Geburtstagsfeier mit Tü-Bus-Pulling

Ehrenrunden im Retro-Omnibus um die Tübinger Innenstadt

Vor 90 Jahren rollten die ersten Stadtbusse durch Tübingen. Das Jubelfest am Samstag beim Busbahnhof kam sehr gut an.

16.07.2017

Von Dorothee Hermann

Tü-Bus-Pulling beim Stadtverkehr-Geburtstag
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Tü-Bus-Pulling beim Stadtverkehr-Geburtstag auf dem Europaplatz

© Video: Sophie Glaser 01:52 min

Es gab Mini-Stadtbusse zum Falten, ein Glücksrad voller Gewinne und nachmittags sogar eine Stunde lang Gratis-Eis: Die Gastgeber vom Tübinger Stadtverkehr meinten es am Samstag gut mit ihren Gästen auf dem Europaplatz. Sehr begehrt waren die Gratis-Fahrten mit dem restaurierten Bus des Typs Mercedes-Benz O305 der Baureihe 1967, der für das Tü-Bus-Jubelfest technisch überholt und in den Farben von einst (Creme und Rot) lackiert worden war.

Von 11 bis 17 Uhr startete das Nostalgie-Gefährt alle 20 Minuten zur Rundfahrt um den Innenstadtring, entlang am Botanischen Garten – und es schien immer voll besetzt. Bei der Zwölf-Uhr-Fahrt war die Tübingerin Kathrin Boehme mit an Bord. Die 77-Jährige fährt nicht nur zum Vergnügen, sondern auch im Alltag gern mit dem Bus, und zwar das ganze Jahr über. „Ich brauche das Auto fast gar nicht“, sagte sie, während der Oldtimer elegant das Trautweineck umkurvte. Boehme hat ihr Monatsticket im Abonnement. Mit dem Bus bleibt die 77-Jährige flexibel. „Man kann einsteigen, wo man möchte.“ Für die Strecke vom Nonnenhaus bis zur Neckarbrücke nimmt sie gerne den Bus, weil sie die Mühlstraße nicht mag. Allerdings wäre sie froh, wenn die Linie 6 vor ihrer Haustür auch am Wochenende verfügbar wäre.

In dem Oldtimer spielte das Trio „Acoustic Pieces – das Mädchen mit dem Kontrabass“ auf, weshalb man vom Retro-Motorengeräusch leider kaum etwas hörte. Originalgetreu war das mahnende Schild: „Höfliche Jugendliche bieten ihren Sitzplatz Erwachsenen an“. Passanten auf der Neckarbrücke und auch sonst an der Strecke schmunzelten, als sie den Retro-Bus erblickten. Etliche zückten ihr Smartphone, um das einladend wirkende Gefährt abzulichten.

Oberbürgermeister Boris Palmer rühmte „die Riesenerfolgsgeschichte“ des Tübinger Stadtverkehrs: Anfangs waren es 800 000 Fahrgäste pro Jahr. Mittlerweile nutzen mehr als 20 Millionen Menschen die Stadtbuslinien. „Richtig los ging es mit dem Umweltticket und dem Einstieg der Stadt“, sagte Palmer. Aktuell steuere die Stadt jährlich mehr als vier Millionen Euro bei.

