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WM-Skandal

Ehemaliger Fifa-Direktor vermutet Racheakt Zwanzigers an Niersbach

Guido Tognioni, einst Spitzenkraft im Fußball-Weltverband, geht davon aus, dass die massiven Korruptionsvorwürfe gegen den DFB rund um die WM 2006 durch gezielte Indiskretion gesteuert worden sind.

19.10.2015
  • ARMIN GRASMUCK

Ulm Die Nachricht, dass Deutschland den Zuschlag für die Fußball-Weltmeisterschaft des Jahres 2006 höchstwahrscheinlich unter Mithilfe unlauterer und unmoralischer Handelsweisen erhielt, hat den Fußball in der Bundesrepublik, aber auch viele Bereiche auf sport- und gesellschaftspolitischer Ebene erschüttert. In dem seit Wochen und Monate anhaltenden Kampf um den Sport, Macht und Geld, der vielen verdächtigen und bereits überführten Spitzenfunktionären des Fußball-Weltverbands Fifa, bereits das Amt gekostet hat, spielt plötzlich der Deutsche Fußball-Bund die unrühmliche Hauptrolle.

Franz Beckenbauer, Chef des Bewerbungs- und Organisationskomitees der WM 2006, und sein langjähriger Mitstreiter Wolfgang Niersbach, der Präsident des DFB, sind nach den Enthüllungen des Nachrichtenmagazins "Spiegel" in das Visier der Öffentlichkeit geraten. In der Zeit, als der DFB als WM-Bewerber um die Gunst der abstimmungsberechtigten Mitglieder des Fifa-Exekutivkomitees kämpfte, sollen sie eine mit 10,3 Millionen Schweizer Franken (rund 6,7 Millionen Euro) gefüllte schwarze Kasse unterhalten haben, die in keinem Haushaltsbuch geführt wurde. Die Herkunft und der Einsatz des Geldes, mit dem die WM gekauft worden sein soll, wurde demnach gezielt vertuscht und verschleiert.

Neuen Sprengstoff hat Guido Tognioni, langjähriger Mediendirektor der Fifa, geliefert, der eine gezielte Indiskretion aus den eigenen Reihen hinter den massiven Korruptionsvorwürfen wittert. Im ZDF-Sportstudio vermutete der Intimkenner des Weltverbands, es laufe in diesem Zusammenhang eine Kampagne gegen Niersbach. Tognioni meinte, die Vorwürfe des "Spiegel" seien durch eine "undichte Stelle" an die Öffentlichkeit gedrungen. "In der Fifa und der Uefa halten die Seilschaften nicht mehr", sagte Tognioni. "Jetzt ist die Zeit gekommen, da von einem zum anderen Rache genommen wird." Bei den Vorwürfen rund um die WM 2006 habe der ehemalige DFB-Präsident Theo Zwanziger die Finger im Spiel gehabt, so mutmaßte Tognoni: "Die undichte Stelle ist möglicherweise, mit allen Vorbehalten, Theo Zwanziger." Niersbach, aktueller Präsident des deutschen Verbands, lebt - wie auch Beckenbauer - in einer öffentlich gepflegten Abneigung zu Zwanziger, der spätestens seit dem Jahr 2003 als für die Finanzen zuständiges Mitglied ebenfalls im Organisationskomitee der WM 2006 beschäftigt war.

Niersbach hat den Stimmenkauf kategorisch ausgeschlossen: "Das kann ich allen Fußball-Fans versichern", sagte der DFB-Präsident in einem Interview auf der verbandseigenem Internet-Seite. Auch Beckenbauer versuchte, die Vorwürfe zu entkräften. "Ich habe niemandem Geld zukommen lassen, um Stimmen für die Vergabe der Fußballweltmeisterschaft 2006 nach Deutschland zu akquirieren", so ließ Beckenbauer gestern über sein Management verbreiten. "Und ich bin sicher, dass dies auch kein anderes Mitglied des Bewerbungskomitees getan hat."

Gleichlautend äußerte sich der frühere Bundesinnenminister Otto Schily. In der Bild am Sonntag erklärte Schily, er habe als Mitglied des Organisationskomitees "zu keinem Zeitpunkt Informationen erhalten, die den Verdacht 'schwarzer Kassen' begründen". Niersbach kündigte im Namen des DFB an, die Vorwürfe schnellstmöglich und umfänglich aufklären zu wollen.

Ehemaliger Fifa-Direktor vermutet Racheakt Zwanzigers an Niersbach
Rivalen über Jahre: DFB-Präsident Wolfgang Niersbach (rechts) und sein Vorgänger, Theo Zwanziger. Foto: Ulmer

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19.10.2015, 12:00 Uhr
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