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Von wegen Sonntagsfahrer

Ehemaliger Formel-1-Pilot hat es beim Solitude-Revival auch mit 85 noch eilig

Von wegen Sonntagsfahrer: Der ehemalige Formel-1-Pilot Hans Herrmann ist beim Solitude-Revival auch mit 85 Jahren noch mit am Schnellsten unterwegs. Er fährt seinen Porsche aus alten Zeiten.

22.07.2013
  • SEBASTIAN STEEGMÜLLER

Stuttgart Hakelige Gänge, eine schwerfällige Lenkung und Zwischengas beim Runterschalten. Mit einem heutigen Fahrzeug sei der Porsche 718 RS Spyder von 1960 nicht mehr zu vergleichen, sagte Hans Herrmann, als er anlässlich des 110. Geburtstages der Solitude-Rennstrecke am Wochenende neben mir in dem Vierzylinder am Steuer Platz nimmt. "Und dennoch ist er für mich noch immer ein besonderer Wagen. Mit ihm habe ich 1960 das Zwölf-Stunden-Rennen von Sebring gewonnen."

Als er den Motor startet und im Schritttempo in Richtung Startaufstellung rollt, habe ich noch keine Ahnung, was mir kurz später bevorsteht. "Ich will endlich los", sagt ein leicht genervter Herrmann. Ein erstes Indiz dafür, dass es der ehemalige Formel-1-Rennfahrer auch beim Solitude-Revival noch immer eilig hat. Und wie eilig. Sobald die Ampel von Rot auf Grün springt, ist der 85-Jährige in seinem Element. Schon in der dritten Kurve nach Start und Ziel, der Hedersbach-Kurve, hadert er in der Bergauf-Passage mit sich selbst.

"Der Motor läuft unter 4000 Umdrehungen nicht richtig", kommentiert er das leichte Stottern des 160 PS starken Aggregats. "Das hätte mir im Rennen nicht passieren dürfen." Der Fehler ist jedoch schnell vergessen, mit jedem zurückgelegten Meter gewöhnt sich Herrmann mehr und mehr an sein altes Siegerauto, fliegt förmlich über die Strecke und überholt einen Oldtimer nach dem anderen. Links liegen lässt er dabei auch sein Tachometer. "Die Geschwindigkeit ist nicht so wichtig, das hat man im Gespür. Ich habe nur den Drehzahlmesser, den Öldruck und die Öltemperatur im Auge."

Mit bis zu 170 Kilometern pro Stunde geht es über den ehemaligen Solitude-Ring. Angst kommt jedoch nicht auf. Zu sicher wirkt Herrmann, der schon als Kind Rennfahrer werden wollte, am Steuer. "Wir sind noch weit weg, vom Grenzbereich", beruhigt mich Herrmann trotzdem. "Früher sind wir hier auf den Geraden mit Tempo 250 durchgedonnert, haben viel aggressiver und später vor den Kurven gebremst."

Vor allem im Mahdental kehren alte Erinnerungen zurück. "Die Kurven vor der Zielgeraden sind sehr schwierig und sehen alle gleich aus", sagt der gebürtige Stuttgarter. Unter anderem habe er sich hier mit Wolfgang Graf Berghe von Trips heiße Duelle geliefert. 1960 hatte er die Chance vor dem Ferrari-Piloten die schwarz-weiß karierte Flagge zu sehen. "Dazu hätte ich ihm jedoch mit einem Spurwechsel gezielt die Tür zu machen müssen und einen Unfall riskiert." Heute gang und gäbe, damals jedoch nicht. "Wir hatten Respekt voreinander. Ich habe ihn passieren lassen und bin mit wenigen Sekunden Abstand Zweiter geworden." Autos hatten keine Knautschzonen, gingen schnell in Flammen auf. Unfälle verliefen häufig tödlich. "Es war lebensgefährlich." Trips verunglückte nur ein Jahr später in Monza und war damit einer von vielen Spitzenfahrern, die damals verstarben. "Hans im Glück", so Herrmanns Spitzname nach einem Crash in Monaco, den er mit Knochenbrüchen und gestauchten Wirbeln überlebte, hat wohl einen Schutzengel. Ganz spurlos ist der Rennsport dennoch nicht an ihm vorbeigegangen. "Durch den Motorenlärm höre ich schlecht, außerdem habe ich als Folge des Unfalls vor fünf Jahren eine neue Hüfte benötigt." Die Zeit will er dennoch nicht missen, ebenso die historischen Rennen. "Sie halten mich jung", sagt der 85-Jährige, der noch immer einen Automobilzulieferer führt. "Zudem gehe ich abends früh schlafen und schwimme jeden Morgen meine Bahnen. So werde ich schon nicht zum Sonntagsfahrer", sagt Herrmann lachend.

Ehemaliger Formel-1-Pilot hat es beim Solitude-Revival auch mit 85 noch eilig
Einhändig alles im Griff: Hans Herrmann winkt auf der Start- und Zielgerade den Zuschauern zu. Foto: Steegmüller

Ehemaliger Formel-1-Pilot hat es beim Solitude-Revival auch mit 85 noch eilig
Hans Herrmann am Steuer eines Porsche 718 RS Spyder. Mit dem Cabriolet gewann er 1960 das Zwölf-Stunden-Rennen von Sebring. Foto: Rehmet

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22.07.2013, 12:00 Uhr
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