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Kraftakt-Spektakel mit Elfeinhalbtonner: Exklusiv zum Tübinger Stadtbus-Fest am Samstag auf dem Europaplatz traten zwölf Mannschaften zum „Tü-Bus-Pulling“ an. Bild: Faden
Kraftakt-Spektakel mit Elfeinhalbtonner: Exklusiv zum Tübinger Stadtbus-Fest am Samstag auf dem Europaplatz traten zwölf Mannschaften zum „Tü-Bus-Pulling“ an. Bild: Faden
Kraftakt-Spektakel mit Elfeinhalbtonner: Exklusiv zum Tübinger Stadtbus-Fest am Samstag auf dem Europaplatz traten zwölf Mannschaften zum „Tü-Bus-Pulling“ an. Bild: Faden
Kraftakt-Spektakel mit Elfeinhalbtonner: Exklusiv zum Tübinger Stadtbus-Fest am Samstag auf dem Europaplatz traten zwölf Mannschaften zum „Tü-Bus-Pulling“ an. Bild: Faden
Kraftakt-Spektakel mit Elfeinhalbtonner: Exklusiv zum Tübinger Stadtbus-Fest am Samstag auf dem Europaplatz traten zwölf Mannschaften zum „Tü-Bus-Pulling“ an. Bild: Faden
Den Sound zum Tü-Bus-Jubelfest lieferten die Brass Band  Louisiana Funky Butts (Bild), das Trio Acoustic Pieces, Peter Weiß (Akkordeon) in einigen Tü-Bus-Linien und die Gruppe Swing Zeit Tübingen. Bild: Faden
Den Sound zum Tü-Bus-Jubelfest lieferten die Brass Band Louisiana Funky Butts, das Trio Acoustic Pieces, Peter Weiß (Akkordeon) in einigen Tü-Bus-Linien und die Gruppe Swing Zeit Tübingen (im Bild). Bild: Faden
Den Sound zum Tü-Bus-Jubelfest lieferten die Brass Band Louisiana Funky Butts, das Trio Acoustic Pieces, Peter Weiß (Akkordeon) in einigen Tü-Bus-Linien und die Gruppe Swing Zeit Tübingen (im Bild). Bild: Faden
Die Fahrt mit dem historischen Omnibus in den damaligen Tü-Bus-Farben Creme und Rot vom Busbahnhof auf dem Europaplatz rund um den Alten Botanischen Garten und zurück ließ sich am Samstag kaum einer der Jubiläums-Festgäste entgehen. Hinterm Steuer bei der Zwölf-Uhr-Fahrt saß Stefanos Laoumtzis, unter der Woche nicht etwa Busfahrer, sondern Leiter des Fahrbetriebs beim Tübinger Stadtverkehr. Bild: Faden
Tübinger Stadtbus-Fest auf dem Europaplatz. Bild: Faden
Tübinger Stadtbus-Fest auf dem Europaplatz. Bild: Faden

Tübingen wachse derzeit um tausend Einwohner pro Jahr, so der Oberbürgermeister. „Wenn nicht alle im Stau stehen wollen, braucht der Tü-Bus mehr Fahrgäste.“ Er dankte den Busunternehmern, „unseren Partnern“, und den Busfahrern. Auch Ortwin Wiebecke, Geschäftsführer der Stadtwerke Tübingen, dankte allen, die die Tübinger Stadtbusse am Laufen halten – am Steuer, in den Werkstätten oder bei der Fahrplanung. „Die Busse prägen das Stadtbild an vielen Stellen“, so Wiebecke.

Alles begann vor 90 Jahren mit einer ersten Linienstrecke von Derendingen über Tübingen nach Lustnau. 2015 verkehrten bereits 67 Busse auf 38 Linien. Das Streckennetz deckte 340 Kilometer mit 380 Haltestellen ab.

Für die Zukunft kann Wiebecke sich auch E-Busse vorstellen. „Aber sie müssen in der Lage sein, auch die Tübinger Steigungen hochzukommen“, meinte er auf eine Frage von Fest-Moderator Christian Filip vom Reutlinger Radio Neckaralb Live. „Da müssen wir uns Schritt für Schritt vorantasten.“

Ein ganz besonderes Festspektakel war das Bus-Pulling. Dabei starteten ab 13 Uhr insgesamt zwölf Mannschaften mit jeweils fünf Teilnehmern. Jeweils zwei Teams traten gegeneinander an und versuchten, einen Tü-Bus an einem dicken Tau über eine 20-Meter-Strecke zu ziehen. Das schnellere Team siegte. Im Einsatz waren Midibusse, wie sie auf den Altstadtlinien 9, 11 und 12 verkehren. „Normale Linienbusse sind etwas länger“, erläuterte der Moderator. Oberbürgermeister Palmer wollte sich das Bus-Pulling lieber nicht persönlich zumuten: „Das traue ich meinen Bandscheiben nicht mehr zu.“

Am Ende gab es drei gleichwertige Sieger, die jeweils 500 Euro erhielten: die Pull-Terrier von den städtischen Verkehrsbetrieben, die Mannschaft der hauptamtlichen Feuerwehr Tübingen und das
i-Team von der IT der Stadtverwaltung. Die Pull-Terrier spendeten ihr Preisgeld sofort an das Ronald-McDonald-Haus, das den Familien kleiner Patienten der hiesigen Unikliniken ein Zuhause auf Zeit bietet.

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Erstellt:
16. Juli 2017, 22:00 Uhr
Aktualisiert:
16. Juli 2017, 22:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 16. Juli 2017, 22:00 Uhr

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