Freispruch im Prozess um tote Joggerin

Ehemann kann Entschädigung erwarten

Der Prozess um den Mord an der Pfullendorfer Joggerin endete gestern erwartungsgemäß mit einem Freispruch für den angeklagten Ehemann.

28.03.2013

Von RAIMUND WEIBLE

Hechingen Ein Bild von Seltenheitswert: Nach der Urteilsverkündung ging Gerd B. von der Anklagebank hinüber zu Staatsanwältin Nicole Luther und gab ihr die Hand. Auch ein Ausdruck der Erleichterung des Mannes, den das Landgericht Hechingen eben, auch auf Antrag Luthers, vom Vorwurf des Mordes an seiner Ehefrau freigesprochen hatte. Das Urteil wurde noch im Gerichtssaal rechtskräftig.

Schon am fünften von elf vorgesehenen Sitzungstagen beendete die Schwurgerichtskammer damit abrupt den Prozess in einem Fall, der in Oberschwaben großes Aufsehen erregt hatte. Dem 68-jährigen Gerd B. war zur Last gelegt worden, am 15. Juli 2012 seiner vier Jahre jüngere Ehefrau bei ihrer Joggingrunde im Freizeitpark von Pfullendorf (Kreis Sigmaringen) aufgelauert und sie getötet zu haben. Obwohl es für die Tat keine Zeugen gibt und auch die Tatwerkzeuge unauffindbar waren, geriet der Mann damals rasch ins Visier der Ermittler - auch weil er kein Alibi vorweisen konnte.

Doch in der Hauptverhandlung verstärkten sich die bereits zuvor angemeldeten Zweifel an den Indizien und an den Aussagen des Bruders der Toten, der den Schwager schwer belastete. So stellte sich heraus, dass Fasern vom Radhemd des Ehemanns an den Sportsocken der Getöteten kein Beweis für die Täterschaft waren. Die Ermittler waren davon ausgegangen, dass der Ehemann seine tote Frau an den Füßen an den späteren Fundort der Leiche geschleift und sich dabei die Fasern von seinem Hemd an die Socken angetragen habe. Die Fasern konnte sich Lilly B. allerdings auch schon zuhause "aufgesammelt" haben, als sie in Strümpfen durch die Wohnung ging. Die Tatrekonstruktion selbst fiel in sich zusammen, weil sich keine Spuren für den Transport der Getöteten nachweisen ließen.

Der Vorsitzende Richter Herbert Anderer lobte ausdrücklich den gerichtsmedizinischen Sachverständigen Heinz Wehner aus Tübingen: "Er hat uns ganz entscheidend geholfen." Wehner schloss aus, dass Lilly B. mit einem Hammer niedergeschlagen wurde, auch stellte er Abwehrverletzungen fest, die zuvor nicht erkannt worden waren.

Die Kosten des Verfahrens übernimmt die Staatskasse. Gerd B. erhält für die sechs Monate, die er in Untersuchungshaft saß, eine Entschädigung.

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Erstellt:
28. März 2013, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
28. März 2013, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 28. März 2013, 12:00 Uhr

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