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Libyen

EU siedelt 50 000 Flüchtlinge um

Brüssel sagt dem Menschenhandel in Afrika den Kampf an. Auch Deutschland zieht mit.

20.04.2018
  • MARTIN GEHLEN

Tunis/Brüssel. Es waren entsetzliche Bilder, die Ende 2017 um die Welt gingen. Für einen Moment hoben sie den täglichen Horror in Libyen ins globale Bewusstsein. Kopfüber wie Schlachtvieh hingen die drei jungen Afrikaner an einer Straße mit gefesselten Füßen am Gitter eines Fensters. Einem anderen, auf dessen Gesicht Todesangst stand, hielt der libysche Peiniger einen Revolver an die Schläfe.

Ein grobkörniges Handyvideo, das damals dem Sender CNN zugespielt wurde, zeigte, wie Migranten aus Afrika für 400 Dollar als Sklaven für Feldarbeit verkauft wurden. „Du bist ihnen völlig ausgeliefert“, sagte einer der Gequälten. „Sie können mit dir machen, was sie wollen.“

Seitdem tut sich etwas. Mit neuen Initiativen versucht die EU, solche Verbrechen vor ihrer Haustür einzudämmen und den Schmugglern das Handwerk zu legen. 137 Menschenhändler seien bisher festgenommen und der italienischen Justiz übergeben worden, erklärte kürzlich Admiral Enrico Credendino, Oberbefehlshaber der EU-Marineoperation „Sophia“ im Mittelmeer, deren Mandat bis Ende 2018 verlängert wurde. Nach seinen Angaben wurden 188 Mitglieder der libyschen Küstenwache ausgebildet, bis Ende 2018 sollen es 300 sein. Vier neue Boote lieferte Italien, weitere sechs sollen folgen.

Gleichzeitig wurden in den letzten Monaten 20 000 Migranten mit EU-Geldern in ihre Heimatländer südlich der Sahara zurückgebracht, berichtete die EU-Botschafterin für Libyen, Bettina Muscheidt, vor Journalisten in Tunis. Versprechen und Finanzhilfen sollen die Staaten der Sahelzone bewegen, neue Migranten von der Flucht abzuhalten und weitere zurückzunehmen. So geht die Zahl der Überfahrten von Libyen nach Italien seit einiger Zeit rapide zurück. Waren es im gesamten Jahr 2017 bereits 40 Prozent weniger als im Vorjahr, sank die Zahl der Bootsmigranten im zweiten Halbjahr sogar um zwei Drittel – ein Trend, der in den ersten drei Monaten 2018 anhielt.

Im Gegenzug legte die EU-Kommission ein zweijähriges Umsiedlungsprogramm für Flüchtlinge auf, die sich in Libyen und den an Libyen grenzenden Staaten Ägypten, Tschad, Sudan und Niger aufhalten. Sämtliche 50 000 Plätze sind inzwischen von Seiten der EU-Mitgliedstaaten zugesagt, als letzte kam nun auch die Bundesregierung mit 10 000 Plätzen an Bord, teilte EU-Migrationskommissar Dimitris Avramopoulos am Mittwoch mit. 500 Millionen Euro macht Brüssel dafür bis Oktober 2019 locker, das sind 10 000 Euro pro Migrant. Die Auswahl trifft das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR, die ersten 25 000 Entscheidungen sollen bis Oktober 2018 fallen. Martin Gehlen

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20.04.2018, 06:00 Uhr
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