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Erst Verlust, dann Chance

Ehemaliger Bundeswehrstandort Külsheim wird begehrter Gewerbepark

Was erst eine Horrornachricht war, entpuppte sich für die Stadt Külsheim als Glücksfall: Auf dem Gelände einer ehemaligen Bundeswehrkaserne entstand ein erfolgreich laufender Gewerbepark.

12.10.2010
  • MATTHIAS JEKOSCH, DAPD

Külsheim Was in den nächsten Jahren etlichen Gemeinden passieren könnte, hat die Stadt Külsheim im Main-Tauber-Kreis bereits hinter sich: Die jahrzehntelang bestehende Bundeswehrkaserne war 2007 geschlossen worden. "Das kann die Stadt nicht verkraften", dachte Bürgermeister Günther Kuhn (CDU) damals über die Entscheidung, mit der er überhaupt nicht gerechnet hatte.

Inzwischen sitzt er zufrieden in seinem Büro und sagt: "Aus heutiger Sicht kann die Stadt dem Herrgott danken." Mit der anstehenden Bundeswehrreform könnte das Interesse an erfolgreichen Konversionsprojekten wie in Külsheim steigen. Dort wurde aus dem Gelände ein Industriestandort.

"Willkommen im Gewerbepark II", steht heute auf einem Schild am Eingangstor zur einstigen Prinz-Eugen-Kaserne, wo bis zu 1500 Soldaten stationiert waren. Etwa 100 Arbeitsplätze seien hier neu geschaffen worden, sagt Hauptamtsleiter Günter Bischof, während er Bürgermeister Kuhn und die Kämmerin der Stadt, Elke Geiger-Schmitt, in seinem Wagen über das Gelände fährt. Bischof ist zusammen mit Geiger-Schmitt zugleich Geschäftsführer der Business Area Külsheim GmbH (BAK), einer hundertprozentigen Tochter der Stadt. Die BAK soll das Gelände vermarkten und verwalten.

Andere Städte in Baden-Württemberg sehen sich mit einem ähnlichen Problem konfrontiert wie Külsheim damals. Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) plant eine Strukturreform der Bundeswehr und hat eine Untergrenze von 163 500 Soldaten nach der Reform vorgeschlagen statt wie bisher rund 252 000. In Unionskreisen wird die Zahl 180 000 genannt.

Eines jedenfalls ist sicher: Bei keiner der beiden Truppenstärken können alle Standorte überleben, sagt Gerhard Stärk, der Landesvorsitzende des Deutschen Bundeswehrverbandes. Großstädte seien zwar eher bestrebt, die Bundeswehr aus der Stadt zu bekommen, weil eine Nutzung durch die Industrie für eine Stadt lukrativer sei. Aber gerade im ländlichen Raum seien die Standorte wichtig für die Gemeinden, weil sie Geld brächten.

Johannes Stingl vom Gemeindetag listet die Vorzüge auf: "Die Soldaten fragen Dienstleistungen im Ort nach und kaufen dort ein", sagt er. Dadurch stiegen auch die Einnahmen an Umsatz- und Gewerbesteuer. Über den Finanzausgleich des Landes erhielten die Gemeinden zudem eine jährliche Pauschale pro Soldat. "Ein Verlust der Kaserne ist da schon schmerzlich", sagt Stingl. Zumal die klammen Gemeinden das Kasernengelände ja nicht einfach neu nutzen können, sondern erst kaufen müssen.

Der Verlust könnte aber durchaus Chancen bereithalten. "Meistens sind die Kasernen in attraktiven Lagen", sagt eine Sprecherin der Architektenkammer. Sie böten sich je nach Bedarf beispielsweise als Wohnquartiere an oder als Gründerzentren für junge Unternehmen.

Baden-Württemberg habe bereits sehr viel Erfahrung bei der Umwandlung von Kasernen. Immerhin schlossen hier auch schon Standorte der französischen und amerikanischen Streitkräfte. Als erfolgreiches Beispiel der Konversion nennt sie das Kulturforum in Offenburg, das nach dem Wegzug der Franzosen unter anderem eine Bibliothek sowie die Städtische Galerie beherbergt und den Preis "Beispielhaftes Bauen" gewann. In Ulm seien in einer alten Kaserne der Bundeswehr attraktive Wohngebiete entstanden.

In Külsheim fährt Bischof die Hallen einer metallverarbeitenden Firma an. Dort werden riesige Mischanlagen für Beton oder chemische Stoffe hergestellt. Seitdem das größte Unternehmen auf dem Gelände eingezogen ist, sei das Interesse bei anderen Firmen noch größer geworden. "Wenn erst einmal etwas da ist, kommt immer mehr dazu", sagt Kuhn. Die BAK konnte auf dem Gelände zudem beispielsweise zwei Internethändler ansiedeln, die ihre Waren in drei Hallen lagern müssen, oder eine Brandübungsanlage für Feuerwehrleute. 14 Firmen werden auf der Internetseite aufgelistet.

Für Firmen ist das 52 Hektar große Kasernengelände ideal: Viel Platz, große Hallen und schwere, breite Betonplatten, die als Straße dienen, und selbst für Schwerlasttransporte geeignet sind. Das Gelände ist auch gut in Schuss: Noch 2001 hatte die Bundeswehr 17 Millionen Euro in ihre Kaserne investiert. Probleme hat die Stadt jedoch mit den Wohngebäuden auf dem Gelände. Wohnungen braucht die Gemeinde mit ihren 5500 Einwohnern nicht, die Bevölkerungszahlen im gesamten Landkreis sind seit Jahren rückläufig. Aber auch hier hat Kuhn schon eine Idee: Er will sich mit dem Landessportbund unterhalten. Auf dem ehemaligen Kasernengelände befinden sich auch ein Schwimmbad und ein Leichtathletikstadion. Möglicherweise besteht Interesse daran, einen Sportstützpunkt in Külsheim einzurichten, hofft er.

Ehemaliger Bundeswehrstandort Külsheim wird begehrter Gewerbepark
Im Gewerbepark in Külsheim hat sich neben Firmen auch ein Cateringunternehmen etabliert. Es hat die Küche der ehemaligen Prinz-Eugen-Kaserne mit all den vorhandenen eingebauten Geräten und Einrichtungen übernommen. Foto: dapd

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12.10.2010, 12:00 Uhr
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