich nicht auf dem Grünen Hügel heraus, der ist gewissermaßen ein Sperrbezirk für Wagner; das Festspielhaus, da sind die Bayreuther Festspiele zum Glück unverwechselbar, bleibt nur seinen Opern gewidmet. Langs Musiktheater hatte im „Reichshof“ seine bejubelte Uraufführung – klingt auch nach Wagner, ist aber ein Kino von 1925 mit Retro-Charme in der Fußgängerzone und passt gut zu einer Oper, in der sich Raum und Zeit auflösen.

In einem Sommer, in dem droben der „Lohengrin“ im Mittelpunkt steht, die romantische Oper über eine märchenhafte Gestalt, die aus dem Nichts auftaucht und über deren Herkunft ein Frageverbot verhängt ist, kann Klaus Langs Hochzeiter gut mithalten: Es ist die Geschichte eines Bräutigams, der von einem Fremden zu dessen Hochzeit eingeladen wird; aber auf seinem Weg durch die Landschaften geht ihm die Zeit verloren. Und weil er, am vermeintlichen Ziel, länger tanzt als erlaubt, sind bei seiner Rückkehr gleich mal 300 Jahre vergangen.

Ohne Dirigent

Paul Esterhazy und dem Videokünstler Friedrich Zorn gelingt mit den Zwillingen Jiri und Otto Bubenicek (einst Ballettsolisten bei John Neumeier) auf der Bühne ein atemraubend trickreiches Spiel mit den Realitäten. Und die Musik versetzt den Zuschauer in eine Art Trance. Das Ictus Ensemble mit Streichern, Bläsern und Perkussion sowie der Chor Cantando Admont und die Solisten Alexander Kiechle und Terry Wey sitzen und stehen um das Publikum herum und bauen – ohne Dirigenten – einen Klangkosmos auf: aus der Stille heraus oft lange, ziehende, meditative Töne schichtend. Wagners „unendliche Melodie“ fällt einem dabei ein. Nur dass es bei Klaus Lang ein ganz inneres, tatsächlich naturhaft verästeltes Klangbild ist. Jürgen Kanold

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26.07.2018, 06:00 Uhr
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