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Ehemalige "Gastarbeiter" von Altersarmut besonders bedroht

(tol/idw). Die Renten von Arbeitsmigranten aus der Türkei und dem ehemaligen Jugoslawien sind im Durchschnitt 20 Prozent niedriger als die Renten der einheimischen Bevölkerung in Deutschland. Für deutschstämmige Aussiedler, die zweite große Gruppe von Zuwanderern, ist die Lage etwas günstiger. Hier liegen die Altersrenten nur etwa 6 Prozent unter dem Durchschnitt. Das zeigt eine Studie aus der Reihe Research Notes des DIW Berlin "Alterseinkommen bei Zuwanderern".

05.01.2007

Die Analysen zeigen auch, dass türkische Rentenbezieher mit ihrer knappen Rente von durchschnittlich unter 650 Euro vermehrt die Familie unterstützen müssen. Haushalte von türkischen Migranten sind in der Regel größer als deutsche Haushalte. Außerdem ziehen die Jugendlichen und jungen Erwachsenen später von zu Hause aus - auch deshalb, weil sie häufiger von Arbeitslosigkeit betroffen sind. Die Studie basiert auf Daten der Längsschnittstudie Sozio-ökonomisches Panel (SOEP), die das DIW Berlin zusammen mit Infratest Sozialforschung erhebt, sowie den Daten des Forschungsdatenzentrums der Deutschen Rentenversicherung. Die Gründe für die geringen Renten von Arbeitsmigranten aus der Türkei und dem ehemaligen Jugoslawien sind vielfältig. Häufig kamen sie erst im Erwachsenenalter nach Deutschland. Ihre Erwerbsbiographie ist deshalb in der Regel deutlich kürzer. Durchschnittlich fehlen dreizehn rentenversicherte Jahre im Vergleich zur einheimischen Bevölkerung. Wurden die Migranten als Arbeitskräfte im Rahmen zwischenstaatlicher Abkommen angeworben, dann sind sie größtenteils als un- und angelernte Arbeitskräfte für körperlich beanspruchende Tätigkeiten vermittelt worden und haben ein entsprechend geringes Einkommen bezogen. Durch den Verlust von Arbeitsplätzen im produzierenden Gewerbe sind sie überproportional von Arbeitslosigkeit betroffen und bezogen vor Renteneintritt häufiger als Deutsche bereits Erwerbsminderungsrenten. Obwohl Abkommen zur Anerkennung von Rentenanwartschaften mit den Heimatländern der Migranten abgeschlossen wurden, verbessert dies die Situation nicht, weil sie als ungelernte Arbeitskräfte in ihrer Heimat häufig informelle Jobs hatten. Dass das Rentenniveau deutschstämmiger Rentenbezieher höher ist, hängt einerseits mit dem besseren Ausbildungsniveau der Zuwanderer zusammen. Außerdem wirkt sich die pauschale Anerkennung bisheriger Rentenversicherungsjahre günstig auf die Rentenhöhe aus. Ingrid Tucci, Co-Autorin der Studie und wissenschaftliche Mitarbeiterin am DIW Berlin, befürchtet, dass sich die Lage auch für die kommende Generation von Rentnern mit Migrationshintergrund nicht verbessert, wenn sich der Arbeitsmarkt für Ältere und Zuwanderer nicht günstiger entwickelt. "Zwar haben die zukünftigen Rentner in der Regel länger eingezahlt, aber bereits jetzt sind rund 40 Prozent der Migranten aus der Türkei und dem ehemaligen Jugoslawien arbeitslos, bevor sie Rentner werden. Und das wirkt sich natürlich negativ auf die Höhe der Renten aus." INFO Tatjana Mika und Ingrid Tucci, Alterseinkommen bei Zuwanderern. Gesetzliche Rente bei Aussiedlern und Zuwanderern aus der Türkei und dem ehemaligen Jugoslawien im Vergleich zur deutschen Bevölkerung, DIW Research Notes 18, Berlin Oktober 2006

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05.01.2007, 12:00 Uhr
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