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Wiedeking vor Gericht

Ehemaligem Porsche-Chef wird Marktmanipulation vorgeworfen

Nun wird Wendelin Wiedeking doch der Prozess gemacht. Der einst gefeierte und nicht allzu tief gefallene ehemalige Porsche-Chef soll den Markt manipuliert haben. Vorwerfen lassen will er sich nichts.

17.10.2015
  • THOMAS VEITINGER

Stuttgart Vor fast genau sieben Jahren kam es zu einem der verrücktesten Börsentage Deutschlands: Am 26. Oktober 2008 schoss die VW-Aktie auf 1005 EUR - um kurz danach abzustürzen. Die Wolfsburger waren kurze Zeit das wertvollste Unternehmen der Welt. Heute ist das Papier nur noch ungefähr ein Zehntel so wertvoll, wie beim damaligen Sternenflug - auch wegen des aktuellen Abgasskandals bei VW.

Verantwortlich für die Kursexplosion ist vor allem einer: Wendelin Wiedeking. Als Porsche-Chef versucht er mit seinem Finanzchef Holger Härter, den 15-fach größeren VW-Konzern zu übernehmen. Ein Himmelfahrtskommando. Über Jahre werden dazu in aller Stille Aktien aufgekauft und der Anteil an den Wolfsburgern stetig erhöht. 75 Prozent sind angepeilt. In Pressemitteilungen wird dies laut Staatsanwaltschaft dementiert.

Erst am Ende heißt es schließlich, dass Porsche 74,1 Prozent direkt oder über Optionen besitzt. Da dem Land Niedersachsen 20 Prozent der Papiere gehörten, explodierte der Wert für die wenigen freien Papiere. Wer sich als Anleger auf das Glatteis komplizierter Put-Optionen gewagt hat, benötigt VW-Anteile dringend.

Am Ende fehlt Porsche auch wegen der schlechten Konjunktur das Geld. Milliardenverluste entstehen. Erst in letzter Minute gelingt es, eine Finanzierung für den Sportwagenbauer auf die Beine zu stellen. Selbst bei der staatlichen KfW-Bank fragt Porsche um Geld nach - obwohl Wiedeking zuvor Subventionen stets öffentlich kritisiert hatte.

Schließlich werden die Stuttgarter unter das Dach von Volkswagen genommen - und nicht umgekehrt. Am 23. Juli 2009 löst der Autobauer Wiedekings Arbeitsvertrag auf. Zuvor sagt VW-Patriarch Ferdinand Piëch den entscheidenden Satz: "Für Porsche war Wiedeking der Beste, sicher über 15 Jahre."

Das alles ist Geschichte und dürfte heute vor allem Wirtschaftshistoriker interessieren - wenn nicht die Staatsanwaltschaft Wiedeking wegen angeblicher Marktmanipulation vor Gericht bringen würde. Die Aufstockung der VW-Beteiligung soll in fünf Fällen "wahrheitswidrig dementiert" worden sein, heißt es. Der Prozess beginnt am kommenden Donnerstag vor dem Stuttgarter Oberlandesgericht.

Andere Vorwürfe gegen Wiedeking und Härter wie den der Untreue ließ die Staatsanwaltschaft hingegen fallen. Der Verdacht der Börsen-Manipulation, um den Wert der VW-Aktien in einem für Spekulationen wichtigen Korridor von 200 bis 250 EUR zu halten, ist hinfällig. Härter wurde allerdings bereits wegen Kreditbetrugs zu einer Geldstrafe verurteilt: Er hatte einer Bank gegenüber Finanzbedarf und Risiken des Autobauers als zu gering angegeben, um einen Kredit zu erhalten.

Wiedeking taucht damit in der Öffentlichkeit auf, die er jüngst eher gemieden hat. Das ganz große Rad dreht der heute 63-Jährige nicht mehr. An etwa 20 Unternehmen sei er beteiligt, hat der im westfälischen Münsterland Geborene bestätigt. Dazu gehört der Schuhhersteller Heinrich Dinkelacker aus Bietigheim-Bissingen, ein Internet-Reiseportal und eine Beratungsfirma. Nicht alles läuft rund: Seine italienische Restaurantkette Tialini hat zunächst mit einem Namensstreit zu kämpfen, ein Geschäftsführer geht rasch, ein Restaurantleiter auch. Derzeit liegt die Stuttgarter Filiale beim Internet-Vergleichsportal Tripadvisor im letzten Drittel aller Lokale der Landeshauptstadt.

Doch ob dies Wiedeking viel ausmacht, darf bezweifelt werden. Zu aktuellen Entwicklungen nimmt er nicht mehr Stellung. Der 63-Jährige hat aus dem Übernahmekandidaten Porsche (Toyota war als Käufer im Gespräch) einen höchst profitablen Autohersteller gemacht und galt als einer der erfolgreichsten deutschen Manager, dem sogar das Wunder gelang, mehr Gewinn als Umsatz zu bilanzieren. Weil anfangs wenig Geld da war, handelte er als Porsche-Chef ein prozentuales Einkommen am Unternehmenserfolg aus. Zusammen mit einer Ablösesumme wurde Wiedeking reich. Ein Großteil seines Geldes sei in Stiftungen eingeflossen, beteuert er.

Das ganze war ein Risiko. Aber Risiken liegen ihm. Porsche-Urenkel Peter Daniell Porsche sagte über Wiedeking und Härter: "Aber ich will schon sagen: Die Dicke ihrer Zigarren und das Ausmaß der Bankgeschäfte waren auf dem höchsten Niveau der Hochnäsigkeit und des jugendlichen Spieltriebes."

Auf seinem Grundstück in Bietigheim erntet Wiedeking immer noch Kartoffeln mit einem seiner drei Porsche-Traktoren. Sonst fährt er lieber die Autos aus Zuffenhausen, abwechselnd einen Cayenne und Panamera, ist aus seinem Umfeld zu hören. Er lebt aber vor allem in Österreich, heißt es. In einem Interview sagte er vor zwei Jahren: "Ich habe mir nichts vorzuwerfen."

Ehemaligem Porsche-Chef wird Marktmanipulation vorgeworfen
Unser Bild zeigt den zurückgetretenen Porsche-Chef Wendelin Wiedeking bei einer Betriebsversammlung. Foto: dpa

Ehemaligem Porsche-Chef wird Marktmanipulation vorgeworfen

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17.10.2015, 12:00 Uhr
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