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Brüssel

EU will weniger Antibiotika im Stall

Die EU-Kommission will das Tier-Arzneirecht vereinfachen. Dem EU-Parlament geht das zu weit. Es fordert, den Antibiotika-Einsatz einzudämmen.

17.02.2016
  • MARTIN HOFMANN

Brüssel. Einfachere Zulassung, bessere Verfügbarkeit, Anreize für das Entwickeln neuer Medikamente, vor allem etwa für Bienen, Fische, Ziegen oder Pferde: Dies sind die Ziele von drei geplanten Verordnungen, mit denen die EU-Kommission das Tier-Arzneimittelrecht reformieren will. Diese Absichten teilt die Mehrheit der EU-Abgeordneten. Dennoch fordern sie vielfach Änderungen, die heute im EU-Umweltausschuss abgestimmt werden.

Zentrales Anliegen vieler Parlamentarier: Den Einsatz von Antibiotika in den Ställen der 28 Mitgliedstaaten so weit wie möglich zu reduzieren und einige dieser Arzneimittel - sogenannte Reserveantibiotika - dort komplett zu verbieten. „Sie müssen einzig und allein der Behandlung kranker Menschen vorbehalten werden“, sagt Martin Häusling (Grüne). Der Landwirt hält dies für unumgänglich. Sonst sei der Kampf gegen die Entwicklung von Resistenzen der Keime gegen Medikamente nicht zu gewinnen. In der EU sterben mindestens 25 000 Menschen jährlich an Infektionen mit solchen multiresistenten Erregern, weil kein Arzneimittel mehr wirkt.

Häusling will auch erreichen, dass eine vorbeugende Gabe in Ställen, in denen ein Tier erkrankt ist, unterbleibt. Um dies durchzusetzen, sollen die Tierärzte weiterhin verpflichtet werden, die Diagnose, die verabreichte Menge an Medikamenten und die Dauer der Arzneigabe zu dokumentieren. Dazu müsste auch der Online-Handel von Tierarzneimitteln verboten werden. Dies sieht der Kommissionsvorschlag vor. Er widerspricht aber dem von der Brüsseler Behörde erarbeiteten Aktionsplan zur Abwehr von Antibiotikaresistenzen. Dort fordert sie, die „Überwachungssysteme für den Antibiotikaverbrauch in der Veterinärmedizin“ zu verstärken. Antibiotika zur Leistungs- und Ertragssteigerung der Tiere sind übrigens seit 2006 in der EU verboten.

Nun hoffen die Kritiker des Kommissionsentwurfs auf Mehrheiten. Anschließend wird sich das EU-Parlament mit den Gesetzentwürfen befassen. Die Landwirtschaftsminister, die dem Vorhaben ebenfalls zustimmen müssen, lassen sich bei diesem Thema offenbar Zeit. „Ob sie dieses Jahr ihre Vorstellungen vorlegen werden, sei fraglich, meinen EU-Abgeordnete.

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17.02.2016, 08:30 Uhr
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