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Auf Sinnsuche in Kirchentellinsfurt

Ein Bankkaufmann und ein Trauerbegleiter geben Ratschläge für ein erfülltes Leben

In Zeiten von Burnout und Erschöpfung suchen immer mehr Menschen nach einem Ruhepol, einem Ausgleich gegen den Stress des Alltags. Werner Ziegler und Armin Reeck wollen auf ihre ganz eigene Weise helfen.

23.04.2013

Von Timm Schönfelder

Kirchentellinsfurt. Werner Ziegler hat ein Buch geschrieben. „Mehr als nur Sprüche“ heißt der Titel. Vor kurzem stellte er es im Seminarraum des Kirchentellinsfurter Bahnhofs vor. Mit ihm stand Armin Reeck am Podium, ein Trauerbegleiter aus Dunningen bei Rottweil.

Zur Einstimmung ertönt ein meditatives Stück von Mike Oldfield, ein Beamer wirft bunt strahlende Naturbilder an die Wand. Dann stoppt die Musik plötzlich, Ziegler tritt bedächtig ans Podium. Neben ihm steht Reeck mit gesenktem Blick und gefalteten Händen.

Ziegler ist gelernter Bankkaufmann. Vor etwa zehn Jahren begann er, sich in seiner Freizeit mit Motivations- und Coachingtechniken zu beschäftigen. Er besuchte verschiedene Fortbildungen und absolvierte ein Fernstudium. Seit 2010 coacht er freiberuflich. Reeck arbeitete zwölf Jahre lang in einem Bestattungsunternehmen, vor drei Jahren wurde er freigestellt. Nun biete er Hilfe in Lebenskrisen an, sagt Reeck. Seine Vision sei es, den Menschen die Angst vor dem Tod zu nehmen.

Burnout und Überlastung sind für Ziegler zentrale Probleme der heutigen Arbeitswelt. Das habe ihn auch motiviert, das Buch zu schreiben. Dazu hat er allerlei Sprüche und Weisheiten gesammelt und sie, thematisch geordnet, mit seinen eigenen Deutungen versehen. Man müsse „ganzheitlich vorbeugen“, betont Ziegler. Er mahnt zu mehr Ruhe und Gelassenheit.

„Der liebe Gott ist mein bester Freund“, bekennt Reeck. In seinem Glauben findet er Halt. Er spricht langsam und schwermütig. Dann holt er sein Baritonsaxophon hervor und spielt „Aber dich gibt?s nur einmal für mich“. Einige Zuhörer schließen die Augen und summen leise mit.

Ziegler hat eine Präsentation mit Sprüchen aus seinem Buch vorbereitet. Er rät zu reichlich Bewegung, gutem Essen und einer positiven Denkweise. In einem gesunden Körper wohne schließlich ein gesunder Geist.

„Sag ja zum Leben!“, ruft Reeck. „Schließe Frieden mit dir selbst!“ Er spielt „He?s the world“ von Michael Jackson. Nach einer kurzen Verschnaufpause folgt ein Exkurs zu Dietrich Bonhoeffer. Reeck stimmt „Von guten Mächten wunderbar geborgen“ an. Einige Zuhörer singen etwas schüchtern mit.

„Halten Sie sich mental fit, bleiben Sie neugierig“, empfiehlt Ziegler. Reeck spielt „My Way“. „Mal wieder einen Gottesdienst besuchen“, rät Ziegler. Oder meditieren, um zur Ruhe zu kommen. Autogenes Training machen. „Meditation ist die Antwort vom lieben Gott“, fasst Reeck zusammen. Zum Abschluss sollen deshalb alle Teilnehmer die Augen schließen, sich von allem loslösen. Ein Zug fährt vorbei. „Den Kopf leer kriegen“, sagt Reeck.

Langsam verlassen die Zuhörer den Seminarraum. Aus der Anlage erklingt ein Livemitschnitt von Reecks Blasmusikverein. Eine Handvoll Interessierter bleibt zurück, um sich mit den beiden Rednern zu unterhalten. Eigens aus Frankfurt am Main sei er angereist, gesteht ein Mann mittleren Alters. „Wir müssen erkennen, wer wir sind, nicht wer wir sein wollen“, fährt er fort. Ein junges Pärchen hingegen beschließt, nun einfach mehr ans sich selbst zu denken.

Wenn sich Reeck mit jemandem unterhält, rückt er umso näher mit seinem Gesicht heran, je dichter er seinen Gedanken spinnt. Eisern hält er Augenkontakt. „Auch wenn es schwierig ist, musst du immer an das Gute denken“, sagt er.

Werner Ziegler (links) und Armin Reeck wollen Zuversicht spenden. Bild: Schönfelder

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Erstellt:
23. April 2013, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
23. April 2013, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 23. April 2013, 12:00 Uhr

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